Schnegg setzt auf Frauen

Er politisiert rechts. Dennoch hat kein Regierungsrat so viele Mitarbeiterinnen im obersten Kader wie Pierre Alain Schnegg (SVP). Das sei kein Zufall, sagt er.

Frauenanteil von 75 Prozent: Die Jahresmedienkonferenz des Gesundheits- und Fürsorgedirektors Pierre Alain Schnegg (Mitte rechts).

Frauenanteil von 75 Prozent: Die Jahresmedienkonferenz des Gesundheits- und Fürsorgedirektors Pierre Alain Schnegg (Mitte rechts). Bild: Anthony Anex/Keystone

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«Doch, doch, es gibt auch männliche Führungskräfte in meiner Direktion.» Diesen Satz sagte kein linkes Regierungsmitglied, sondern der stramm bürgerlich politisierende Regierungsrat Pierre Alain Schnegg (SVP). Er tat es anlässlich der Jahrespressekonferenz seiner Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) Ende Januar. Neben Schnegg sassen sein Generalsekretär und sechs Frauen, drei auf jeder Seite. Es waren die beiden stellvertretenden Generalsekretärinnen und vier Amtsleiterinnen.

«Die drei männlichen Amtsleiter sind verhindert», sagte Schnegg. Damit war unter anderem der damalige Kantonsarzt gemeint. Doch seit Freitag ist klar: Künftig wird auch dieses Amt von einer Frau bekleidet: Linda Nartey folgt auf Jan von Overbeck. Damit sind fortan acht der elf obersten Führungsangestellten Frauen – sechs davon wurden in der Ära Schnegg befördert. Ist der konservative, freikirchliche Schnegg ein Frauenförderer? Durchaus, findet der SVP-Mann. «Ich bemühe mich immer um eine gute Vertretung von Frauen.» Er tue dies im «Management» ebenso wie «in den Spitälern».

Keine einzige Frau

Der vielen Frauen in seinem obersten Kader wegen gibt es für Schnegg Lob von für ihn ungewohnter Seite. «Das ist positiv zu würdigen», sagt Natalie Imboden. Die Co-Präsidentin der Grünen setzt sich für Gleichberechtigung ein. Im Gesundheits- und im Sozialwesen gebe es grundsätzlich überdurchschnittlich viele Frauen. Deshalb sei es «richtig», dass auch die Führungspositionen mit Frauen besetzt würden, so Imboden. Gleichwohl sei der hohe Frauenanteil in der GEF keine Selbstverständlichkeit, wie ein Blick auf andere Direktionen zeige.

«Es spült Frauen nicht einfach nach oben.»

Barbara Ruf, Fachstelle für Gleichstellung

Tatsächlich schwankt der Frauenanteil beträchtlich. Am tiefsten war er 2016 in der Finanzdirektion von Beatrice Simon (BDP) und in der von der SP geführten Volkswirtschaftsdirektion. In beiden obersten Kadern arbeitete keine einzige Frau. Auch in der Polizeidirektion und der Erziehungsdirektion war nur jede zehnte Angestellte im obersten Kader eine Frau. Die beste Frauenvertretung im obersten Kader hatten die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion sowie die Staatskanzlei.

In allen Direktionen nimmt die Frauenquote mit jeder Kaderstufe ab. Ein Beispiel: In der GEF waren 2016 über 63 Prozent aller Angestellten weiblich – im unteren Kader waren es aber nur 54 Prozent, im mittleren Kader 45 Prozent und im obersten Kader noch 32 Prozent. Weil inzwischen unter anderem die psychiatrischen Kliniken ausgelagert wurden, sind die Zahlen der GEF von 2016 nicht eins zu eins mit jenen von heute vergleichbar.

«Archaisches Geschlechterbild»

«Es spült Frauen nicht einfach nach oben», sagt Barbara Ruf, die Leiterin der kantonalen Fachstelle für Gleichstellung. Es brauche seitens der Vorgesetzten Wille und Engagement. Der Frauenanteil sei aber auch eine Frage der Personalfluktuation. Nur wenn es zu Abgängen oder Pensionierungen von männlichen Angestellten kommt, können Frauen nachrücken.

In der Kantonsverwaltung ist die Frauenförderung Sache der Direktionen. Für Schnegg ist eine solche Förderung sinnvoll: «Eine gute Vertretung von Frauen in den verschiedenen Ämtern ist positiv.» Sie bringe «unterschiedliche Sichtweisen und Sensibilisierungen» ein. Mit dieser Aussage stösst Schnegg doch noch auf linke Kritik. Imboden von den Grünen spricht von einem «archaischen Geschlechterbild». Männer wie Frauen könnten «Sensibilisierungen einbringen». (Der Bund)

Erstellt: 06.02.2018, 06:47 Uhr

Viele Wechsel

Seit Pierre Alain Schnegg die Gesundheitsdirektion im Juli 2016 übernommen hat, kam es an den Spitzen der Ämter zu vielen Wechseln. So wurde unter anderem die Spitze des Generalsekretariats ausgetauscht. Im Alters- und Behindertenamt folgte Astrid Wüthrich auf Markus Loosli, der sich in der Folge erfolglos um einen Platz auf der FDP-Regierungsratsliste bemühte. Im Rechtsamt und im Kantonsarztamt rutschten jeweils die Stellvertreterinnen nach. Im Streit ging Regula Unteregger, Leiterin des Sozialamts. Sie wurde im Januar durch Inge Hubacher ersetzt.

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