SRG macht Platz für Milliardenkonzern

Mit der Firma Wabco, die Bremssysteme für Lastwagen und Busse herstellt, kommt ein internationaler Konzern nach Bern. Der Hauptsitz wird im SRG-Turm eingerichtet.

Büros für die oberste Führungsriege um CEO Jacques Esculier: Der globale Hauptsitz von Wabco wird an der Giacomettistrasse 1 im Berner Ostring untergebracht.

Büros für die oberste Führungsriege um CEO Jacques Esculier: Der globale Hauptsitz von Wabco wird an der Giacomettistrasse 1 im Berner Ostring untergebracht.

(Bild: Enrique Muñoz García)

Simon Wälti

Die Standortförderung Kanton Bern hat einen dicken Fisch an Land gezogen: Wabco, der als weltweit führender Zulieferer von Brems- und Fahrsystemen für Nutzfahrzeuge gilt, siedelt seinen globalen Hauptsitz im Kanton Bern an – an der Giacomettistrasse 1 in Bern. Bereits heute befindet sich an der Freiburgstrasse in Bümpliz eine Schweizer Niederlassung mit rund 20 Mitarbeitenden, die aber bald an die Morgenstrasse zügelt.

Wabco ist ein Konzern mit einem Jahresumsatz von 3,8 Milliarden Dollar und 16000 Angestellten. Der Hauptsitz war bisher in Brüssel. Die Firma wurde 1869 als Westinghouse Air Brake Company von George Westinghouse gegründet, dem Erfinder der Druckluftbremse.

Harte Konkurrenz

«Wir sind sehr froh über die Ansiedlung», sagt Sebastian Friess, Leiter Standortförderung Kanton Bern. Der Kanton stand in Konkurrenz zu anderen Kantonen und anderen Ländern, man habe mit einem «Paket» überzeugen können. Ausschlaggebend war offenbar unter anderem die Nähe zu spezialisierten Forschungsabteilungen an den Hochschulen, zu anderen Industriepartnern und zu nationalen Bewilligungsbehörden.

Positiv gestimmt ist auch der städtische Finanzdirektor Michael Aebersold (SP): Der Umzug freue ihn sehr. «Das zeigt uns doch, wie attraktiv Stadt und Kanton als Standort für internationale Unternehmen sind.» Vor allem vor dem Hintergrund der letzten Abstimmung zu den Senkungen bei den Unternehmenssteuern tue diese Nachricht wohl, so Aebersold. Ständig werde mit dem Wegzug von Firmen gedroht. Der Zuzug von Wabco sei sozusagen die «Antithese». Aebersold erhofft sich davon «eine Signalwirkung» weit über den Kanton hinaus.

«Das zeigt, wie attraktiv Stadt und Kanton Bern als Standort für internationale Unternehmen sind.»Michael Aebersold (SP)Finanzdirektor der Stadt Bern

Das an der New Yorker Börse kotierte Unternehmen wird in einer ersten Phase bis zu 40 Mitarbeitende des obersten Managements von Belgien in den Kanton Bern verlegen, wie die Volkswirtschaftsdirektion mitteilte. Auch CEO und Verwaltungsratspräsident Jacques Esculier wird in Bern arbeiten. Der französische Staatsangehörige besitzt ein Chalet in Saanen. Gemäss Geschäftsbericht 2017 erhielt er gesamthaft eine Vergütung von 8,5 Millionen Dollar.

Ein späterer Ausbau des neuen Standorts ist vorgesehen. Es sei angedacht, weiterführende Kompetenzen für Technologie und Entwicklung in der Schweiz zu bündeln, teilte die Pressestelle des Unternehmens mit. Die Schweiz eigne sich sehr gut für Zukunftstechnologien. Explizit gelobt wurde auch die gute Zusammenarbeit mit den Behörden im Kanton Bern. Wabco plant laut Angaben der Volkswirtschaftsdirektion, im Kanton Bern den Bereich autonomes Fahren mit eigenen Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen stark auszubauen und später ein Technologiekompetenzzentrum in Zusammenarbeit mit Hochschulen und Bundesbehörden zu gründen.

Nicht der einzige Erfolg

Dem Vernehmen nach hat die Berner Standortförderung noch weitere Ansiedlungen vorzuweisen. Das vergangene Jahr soll in dieser Hinsicht sehr erfolgreich gewesen sein. Namen und Details können zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht genannt werden, wie Friess erklärt. Die Geschäftszahlen würden erst im März veröffentlicht.

Der Kanton Bern kann auf kantonaler Ebene Steuererleichterungen beschliessen, die Erleichterung beträgt maximal 100 Prozent während zehn Jahren. Ob dieses Instrument bei der Ansiedlung von Wabco zum Einsatz gelangt ist, will Friess nicht kommentieren. Der Kanton könne diese Steuererleichterungen für den Auf- und Ausbau innovativer Projekte gewähren, wenn dies im volkswirtschaftlichen Interesse des Kantons liege. Es gebe aber noch andere wichtige Faktoren, so etwa die Nähe zu Hochschulen und zu Industriepartnern, die Verfügbarkeit von Fachkräften oder auch die Lebensqualität für die Mitarbeitenden und deren Familien.

Trotzdem dürfte bei einem internationalen Milliardenkonzern wie Wabco eine Steuererleichterung eine wesentliche Rolle gespielt haben.

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