Schwierige Verjüngungskur nach Abschied der alten Garde

Für Urs Gasche rückt der Seeländer Heinz Siegenthaler in den Nationalrat nach. Auch er ist ein BDPler der ersten Stunde.

Ist der Nachfolger von Urs Gasche: Heinz Siegenthaler. (Archivbild)

Ist der Nachfolger von Urs Gasche: Heinz Siegenthaler. (Archivbild)

(Bild: Manu Friederich)

Simon Wälti

Urs Gasches Rücktritt aus dem Nationalrat zeigt, wie dringend nötig die BDP eine Verjüngung hätte. Denn der Nachfolger, Heinz Siegenthaler, hat mit 1955 den gleichen Jahrgang und ist nur wenige Monate jünger als der zurücktretende Gasche.

Zudem wurde Siegenthaler 2015 nicht wiedergewählt, erst ein Jahr vorher war der Landwirt aus Rüti bei Büren für Ursula Haller in den Nationalrat nachgerutscht. Siegenthaler ist wie Urs Gasche ein Gründungsmitglied der BDP. In seine Amtszeit als Präsident der BDP des Kantons Bern fiel die klatschende Niederlage bei den Grossratswahlen 2014, als die BDP gleich 11 ihrer vorher 25 Sitze verlor.

Auch Nationalrat Hans Grunder liess schon durchblicken, dass er die Legislatur nicht beenden werde. Nun sagt er, der Rücktritt werde nicht kurzfristig erfolgen, das heisst, nicht mehr in diesem Jahr. Gasche begründete seinen Rücktritt unter anderem damit, er sei kein idealer Parlamentarier gewesen. BDP-Ständerat Werner Luginbühl sagt dazu: «Ich wusste, dass das Mandat für ihn kein Traumlos war. Das Hickhack der Parteien machte er nur ungern mit.» Er habe sich aber stark engagiert und die BDP mitgestaltet.

Gasches Erfahrung sei für die Fraktion sehr wichtig gewesen. Der 59-jährige Luginbühl selber spricht nur vorsichtig über seine eigenen Pläne: «Ich werde den Entscheid erst kurz vor den Wahlen bekannt geben, rein vom Alter her könnte ich noch einmal antreten und werde dies voraussichtlich auch tun.» Insgesamt brauche die Partei aber eine Verjüngung, so Luginbühl weiter.

Enea Martinelli, derzeit BDP-Präsident im Kanton Bern, bedauert Gasches Rücktritt: «Er hatte ein grosses Renommee und eine hohe Kompetenz in den Bereichen Finanzen und Energie.» Schon seit Jahren spricht man von einem Mangel an erfolgversprechenden Nachwuchskräften bei der BDP. In diesem Fall war die Konstellation aber speziell. Falls Siegenthaler auf ein Nachrutschen verzichtet hätte, wäre Martinelli zum Zug gekommen. Für Martinelli verbot es sich darum, Druck auszuüben. «Das Kriterium ist weniger das Alter als die Motivation», sagt Martinelli. Diese sei bei Siegenthaler in hohem Mass vorhanden.

BDP-Nationalrat Lorenz Hess spricht lieber von einer Erneuerung als von einer Verjüngung. «Schlecht ist, wenn Sesselkleber verhindern, dass überhaupt eine Bewegung entsteht.» Hess, der im Herbst 2019 wieder antreten will, relativiert die negativen Prognosen, wonach die BDP eine Partei mit Ablaufdatum sei.

Schon vor zwei Jahren seien düstere Szenarien gemalt worden. «Wir haben dann aber im Kanton Bern nur einen von vier Sitzen im Nationalrat verloren und auch diesen nur sehr knapp.» Ein positives Zeichen sieht Hess im Ausland, zum Beispiel durch den Wahlsieg von Emmanuel Macron in Frankreich. «Der populistische Vormarsch wurde gestoppt, der Trend könnte in Richtung vernünftige Mitte gehen.»

«Nationale Perspektive fehlt»

Der Politologe Georg Lutz von der Universität Lausanne sieht die BDP trotzdem in einer «Abwärtsspirale». Sie sei mit den Problemen vieler kleiner Parteien konfrontiert. «Am Anfang führen die Dynamik des Aufbruchs und die hohe Aufmerksamkeit der Medien zu einem Wachstum, über einen längeren Zeitraum wird es schwierig.»

Es sei nicht einfach, eigenständige politische Projekte zu finden, die eine Abgrenzung von anderen Parteien ermöglichten, erklärt Lutz, der wenig Gründe für eine Trendumkehr bei der BDP sieht: «Historische Beispiele wie LdU oder die Autopartei sprechen eher dagegen.» Bei der BDP komme hinzu, dass sie nur in wenigen Kantonen wirklich verankert sei. «Die nationale Perspektive fehlt.»

Der Bund

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