Spitalzentrum Biel steckt in Schwierigkeiten

Geschlossene Bettenstation, Abgang von Kaderärzten, Umsatzrückgang, Vakanzen in der Geschäftsleitung, verzögerte Totalsanierung: Das zweitgrösste Spital des Kantons Bern kämpft mit Problemen.

Das Spitalzentrum Biel rutscht dieses Jahr in die roten Zahlen.

Das Spitalzentrum Biel rutscht dieses Jahr in die roten Zahlen.

(Bild: Adrian Moser)

Reto Wissmann@RetoWissmann

Der Direktor hat in diesen Tagen seinen Letzten, der Leiter Finanzen wurde im August pensioniert, und die Personalchefin ist ebenfalls im Sommer gegangen. Drei von sechs Posten in der Geschäftsleitung des zweitgrössten Spitals des Kantons Bern sind somit zurzeit vakant. «Das Spitalzentrum Biel scheint führungslos», sagt Bettina Dauwalder, die bei der Gewerkschaft VPOD für den Gesundheitsbereich zuständig ist.

Ende August hatte das Spital überraschend angekündigt, dass Direktor Bruno Letsch anstatt wie geplant Ende April 2018 bereits jetzt zurücktritt. Sein Nachfolger solle die Weiterentwicklung vorantreiben, hiess es zur Begründung. Recherchen des «Bund» zeigen nun, dass das Spital an verschiedenen Fronten mit Problemen kämpft. Wie Verwaltungsratspräsident Fredy Sidler bestätigt, muss das Spital nicht nur Abgänge in der Geschäftsleitung, sondern vermehrt auch im oberen ärztlichen Kader verkraften. Dafür gebe es verschiedene Gründe: Pensionierungen, die Suche nach neuen Herausforderungen, aber auch Unzufriedenheit mit der Strategie.

Zu hohe Personalkosten

Gehen Kaderärzte, gehen die Patientinnen und Patienten in der Regel mit. Für das Spitalzentrum hat dies einen empfindlichen Umsatzrückgang zur Folge. Laut Sidler muss dieser mit Kostensenkungen kompensiert werden. Bereits wurde eine Bettenstation geschlossen. Abgesehen davon wurde im Frühling ein unerwarteter Anstieg beim Personalaufwand festgestellt. «Damit das nicht aus dem Ruder läuft, müssen wir auch da Massnahmen ergreifen», sagt der Verwaltungsratspräsident. Bereits sei bei der Neubesetzungen von Stellen die Schraube angezogen worden. Weitere Massnahmen werden derzeit ausgearbeitet. «Zu Massenentlassungen wird es aber nicht kommen», so Sidler. Die «Kostenziele» sollen über natürliche Abgänge erreicht werden.

Das letzte Jahr konnte das Spitalzentrum mit einer «roten Null», einem kleinen Defizit von 400'000 Franken, abschliessen. «Das SZB ist auf Kurs», hiess es im Mai noch. Im Nachhinein scheint dies schöngefärbt gewesen zu sein. Sidler tönt aktuell jedenfalls weniger optimistisch: «2017 werden wir sicher deutlich schlechter abschliessen. Die Herausforderung ist nun, ein ausgeglichenes Budget für 2018 auszuarbeiten.» Unabhängig von den aktuellen finanziellen Problemen hat der Verwaltungsrat bereits Ziele für neue Führungsstrukturen formuliert, um für die künftigen Herausforderungen besser gewappnet zu sein. Auf Einzelheiten geht Sidler jedoch nicht ein. Die neuen Strukturen müssten die Handschrift des neuen CEO tragen. Nur so viel: Künftig sollen die Chefärzte stärker in die unternehmerische Gesamtführung eingebunden werden.

Das Spitalzentrum kämpft aber noch mit einem anderen Problem: Vor sechs Jahren hatte sich der Grosse Rat grosszügig gezeigt und das Bieler Spital bei der Verteilung der letzten Gelder aus dem Spitalinvestitionsfonds mit 85 Millionen Franken für eine Gesamterneuerung berücksichtigt. Umgesetzt ist die dringend nötige Sanierung allerdings bis heute nicht. Nachdem das Projekt bereits 2013 überarbeitet worden war, verlangte der Kanton 2016 erneut eine Überprüfung. Laut Sidler liegt nun zwar ein konsolidiertes Projekt vor. Der Kanton muss die Änderungen allerdings noch genehmigen, bevor er die Gelder freigibt. Gemäss der Gesundheitsdirektion soll dies bis Ende Jahr geschehen. Dann droht allerdings noch eine weitere Hürde: Möglicherweise muss das Geschäft erneut dem Grossen Rat vorgelegt werden, was zu weiteren Verzögerungen führen würde. Verwaltungsratspräsident Fredy Sidler gibt sich dennoch zuversichtlich und hofft, am 1. Januar die Arbeiten ausschreiben zu können.

Grosser Rat schaltet sich ein

Die Turbulenzen des Spitalzentrums Biel sind unterdessen auch in der Politik ein Thema. BDP-Grossräte aus dem Seeland drängen per Vorstoss auf eine rasche Sanierung des Spitals, und zwei SP-Grossratsmitglieder aus Biel wollen vom Regierungsrat per Interpellation wissen: «Was ist los am Spitalzentrum Biel?» Sie beschäftigen vor allem die vielen Kündigungen. «Wir machen uns tatsächlich Sorgen», sagt auch VPOD-Vertreterin Bettina Dauwalder, «das Personal leidet unter all den Unsicherheiten.» Die Patientinnen und Patienten spüren von dieser Verunsicherung aber offenbar noch nichts. Bei den regelmässigen Befragungen sei deren Zufriedenheitswert aktuell gar auf 9,4 von 10 möglichen Punkten gestiegen, wie Sidler sagt. Auch sei die Fluktuation beim nicht ärztlichen Personal nicht gestiegen.

Aus dem Spitalzentrum gibt es aber auch noch andere gute Nachrichten: Der neue Leiter Finanzen ist laut Sidler bereits gewählt und wird seine Stelle am 1. November antreten. Das Auswahlverfahren für eine neue Personalleitung werde ebenfalls demnächst abgeschlossen. Und bereits nächste Woche soll ein neuer Direktor ernannt werden. Nur: Im schlimmsten Fall dauert es ein halbes Jahr, bis dieser sein Amt antreten kann.

Der Bund

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