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Freisinnige punkten auf Kosten der SVP

Die SP legt in der Stadt Bern um über acht Prozent Wähleranteil zu, die Grünen verlieren einen Sitz. Die SVP wird «abgestraft» und ist nicht mehr die grösste bürgerliche Partei.

Nein, ganz unberechtigt war die Hoffnung des einstigen SVP-Stadtrats Roland Jakob ja nicht, als er am Sonntag Nachmittag gegenüber dem «Bund» einen Sitzgewinn für seine Partei in der Stadt Bern gewünscht hatte. Denn vor vier Jahren hatte das links-grüne Bündnis von SP, Grünen und Linksaussenparteien zwar eine Mehrheit mit 12 von 20 Sitzen erobert. Aber der zwölfte Sitz ging als Restmandat nur knapp an die Linksallianz – vor der Listenverbindung von SVP und EDU. Gemeinsam mit der FDP hätte die SVP den Sitz damals gewonnen.

SVP-Wähleranteil bricht ein

Bei den gestrigen Grossratswahlen nützte der SVP aber auch das Zusammengehen mit der FDP nichts: Die SVP brach um 2,7 auf 9,3 Wählerprozente ein und erreichte damit das schlechteste Ergebnis in der Stadt Bern seit längerer Zeit. Damit ist die SVP nicht mehr die grösste bürgerliche Partei in der Stadt Bern. Sie wird nun sowohl von der FDP mit 10,5 als auch von der GLP mit 10,3 Prozent Wähleranteil überflügelt. Da die FDP aber ebenfalls leicht verlor, blieb die bürgerliche Allianz bei je zwei Sitzen für SVP und FDP.

Immerhin ist es der SVP aber gelungen, den durch den Rücktritt von Thomas Fuchs frei gewordenen Sitz mit Erich Hess zu verteidigen. Stadt- und Nationalrat Hess dürfte künftig aber wohl kaum mehr als LKW-Fahrer unterwegs sein, sitzt er damit doch als wohl einziger Politiker in der Schweiz gleichzeitig in Legislativen auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene. In der FDP nimmt Stadtrat Christoph Zimmerli den Sitz von Philippe Müller ein, der in den Regierungsrat gewählt worden ist.

Aline Tredes doppelte Freude

Getäuscht hat sich am Sonntag aber nicht nur SVP-Politiker Jakob. Getäuscht hat sich auch GB-Stadträtin Stéphanie Penher. Sie gab am Nachmittag gegenüber dem «Bund» ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die «grüne Welle» in diversen Wahlen der letzten Zeit auch in der Stadt Bern stattfinden möge. Diese Hoffnung wurde jedoch arg zerzaust. Denn das erstmalige Zusammengehen von Grünem Bündnis (GB) und Grüner Freier Liste (GFL) bei den Grossratswahlen hat sich nicht gelohnt.

Haben die beiden Parteien vor vier Jahren noch 21,2 Prozent der Stimmen erreicht, waren es mit gemeinsamem Auftritt nur noch 18,7 Prozent. Mit 2,5 Prozentpunkten erlitten die Grünen damit nach der SVP den zweitgrössten Wählereinbruch in der Stadt. Der fünfte grüne Sitz des nicht wieder angetretenen Blaise Kropf ging damit verloren. Ex-Nationalrätin Aline Trede ist es aber trotzdem gelungen, den Bisherigen Daniel Klauser aus dem Rat zu verdrängen. Dieser wird aber trotzdem wieder nachrücken, weil Trede ihrerseits für die neu gewählte grüne Regierungsrätin Christine Häsler in den Nationalrat nachrutscht.

Linksrutsch innerhalb der Linken

Der Einbruch der Grünen kontrastiert mit dem überraschend massiven Wähleranteilzuwachs der SP um 8,3 auf 33,3 Prozent. Die SP kann so ihre Sitzzahl von sechs auf sieben erhöhen. Neu im Grossen Rat ist Tamara Funiciello. Sie ist im Stadtrat zwar keine zentrale Figur, konnte sich aber als Präsidentin der Juso Schweiz durch pointierte Äusserungen medienwirksam in Szene setzen. Die Wahl Funiciellos und die Sitzverschiebung von der Grün-Alternativen-Partei (ehemals Grüne Partei Bern) zur Alternativen Liste stehen für einen Linksrutsch innerhalb der links-grünen Listenverbindung.

Angesichts der zunehmenden Polarisierung zwischen den beiden Blöcken gelang es der Mitte nur noch, den Status quo zu halten. Die GLP konnte zwar um 0,3 auf 10,3 Prozentpunkte zulegen, bleibt aber bei den zwei Sitzen der Bisherigen Michael Köpfli und Barbara Mühlheim. Die BDP verlor mit 2,3 Prozentpunkten über ein Drittel ihrer Wählerschaft, konnte den Sitz von Vania Kohli aber verteidigen. Und auch der EVP gelang es, ihren Sitz trotz Wähleranteilverlusten zu halten.

Das schlechte Abschneiden der SVP in den Grossratswahlen passt zum schlechten Stadtberner Ergebnis von Pierre Alain Schnegg (SVP) in den Regierungsratswahlen. Da drängt sich der Verdacht auf, dass der SP-Sitzgewinn und der Linksrutsch im linken Lager auf einen Schnegg-Effekt zurückzuführen sind.

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