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Schneller aufs Schilthorn

Eine neue Luftseilbahn zum Piz Gloria soll die Kapazitäten deutlich erhöhen. Der Berg werde aber nicht «überschwemmt», beteuern die Verantwortlichen.

Schilthorn-Muerren ist das höchstgelegene Skigebiet im Berner Oberland.
Schilthorn-Muerren ist das höchstgelegene Skigebiet im Berner Oberland.
KEYSTONE/Christian Beutler

Dreimal umsteigen muss, wer derzeit aufs Schilthorn reisen will. Künftig soll es eine schnellere Verbindung von Stechelberg zum Piz Gloria geben: Die Betreiber planen einen Ersatz der Luftseilbahn aus den 1960er-Jahren. Diese sei mittelfristig am Ende der Nutzungsdauer angelangt, bald stünden grosse Unterhaltsarbeiten an. Eine Sanierung sei zwar überprüft, aber verworfen worden, teilten die Verantwortlichen gestern mit. Sie geben an, dass die Kosten für eine Sanierung mindestens 60 Prozent der Kosten für eine neue Luftseilbahn betragen hätten. So entschieden sie sich für Neubaupläne und damit für Investitionen von 90 Millionen Franken.

19 statt 32 Minuten

Künftig soll man zum Schilthorn noch zweimal umsteigen müssen. Zwar werden die bestehenden Bahnen von Stechelberg nach Gimmelwald und weiter nach Mürren in Betrieb bleiben. Die Transportbahn von Stechelberg direkt nach Mürren soll jedoch durch eine Pendelseilbahn mit zwei Kabinen für je 75 Personen ersetzt werden. Dadurch entfällt das Umsteigen in Gimmelwald. Weiter sollen zwischen Mürren und Schilthorn neue Pendelseilbahnen die bestehenden Bahnen ablösen (siehe Karte).

Während sich die Reisezeit von Stechelberg aufs Schilthorn von 32 auf 19 Minuten reduzieren wird, sollen die Kapazitäten steigen. Die Schilthornbahn besitzt heute eine Konzession für den Transport von 600 Personen pro Stunde. Tatsächlich seien es aber weniger, da der Platzbedarf der Gäste grösser geworden sei. Mit dem Projekt soll die Kapazität auf 800 bis 900 Personen pro Stunde erhöht werden. Man wolle den Berg nicht «überschwemmen», halten die Verantwortlichen fest. Die neuen Bahnen sollen einen 365-Tage-Betrieb möglich machen, die bisherigen Pausen in der Zwischensaison wegfallen.

Auf einen Zeitplan legt sich die Schilthornbahn nicht fest. Nur so viel: Der Bau soll gestaffelt erfolgen. Die öffentliche Mitwirkung zur kommunalen Nutzungsplanung soll im Herbst in Lauterbrunnen stattfinden.

Drei Wege nach Mürren

Die Bevölkerung und die Umweltverbände sind über das Projekt informiert worden. Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, bezeichnet eine Erneuerung einerseits als plausibel und nachvollziehbar: «Die Erneuerung der Bahn ist nötig und mit Chancen verknüpft.» So seien etwa architektonische Verbesserungen möglich. Die genauen landschaftlichen Auswirkungen müssten noch geprüft werden. Klar ablehnend äussert sich Rodewald hingegen zum Bau der direkten Luftseilbahn von Stechelberg nach Mürren.

Das autofreie Bergdorf wird bereits durch die Luftseilbahn von Gimmelwald sowie durch die Mürrenbahn von Lauterbrunnen her erschlossen. «Drei Erschliessungen für einen Ort mit gut 400 Einwohnern sind zu viel», sagt Rodewald. Mürren lebe vom Charme der Verkehrsfreiheit und jenem der Belle Epoque. Dazu passe eine Anreise mit der Mürrenbahn von Lauterbrunnen her perfekt.

Eine weitere Anreisemöglichkeit mit einer hochmodernen Luftseilbahn hingegen passe nicht in dieses Bild und sei nicht nur unnötig, sondern konkurrenziere auch die bestehenden Anreisewege. Dazu hält Christoph Egger, Direktor der Schilthornbahn AG, fest: «Eine direkte Verbindung von Stechelberg nach Mürren besteht schon heute.» Die Transportseilbahn werde zwar hauptsächlich für Materialtransporte genutzt, habe aber seit 1987 auch eine Konzession für den Personentransport und befördere auch Passagiere, etwa wenn viel Betrieb sei oder in der Zwischensaison, wenn die Bahnen sich in der Revision befänden.

Keine weiteren Ausbaupläne

Zieht das Projekt, das mehr Leute auf den Berg bringt, dort weitere Ausbaupläne nach sich? Egger verneint: «Sowohl auf dem Schilthorn als auch bei der Aussichtsplattform Birg sind die Platzverhältnisse beschränkt, wir können gar nicht ausbauen.»

Weitere Wintersportanlagen seien ebenfalls nicht vorgesehen. Die bestehenden Pisten und Anlagen könnten eine Kapazitätserweiterung der Bahn gut aufnehmen, sie seien nicht überlastet, nur bei der Luftseilbahn selbst gebe es derzeit gelegentlich Wartezeiten. Auch Rodewald sagt, das Gebiet sei nur beschränkt ausbaubar. Kommt eine Erschliessung des unberührten Saustals infrage? Egger verneint klar. Das sei auch gar nicht möglich, denn dieses Gebiet liege in einer Schutzzone. Und Rodewald hält fest, dass sich die Stiftung gegen eine solche Erweiterung mit Händen und Füssen wehren würde.

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