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Skywork-Chef: «Da gibt es gute Neuigkeiten»

Durchschnittlich eine Million Franken pro Monat setzte Skywork Airlines 2013 in den Sand. Rolf Hartleb, seit drei Monaten Chef der Fluggesellschaft, sieht dennoch einen Silberstreifen am Horizont.

In nur drei Jahren hat die Fluggesellschaft Skywork Airlines Verluste von gegen 70 Millionen Franken angehäuft.
In nur drei Jahren hat die Fluggesellschaft Skywork Airlines Verluste von gegen 70 Millionen Franken angehäuft.
Adrian Moser
Anonyme Investoren sollten Geld einschiessen. Die Hinweise verdichten sich, dass Daniel Borer wieder Grossaktionär der Airline ist.
Anonyme Investoren sollten Geld einschiessen. Die Hinweise verdichten sich, dass Daniel Borer wieder Grossaktionär der Airline ist.
Adrian Moser
Gewinne soll es frühestens ab 2015 geben.
Gewinne soll es frühestens ab 2015 geben.
Adrian Moser
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Herr Hartleb, dem «Bund» liegen Dokumente vor, die belegen, dass der einstige Skywork-Geldgeber Daniel Borer nach seinem Rückzug letzten Winter wieder Grossaktionär der Airline ist. Trifft das zu?

Das kann ich nicht sagen. Unternehmen aus dem Umfeld von Herrn Borer besitzen Aktien von Skywork. Wie gross ihr Anteil ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Herr Borer ist aber nicht in Entscheidungsgremien von Skywork vertreten.

Im Oktober 2013 sagten Sie, Skywork habe vermögende Berner Investoren gewinnen können, die anonym bleiben wollten. Handelt es sich dabei um Daniel Borer?

Nein. Das war nicht Herr Borer. Es gab damals interessierte Kreise, die investieren wollten. Diese Idee wurde aber leider nicht realisiert.

Es gibt also keine anonymen Investoren?

Leider nicht. Es gibt aber ein grösseres Aktienpaket, das zum Verkauf steht.

Dieses Paket ist nach unseren Informationen im Besitz von Borers Centaurium-Gruppe . . .

. . . und da sind wir weiterhin auf der Suche nach Käufern. Wir brauchen neues Kapital, dringend, wie jede andere europäische Airline auch. Ich führe Gespräche mit vielen Leuten und versuche, Interesse zu erwecken. Ich kann Ihnen sagen, Herr Borer bietet seine Aktien an – ganz egal, wie viele er jetzt hat. Die Zeiten, in denen Borer Skywork mit Geld ausstattete, sind vorbei.

Im Oktober schien es, als sei Skywork durch die Kooperation mit MHS auch finanziell über dem Berg. War dieser Eindruck falsch?

Die Partnerschaft mit MHS ist eher strategisch, nicht finanziell. Wir hatten zwar gehofft, dass wir uns auch auf finanzieller Basis näherkommen, aber das ist noch nicht eingetreten. Indem wir aber Anfang Februar den Flugzeugunterhalt und die Operationszentrale zusammenlegen, können wir immerhin die Kosten reduzieren. Und damit gewährleisten, dass Bern an Europa und die Welt angebunden bleibt. Da gibt es übrigens gute Neuigkeiten: Wir stehen kurz davor, eine Interlining-Kooperation abzuschliessen.

Was heisst das konkret?

Bald kann man ein Ticket von Bern nach Taipeh kaufen.

Mit welcher Fluggesellschaft kommt diese Kooperation zustande?

Wir planen unter anderem mit der KLM. Das heisst, man fliegt dann via Amsterdam mit einem Ticket in die Welt. Sehen Sie, Skywork braucht starke Partner. Aktuell besteht unser Geschäft hauptsächlich darin, Passagiere aus der Region Bern zu unseren Destinationen und wieder zurück zu fliegen. Man kennt uns kaum in London, in Amsterdam, in Berlin. Der Verkehr von diesen Städten nach Bern, ich denke da auch an den Wintertourismus ins Berner Oberland, ist ein bisschen verkümmert. Wir haben einfach nicht genügend Geld, im Ausland für Skywork und die Destination Bern zu werben. Sobald wir jedoch Interlining-Verträge haben, wird sich das ändern, weil dann unsere Partner-Fluggesellschaften vor Ort für die Strecke nach Bern werben. Das Interlining ist ein enormer Schritt nach vorne.

Der ehemalige Skywork-Chef Tomislav Lang hat bereits im Mai 2013 verkündet, dass ein Interlining unterzeichnet sei.

Wir hatten damals schon alles vorbereitet für eine Partnerschaft mit Air France. Wir hatten sogar schon die Abflugzeiten nach Charles de Gaulle vereinbart und wären am Terminal 1, dem besten Terminal, gelandet.

Woran ist das Projekt gescheitert?

Die Unterstützung von Air France war zwar gross, aber Air France wollte nicht ein bestimmtes Kontingent an Sitzen übernehmen. So hätten wir die Strecke auf eigenes Risiko fliegen müssen. Vielleicht schreckte Herr Lang dann vor dem eigenen Mut zurück.

