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«Selektion produziert Verlierer»

Unzufriedene Schüler, überforderte Lehrkräfte, gestresste Eltern: Für Hans Joss, Lehrer und ehemaliger Dozent der Pädagogischen Hochschule, macht der Sek-Übertritt ein ganzes Schulsystem krank.

Radikaler Kritiker des selektiven Schulsystems: Hans Joss.
Radikaler Kritiker des selektiven Schulsystems: Hans Joss.
Adrian Moser

Die SP forderte die Primarlehrer jüngst auf, im Fach Französisch auf Noten und Übertrittsentscheide in Bezug auf die Sekundarschule zu verzichten. Sie als ehemaliger Sekun­darlehrer und Dozent der PH kritisierten danach öffentlich, dass Zuweisungsentscheide sowieso zu viele Fehlprognosen enthielten. Wie kommen sie darauf?

In den 1970er-Jahren war ich in der Stadt Bern beteiligt an der Umstellung des Modells 4/5 (4 Jahre Primar-/5 Jahre Sekundarschule; Anm.d.Red.) auf 6/3. Damals stellten wir uns die Frage, ob man eine zuverlässige Prognose der Schulleistungen einzelner Schüler abgeben könne. Wir waren sehr umtriebig in dieser Frage und lancierten gar ein Nationalfondsprojekt. Unter dem Strich kam her­aus, dass das Lehrerurteil am zuverlässigsten für eine Prognose ist. Aber: Das Urteil ist nur ein Jahr lang gültig. Das heisst, nach einem Jahr kann ein Kind an einem ganz anderen Ort stehen.

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