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Seeländer Psychiatrie-Notfalldienst fehlt trotz Kritik weiterhin

In der Region Biel können sich Psychiater noch immer vom ärztlichen Notfalldienst loskaufen.

In der Region öffnen die Psychiater für ärztliche Notfälle nicht ihre Türe. (Symbolbild)
In der Region öffnen die Psychiater für ärztliche Notfälle nicht ihre Türe. (Symbolbild)
Peter Schneider

In der Region Biel können sich Psychiater weiterhin vom ärztlichen Notfalldienst loskaufen - obwohl dies der Berner Regierungsrat schon vor zwei Jahren kritisierte. Nun kommt aber offenbar Bewegung in diese Geschichte.

Laut dem Präsidenten des ärztlichen Bezirksvereins Biel-Seeland besteht die Idee, diesen psychiatrischen Notfalldienst teils mit den praktizierenden Psychiatern der Region aufzuziehen, teils mit dem Personal des Standorts Biel des regionalen Netzwerks Psychische Gesundheit (NPG). Das sagte Vereinspräsident Filippo Donati am Mittwoch auf Anfrage.

An der Sommer-Versammlung des Vereins vom Donnerstag werde dieses «Projekt», so Donati, diskutiert. Dabei sein werde auch der bernische Kantonsarzt Jan von Overbeck. Ein Entscheid sei allerdings nicht vorgesehen.

Derzeit können sich die Psychiater der Region Seeland vom psychiatrischen Notfalldienst dispensieren lassen, wie seit 2015 bekannt ist. Es handelt sich um etwa 50 Ärzte. Alle anderen Ärzte des Bezirksvereins leisteten diesen Notfalldienst in ihren Sparten, sagt Donati - Chirurgen, Augenärzte und so weiter.

Der Verein zählt rund 370 Mitglieder. Die rund 5500 Franken pro Jahr, welche die Psychiater für die Dispensation vom Notfalldienst bezahlen, fliessen laut Donati in die Finanzierung des ärztlichen Notfalldienst in den übrigen ärztlichen Sparten.

Donati sagt auch, trotz des fehlenden psychiatrischen Notfalldiensts sei die Betreuung von Psychiatriepatienten in der Region jederzeit gewährleistet: Tagsüber beim Standort Biel des regionalen NPG, nachts und an den Wochenenden im Spitalzentrum Biel.

Der Präsident des ärztlichen Bezirksvereins Biel-Seeland sagte auch, er habe ein gewisses Verständnis für die Seeländer Psychiater: Die Behandlung von psychiatrischen Notfällen sei eine schwierige Situation. In solchen Fällen brauche es auch eine geeignete Infrastruktur.

Für Berner Grossrat «ein Skandal»

Dass sich die Seeländer Psychiater vom ärztlichen Notfalldienst freikaufen können, war bereits vor zwei Jahren Thema im bernischen Grossen Rat. Die beiden grünen Grossratsmitglieder Daphné Rüfenacht (Biel) und Hasim Sancar (Bern) wollten damals mit einer Interpellation vom Regierungsrat wissen, was er davon halte.

Dieser sprach von einer «unbefriedigenden Situation». Das Kantonsarztamt habe den ärztlichen Bezirksverein Biel-Seeland aufgefordert, den psychiatrischen Notfalldienst zu organisieren. Andernfalls werde das Kantonsarztamt die Notfalldienste organisieren und die Psychiater zum Dienst verpflichten.

Nun hat Grossrat Sancar vor Kurzem erneut eine Interpellation zu diesem Thema eingereicht. Darin schreibt er, es sei «ein Skandal», dass es diesen Dienst weiterhin nicht gebe. Personen aus dem Seeland hätten sich bei ihm gemeldet und sich nach den Gründen erkundigt. Auch hätten sie sich beschwert.

Darauf angesprochen sagte der bernische Kantonsarzt Jan von Overbeck am Mittwoch auf Anfrage, er sei der Auffassung, Gespräche seien besser als ein Diktat von oben. Wenn er eine Verfügung erlassen hätte, wäre diese angefochten worden. «So ist das doch in der Schweiz», sagte Overbeck.

Mit dem Bezirksverein hätten mehrere Gespräche stattgefunden, und dieser Verein sei nun selber überzeugt, dass es den psychiatrischen Notfalldienst brauche. Von Overbeck bestätigte damit Aussagen in der «Berner Zeitung» und dem «Bieler Tagblatt» vom Mittwoch.

Sein Ziel sei, sagt von Overbeck weiter, im September den psychiatrischen Notfalldienst in Biel aufgebaut zu haben. Donati hofft, dass bis Ende Jahr ein Entscheid vorliegt.

SDA/msl

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