Ihr Plan, die Skywork-Flugzeuge bis Ende 2013 in Deutschland zu registrieren, scheiterte. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt musste Ihnen eine Fristverlängerung gewähren. Die nächste Deadline ist der 31. Januar. Klappt es diesmal?

Das kann ich noch nicht sagen. Man muss aber bedenken: Wir haben das AOC, das uns erlaubt, zu fliegen. Unsere Betriebsbewilligung ist auf den 31. Januar befristet. Das heisst aber nicht, dass man anschliessend nicht mehr fliegen darf. Wenn nötig, können wir die Betriebsbewilligung auch nochmals verlängern. Es geht letztlich um das liebe Geld. Als Herr Borer bei Skywork noch eine aktive Rolle spielte, hatten wir keine Geldsorgen. Heute hingegen müssen wir schauen, welche Quellen wir anzapfen können. Es ist schwieriger geworden. Kommt hinzu: Der Winter ist unsere Durststrecke. Die muss man überstehen, im Frühjahr fliesst wieder Geld zu.

Ursprünglich sollte Skywork 2013 Gewinn erwirtschaften.

Ja (seufzt). Im Gründerjahr 2011 setzte man sich sehr sportliche Ziele.

Uns liegen Dokumente vor, die belegen, dass 2013 trotz eines Sparprogramms ein Defizit von knapp 12 Millionen Franken eingefahren wurde.

Ja, das kommt etwa hin.

Gemäss diesem Dokument waren es 2011 und 2012 jeweils rund 28 Millionen Franken.

Auch diese Zahlen treffen zu. Der Ausblick für 2014 ist aber wesentlich besser. Wir haben drei Szenarien durchgerechnet. Bei einem Szenario liegt der operative Verlust schon unter 1 Million Franken.

Das ist das optimistische Szenario?

Genau. Es beruht darauf, dass wir die Flugzeuge noch etwas günstiger leasen können und im Bereich Administration, speziell bei der IT, schlanker werden. Etwas übertrieben gesagt: Wir haben eine Vielzahl an verschiedenen IT-Systemen, die alle betreut werden müssen. Unser Geschäft könnte man auch mit erheblich weniger bewältigen. Da sehen wir ein grosses Einsparungspotenzial. Und dann natürlich im Flugzeugunterhalt, den wir ja jetzt in Deutschland machen. Das wird auch nochmals schön einschenken.

Können Sie beziffern, wie viel Sie durch diesen Schritt einsparen?

Das ist schwierig. Manchmal kommt das Flugzeug ohne Beanstandungen durch die Inspektion. Dann wieder kommen verschiedene unvorhersehbare Dinge zusammen.

Zusammengezählt hat Skywork in den letzten drei Jahren gegen 70 Millionen Franken Verlust gemacht. Wo nehmen Sie den Optimismus her?

Nun, wir haben den Verlust im letzten Jahr massiv senken können. Das sind Fakten. Man muss die Verluste auch ins Verhältnis zum Umsatz setzen. Und da sieht es vielversprechend aus. Durch den schlankeren Flugplan 2014 werden wir effizienter. Zudem ist unsere Auslastung eigentlich schon sehr ansprechend – jedenfalls für eine Regionalfluggesellschaft. Bei manchen Destinationen hatten wir diesen Sommer eine Auslastung von gut über 80 Prozent. Wichtig ist einfach, die Kostenstruktur diesem Segment anzupassen.

Holt Skywork diese 70 Millionen Franken je wieder rein?

Nein, was der «Business Angel» Daniel Borer hier investiert hat, kann man wohl nicht mehr zurückholen. Ich glaube aber, dass es möglich ist, dass Skywork einmal auf eigenen Füssen steht. Vielleicht bereits 2015. Wenn die Berner weiter fliegen, dann glaube ich, dass das zu packen ist. In privaten Gesprächen mit Leuten aus der Wirtschaft stelle ich immer wieder fest, dass wir sehr geschätzt werden. Der moralische Support ist da.

Wie reagiert das Personal auf die Sparbemühungen?

Natürlich braucht es seine Zeit, bis diese Sparmentalität vom Personal gelebt wird. Aber insgesamt ist die Botschaft angekommen und auch sehr positiv aufgenommen worden.

Trotz des Lohnverzichts für das Flugpersonal 2013?

Ja. Und das möchte ich hier stark hervorheben: Die Skywork-Mitarbeiterkommission verblüfft mich immer wieder. Normalerweise streitet man sich in der Airline-Branche ja ständig mit den Gewerkschaften und den Betriebsräten. Bei uns ist das ganz anders. Die Kommission arbeitet mit der Geschäftsleitung sehr eng zusammen, sie ist verständnisvoll und bringt proaktiv tolle Ideen ein. Es macht Spass, mit dieser Kommission zusammenzuarbeiten. Es ziehen wirklich alle an einem Strang. Auch deshalb bin ich zuversichtlich für Skywork.

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