Schüler sorgen sich um ihre Bildung

Hunderte Berner Schüler auf dem Rathausplatz gegen Sparrunden in der Bildung demonstriert. Gemäss einem Kritiker sind die Bildungsausgaben in den letzten Jahren aber gestiegen.

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Naomi Jones

Rund 800 Schüler und Schülerinnen haben sich am Montagmittag vor dem Berner Rathaus versammelt und gegen «Bildungsabbau» demonstriert. So haben sie die zur März-Session eintreffenden Grossräte empfangen. «Wir müssen unser Anliegen früh deponieren und nicht erst, wenn der Sparkurs beschlossen ist», sagte der Schüler und Mitorganisator der Demonstration, Lukas Falb, zur Eröffnung.

«Schlag ins Gesicht der Schüler»

Die Demonstration sei der Auftakt für eine Reihe von Aktionen, die das Komitee «Gemeinsam für Bildung» organisieren wolle. Denn die Kürzungen in der Bildung seien ein «Schlag ins Gesicht» der Schülerinnen und Schüler. «Wir wollen in unserem Alltag nicht die Folgen der Sparpolitik ausbaden.» Mit Transparenten zeigen die Schüler und Schülerinnen, wie sich Sparen in der Bildung auswirkt: Sie haben ihre Sprüche absichtlich falsch geschrieben: «Wer bei der Pildung spahrt ist smart.»

Lukas Falb besucht das Gymnasium Lerbermatt und ist zusammen mit Mira Schär und Tim Kummer Gründer des Organisationskomitees. Er selber sei von den Sparmassnahmen in der Bildung noch nicht so betroffen, doch bei seinem vier Jahre jüngeren Bruder könne er die Auswirkungen bereits sehen: «Die Lehrer haben keine Zeit für ihn und im Französischunterricht hängt er in der Luft.» Die Gymnasiastin Erin Wyss hingegen spürt den Spardruck bereits selbst. In ihrer Klasse seien 23 Schüler und Schülerinnen. Das seien rund fünf zu viel. «Man kommt nicht zum Zug», sagt Wyss.

Demonstranten erhalten Teilnahmebestätigung

Die meisten Schüler und Schülerinnen kamen aus den Gymnasien Kirchenfeld, Lerbermatt, Hofwil und Neufeld. Weil die Demonstration bis um halb zwei Uhr dauerte, verpassten sie nachmittags eine Lektion Unterricht. Doch die Organisatoren hatten vorgesorgt. Mit den Rektoren und Rektorinnen der Gymnasien vereinbarten sie einen Dispens für die Demonstrierenden. Diese mussten ihre Teilnahme an der Demo der Schule frühzeitig anmelden. Dort verteilten die Organisatoren Teilnahmebestätigungen.

Zwei Klassen brauchen keine Teilnahmebestätigung. Sie sind zusammen mit ihrer Lehrerin Silvia Leuenberger von der Steinerschule Ittigen gekommen. Diese nahm den Wunsch der Schüler zum Anlass, sich in der Staatskunde mit demokratischen Rechten zu befassen. Die Demonstration ist ihr aber auch ein persönliches Anliegen: «Bei Kürzungen ist die Steinerschule rasch betroffen.»

Nächste Sparrunde ist absehbar

Obwohl die Finanzdirektorin Beatrice Simon (BDP) Anfang März eine ausgeglichene Rechnung präsentierte, arbeitet der Regierungsrat bereits am nächsten Sparpaket. Denn schon in zwei Jahren muss der Kanton wieder mit einem Minus rechnen. Zudem plant der Grosse Rat eine Steuersenkung für Unternehmen und Private. Wo gespart werden soll, ist dabei noch offen. Die SVP fordert ein Sparpaket von «mehreren hundert» Millionen Franken unter anderem im Gesundheits- und Sozialwesen. SP und Grüne verlangen derweil den Verzicht auf die Steuersenkungen, da diese «unweigerlich» zu Abbau in Bildung, Sozial- und Gesundheitsbereich führten.

Auf Twitter äusserte sich der Berner Stadtrat Thomas Berger (JF) kritisch zur heutigen Aktion. «Ich hoffe den Demonstranten sind die Fakten bekannt» sagt er und bezieht sich auf eine Interpellation seiner Partei aus dem Kantonsparlament. Zwischen 2002 und 2014 seien die Ausgaben für die Bildung insgesamt gestiegen, obwohl die Schülerzahlen sanken.

Dem widerspricht der Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne). Seit zehn Jahren seien die Bildungsausgaben relativ stabil. Das kleine Wachstum hänge mit dem Lohnwachstum der Lehrkräfte zusammen. «Das sind die Hauptausgaben im Bildungsbereich», sagt Pulver. Er räumt aber ein, dass er in den letzten Jahren Jahren ein paar «schmerzhafte» Sparprogramme durchführen musste und dass die Klassengrössen insbesondere in der Volksschule im Schweizer Vergleich hoch seien. Zum Sparpaket, das im Moment geschnürt wird, will er sich nicht äussern. Es werde spätestens nach den Sommerferien vorgestellt. Über die demonstrierenden Schüler freut sich der Erziehungsdirektor aber. «Ich finde es gut, wenn sich Schüler politisch interessieren und engagieren.»

DerBund.ch/Newsnet

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