BLS legt «Light»-Variante für Depot vor

Mit einer Reduktion der Fläche und ökologischen Ausgleichsmassnahmen versucht die BLS den Widerstand gegen das neue Depot bei Bern Riedbach zu brechen.

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Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Neue Obstbäume, Biotope, renaturierte Bäche, Solarpanels – das Gewinnerprojekt für das BLS-Depot im Gebiet Chliforst bei Riedbach sei auf «überzeugende Weise» in die Landschaft eingebettet. Dies hält das Beurteilungsgremium im nun veröffentlichten Schlussbericht zum Architekturwettbewerb fest. Die BLS schreibt in der begleitenden Medienmitteilung denn auch, dass damit «den Bedürfnissen der Anwohner Rechnung getragen wird».

Die Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem (QBB) als reguläre Vertreterin des Stadtteils ist gegenteiliger Ansicht. «Wenn dieses Projekt vor Bundesgericht durchkommt, verstehe ich das Raumplanungsrecht in der Schweiz nicht mehr», sagt deren Präsident Bernardo Albisetti. Die Planung der Werkstätte auf der grünen Wiese zeige exemplarisch, wie die Politik das Recht auszuhebeln versuche. Er sei aber «relativ gelassen», dass die Justiz den «raumplanerischen Sündenfall» nicht zulassen werde. «Es ist davon auszugehen, dass das Projekt nun bis vor Bundesgericht bekämpft wird», sagt Albisetti. Die QBB, die IG Riedbach, der Leist Oberbottigen und die Gemeinde Frauenkappelen gingen bereits nach dem Entscheid des Bundesrates zum Standort der Werkstätte davon aus.

Zweierlei Anwohner

Wer aber sind die Anwohner, von denen die BLS in ihrer Medienmitteilung spricht? Das Unternehmen meint die von ihr eingesetzte Dialoggruppe Chliforst, die sich seit Ende 2016 wiederkehrend trifft und das Projekt weiterhin begleiten soll. Bereits im Frühling nach ihrer Gründung sind aber rund fünfzig direkt betroffene Anwohnerinnen und Anwohner wieder aus der Gruppe ausgetreten, weil sie das Gefühl hatten, nurmehr als «Feigenblatt» zu dienen. Einige davon haben den Verein Chlyforst gegründet, der den «Industriekomplex mitten im Grünen» um jeden Preis verhindern will, wie es auf dessen Website heisst.

Präsident Matthias Thomet ist erstaunt über das «dynamische Anlage-Design», das beim Siegerprojekt nun möglich sei. Dieses sei nun etwa halb so gross wie ursprünglich geplant. «Für ein Projekt dieser Dimension hätte man auch in einem bereits erschlossenen Gebiet einen zonenkonformen Platz gefunden», sagt er in Anspielung auf die vor Jahresfrist abgeschlossene Standortevaluation. Damals habe die BLS eine abgespeckte Variante für die Werkstatt-Halle aber noch ausgeschlossen. «Das zeigt, wie unseriös geplant wurde.» Von einem Baubeginn sei die BLS jedenfalls «noch weit entfernt», sagt Thomet in Bezug auf die angekündigten Beschwerden gegen das Baugesuch.

Gemeinderat lenkt ein

Die Front gegen die Anlage ist aber nicht mehr so einheitlich wie auch schon. So hatte sich etwa der Gemeinderat noch vor Jahresfrist für eine Neuauflage des Sach- und Richtplanverfahrens ausgesprochen. Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) brachte gegenüber dem «Bund» eine Weiterführung der Werkstätte Aebimatt beim Bahnhof Bern ins Spiel und forderte eine gleichwertige Evaluation von Standorten auf bestehenden Industrieanlagen.

Bereits in seiner Stellungnahme zum Sachplanverfahren Anfang letzten Jahres hielt sich der Gemeinderat aber ein Hintertürchen für den Standort Chliforst offen – zumindest in Konkurrenz zum ebenfalls diskutierten Standort Niederbottigen. «Falls einer dieser Standorte festgesetzt werden sollte, sprach sich der Gemeinderat für den Standort Chliforst aus», hält von Graffenried auf Anfrage fest. Mittlerweile habe der Bundesrat den Standort im Sachplan festgesetzt, was vom Regierungsrat nachvollzogen wurde. «Damit sind andere Optionen hinfällig geworden», sagt von Graffenried.

Die BLS fühlt sich vom behördlichen Support gestärkt. «Wir planen, 2023 mit dem Bau zu beginnen», sagt eine Sprecherin. Das Projekt benötige weniger Fläche, weil die BLS aufgrund der Empfehlungen der Begleitgruppe zur Standortevaluation auf eine 3-Standort-Strategie setze. Im Übrigen werde das Naherholungsgebiet durch Renaturierungen aufgewertet. «Alle Anwohner sind eingeladen, bei der Ausgestaltung der Werkstätte mitzureden», hält die Sprecherin fest.

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