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SP-Männer in den Startlöchern

Die Nachfolgerin von Barbara Egger (SP) heisst Evi Allemann oder Nicola von Greyerz. Falls Rot-Grün im Kanton die Mehrheit will, könnten auch Matthias Aebischer oder Corrado Pardini antreten.

Dieses Bild könnte sich an der SP-Nomination wiederholen: Matthias Aebischer und Evi Allemann.
Dieses Bild könnte sich an der SP-Nomination wiederholen: Matthias Aebischer und Evi Allemann.
Franziska Rothenbühler

In der Zürcher SP gibt es Flügelkämpfe. Und auch in der SP Stadt Bern meldet sich ein linker Flügel zu Wort, wie die Stellungnahmen der Juso zu den jüngsten Krawallen zeigen. Geht es aber um die Wahlen im Kanton Bern, scharen sich die Genossinnen und Genossen hinter pragmatische Kandidatinnen. Da nominiert eine eher linke Sektion wie die SP Bern-Nord die moderate Nationalrätin Evi Allemann für die Nachfolge von Regierungsrätin Barbara Egger.

Und die SP Länggasse wird in zehn Tagen die nicht minder moderate Grossrätin Nicola von Greyerz ins Rennen schicken. Allemann ist bekannter als von Greyerz, bearbeitet eine breitere Themenpalette und unterscheidet sich wohl auch in Stilfragen von ihrer Konkurrentin. Die inhaltlichen Unterschiede zwischen den beiden muss man aber mit der Lupe suchen. So sassen sie jüngst an einer Medienorientierung Seite an Seite neben den Initianten der «SP-Plattform» des liberalen Reformflügels der SP Schweiz. Das Bekenntnis zum SP-Reformflügel scheint fast so etwas wie das Ticket für eine offizielle Nomination der Partei für die Regierungsratswahlen zu sein.

Bundeshaus-Insider favorisiert

Bei den beiden Interessentinnen wird es aber wohl trotzdem nicht bleiben. An der Spitze der SP-Kantonalpartei rechnet man bis zum Ablauf der Meldefrist Ende Mai jedenfalls noch mit weiteren Nominationen. Ob nebst dem bisherigen Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann auch ein Exponent des linken Parteiflügels dabei sein wird, kann Parteipräsidentin Ursula Marti noch nicht sagen. «Eine breite Auswahl ist sicher willkommen. Aber es ist nicht alleine Aufgabe der Parteileitung, diese sicherzustellen», sagt Marti.

Gefordert seien auch die Sektionen und Regionalverbände. «Klar ist einzig, dass der Sitz von Barbara Egger durch eine Frau besetzt werden soll», sagt Marti. Zentral für weitere Nominationen ist die Frage, ob SP und Grüne mit drei oder vier Kandidierenden in die Regierungsratswahlen vom März 2018 steigen werden. Die Frage wird SP-intern intensiv diskutiert. Eine starke Fraktion ist angesichts der Sparpolitik von Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP) der Ansicht, dass es wieder eine rot-grüne Mehrheit mit vier Sitzen im Kanton Bern braucht.

«Bei einer Viererliste gibt es zwei Optionen», sagt Erich Fehr, Stadtpräsident von Biel. Die dritte SP-Person auf dieser Liste müsste ein bekanntes Gesicht aus dem Bundeshaus sein oder aus dem Jura stammen. «Ich erfülle weder die eine noch die andere Voraussetzung», sagt Fehr. Zudem habe er eine neue Legislatur in Biel eben erst begonnen, weshalb er für eine Nomination eher nicht infrage komme, sagt Fehr.

Pardinis Blumen für Allemann

Ein SP-Angriff auf den Jura-Sitz von Pierre Alain Schnegg dürfte angesichts der dünnen Personaldecke der SP in diesem Kantonsteil eher unwahrscheinlich sein. Ein Teil von Fehrs Ausführungen führen aber trotzdem auf die richtigen Spuren – auf diejenigen der Nationalräte Matthias Aebischer und Corrado Pardini. «Ich prüfe zurzeit, ob ich mich für eine Nomination zur Verfügung stellen soll», sagt Gewerkschaftsführer Pardini. Für ihn sei klar, dass Baudirektorin Barbara Egger durch eine Frau ersetzt werden sollte.

Und er wünsche sich, dass Nationalrätin Allemann als «ausgewiesene und gute Politikerin» von der SP nominiert und schliesslich gewählt werde. Die Frage der Listengrösse wiederum müsse an der kantonalen Parteiversammlung diskutiert werden. «Meiner Ansicht nach spricht aber vieles für eine Viererliste», sagt Pardini. In diesem Fall würde er bei einer Nomination «ein gewisses Wählerpotenzial» abdecken. Auch Ex-TV-Moderator Matthias Aebischer liess jüngst gegenüber der «Berner Zeitung» durchblicken, dass er im Falle einer Viererliste Interesse an einer Kandidatur hätte. Für den «Bund» war Aebischer am Mittwoch nicht erreichbar.

So bleibt die kommunal und national lautstarke Parteilinke wohl ohne «eigene» Nomination. Am ehesten könnte noch Pardini als Mitglied der Geschäftsleitung der Gewerkschaft Unia zum linken Parteiflügel gezählt werden. Aber Pardini spielt die Differenzen zu den Vertreterinnen der SP-Plattform herunter. «In 90 Prozent der Fälle stimmen wir gleich.» Die SP sei im Kanton Bern eine Volkspartei, die verschiedene Strömungen repräsentiere, sagt Pardini.

«Es braucht viel Rückgrat»

Die Juso zählen sich offenbar weniger zu diesen Strömungen. Die Kandidaturen des rechten Parteiflügels hätten sie nicht überrascht, sagt die Berner Stadträtin und Juso-Schweiz-Präsidentin Tamara Funiciello. «Der Kanton Bern ist nun mal ein bürgerlicher Kanton.» Die Juso stünden der Beteiligung der SP an Exekutivämtern ohnehin kritisch gegenüber. «Als SP-Mitglied braucht man in einer Exekutive viel Rückgrat, um die eigenen Positionen nicht zu verraten», sagt sie.

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