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Sechs Gemeinden, eine Feuerwehr

Im Kanton Bern hat sich die Zahl der Feuerwehren in zehn Jahren halbiert. Bereits gehen zusammengeschlossene Organisationen weitere Verbindungen ein.

Wegen eines Hausbrands war die Feuerwehr in der Nacht auf gestern rund fünf Stunden im Einsatz.
Wegen eines Hausbrands war die Feuerwehr in der Nacht auf gestern rund fünf Stunden im Einsatz.
zvg

Ein Hausbrand im Kirchdorfer Ortsteil Gelterfingen sowie Rauchentwicklung im zu Wald gehörenden Kühlewil: In der Nacht auf gestern standen zahlreiche Feuerwehrleute im Einsatz. Vier der zu Hilfe eilenden Organisationen sollen künftig eine Einheit bilden: Stimmen die Gemeinden im Winter zu, so teilen sich Belp, Kaufdorf, Kehrsatz, Niedermuhlern, Toffen und Wald ab 2020 eine Feuerwehr. Das soll Kräfte bündeln und Synergien ermöglichen, wie der für die Sicherheit zuständige Belper Gemeinderat Johann Walther erklärt. Der administrative Aufwand sei gross geworden. «Mit einer Fusion können wir das Milizkader entlasten.»

Das bestätigt Andreas Gfeller, zuständiger Gemeinderat von Toffen: Die Kader der Feuerwehr hätten die Fusion angeregt, weil nebst der eigentlichen operativen Tätigkeit der Aufwand für Administration, Übungsvorbereitungen, Sitzungen und Rapporte immer zeit- und arbeitsintensiver werde und im Milizsystem fast nicht mehr zu bewältigen sei. Für die neue Regio-Feuerwehr ist ein vollamtlicher Feuerwehrkommandant vorgesehen. 255 Stellenprozente sind ausserdem für Betrieb, Unterhalt, Ausbildung und Administration eingeplant.

Fusionierte fusionieren

Die Zeiten, in denen jede Gemeinde eine Feuerwehr hat, gehen zu Ende. In den zehn Jahren zwischen 2007 und 2017 hat sich die Zahl der Feuerwehrorganisationen im Kanton Bern von 310 auf 152 halbiert. Dies zeigt die Statistik der Feuerwehr-Koordination Schweiz. «Der Trend geht weiter, die Regionen werden grösser, und inzwischen kommt es zu Zusammenschlüssen von Zusammenschlüssen», sagt der kantonale Feuerwehrinspektor Peter Frick. Auch in Belp sind in der geplanten Fusion bereits zwei Zusammenschlüsse enthalten: Niedermuhlern und Wald haben seit sechs Jahren eine gemeinsame Feuerwehr, Toffen und Kaufdorf seit elf Jahren.

Mindestzahlen gesenkt

Nicht nur im Kanton Bern, sondern schweizweit ist die Zahl der Feuerwehrorganisationen gesunken. Gründe dafür seien gestiegene Anforderungen etwa im Bereich der Ausbildung sowie zunehmende administrative Aufgaben, sagt Stefan Häusler, Generalsekretär der Feuerwehr-Koordination Schweiz. «Solche Tätigkeiten lassen sich in grösseren Organisationsformen effizienter und häufig auch qualitativ besser erledigen», so Häusler. Beim Personal sind die vorgeschriebenen Mindestzahlen vielerorts gesenkt worden.

Unter anderem dank der technischen Fortschritte und der Entwicklung der Einsatztaktik sei die Feuerwehr nicht mehr auf so viele Angehörige angewiesen wie früher, dafür auf sehr gut ausgebildete, begründet dies Häusler. Es brauche gute Generalisten, welche die Geräte beherrschten und handeln könnten, wenn sie als Erste vor Ort kommen.

Gemäss Feuerwehrinspektor Frick wurde auch nachbarschaftliche Hilfe zentraler. Eine Ortsfeuerwehr müsse die erste Zeit vor Ort abdecken und könne dann auf die Hilfe anderer Feuerwehren zählen. Das zeigte sich auch beim Hausbrand in der Nacht auf gestern, bei dem niemand verletzt wurde: Verschiedene Feuerwehren eilten zu Hilfe.

Die für die Fusion rund um Belp vorgesehenen Feuerwehren haben heute 274 Angehörige, künftig müssen es noch 140 sein. Laut dem Belper Gemeinderat Walther kommen diese dafür vermehrt zum Einsatz. Das mache das Engagement interessanter, aber auch intensiver. Auch gemäss dem zuständigen Gemeinderat von Wald, Eric Brandt, wird sich einsatztechnisch zwar nicht viel ändern, die Einsatzerfahrung aber werde steigen, und es werde viele Entwicklungsmöglichkeiten geben.

Walther betont aber auch: Die Organisationen seien auf Arbeitgeber angewiesen, die diesen Einsatz unterstützten. Und auch wenn die Feuerwehren weniger Personal benötigen: Für einige werde die Abdeckung tagsüber zur Herausforderung, weil viele Angehörige auswärts arbeiten, sagen Frick und Häusler. Einige Organisationen helfen sich damit, dass sie auf Personen zurückgreifen, die auswärts wohnen, aber in der Gemeinde arbeiten. Andere setzen auf Gemeindeangestellte.

Günstiger wird es nicht

Die Warnung war bereits im Massnahmenplan zu lesen: Man dürfe nicht erwarten, dass die neue Feuerwehr günstiger werde. Die Kosten sind auch der Grund, weshalb der Gemeindepräsident von Niedermuhlern, Hans-Rudolf Schweizer, sagt, die Begeisterung für das Projekt sei nicht riesig, auch wenn der Gemeinderat das Geschäft zur Annahme empfehle. «Es wäre schön, wenn eine Fusion einmal zu tieferen Kosten führte», so Schweizer.

Die beteiligten Gemeinden zahlen ihren Beitrag nach einem festgelegten Schlüssel. Die Gebäudeversicherung Bern, welche die bernischen Feuerwehren beaufsichtigt und schon vor Jahren für Fusionen plädierte, steuert einen Betrag bei. «Jeder Zusammenschluss kostet anfänglich etwas», sagt Gemeinderat Gfeller aus Toffen. Doch das werde sich lohnen. Mit den neuen Organisationsstrukturen habe man die beste Lösung gefunden. Auch Gemeinderat Brandt von Wald hält fest, dass die geplanten Stellenprozente und die vorgesehene höhere Entschädigung der Mannschaft zeitgerecht seien. Die errechneten Gesamtkosten sind mit anfänglich 1,67 Millionen Franken im Jahr gemäss Gemeinderat Walther aus Belp höher als beim bisherigen Betrieb, sollen sich aber später auf 1,55 Millionen senken lassen.

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