Schliern bis Köniz Zentrum: Alles bergab

Abgefahren (1)

Die Streckenchronik «Abgefahren» spürt vor der Tram-Abstimmung am 28. September dem speziellen öV-Gefühl im 10er-Bus nach. Erste Etappe: Schliern bis Köniz Zentrum.

Die Reise beginnt in Schliern: Ab hier geht es erst mal bergab.
Marc Lettau

Schliern ab 09.21: Dass Pendler, Schülerinnen und Schüler den Bus frühmorgens üppig füllen, ist kein Geheimnis. Doch jetzt, nach dem Stossverkehr, 
gehört die Linie 10 den Hausmännern und -frauen auf Nahrungssuche: Einige hieven prallvolle Einkaufswägelchen in den Bus. Sie werden bereits an der nächsten Station wieder aussteigen und vertreten gewissermassen den Konsumentinnenbinnenverkehr Schlierns. Stärker ist die Fraktion, die zwar auch auf Einkaufs­tour ist, aber offensichtlich das Zentrum von Köniz anpeilt.

Eichmatt an 09.22: Fünf steigen aus. Sieben steigen ein. Es folgen spannungsreiche Sekunden, Momente mit Spannung zwischen Agglo und Agro. Zunächst schaffen linker Hand Lärmschutzwände ein Vorortsambiente von speziellem Charme, während rechts üppige Blumenfelder und tiefgezogene Ziegeldächer betonen: Schlierns Vergangenheit ist ländlich. Nur Augenblicke später folgt der Seitenwechsel: Während der Agglomerationscharme auf die linke Seite wechselt, blitzt rechts in der Ferne der Chasseral auf. Nach der Fernsicht schweift der Blick über weite, abgeerntete Getreidefelder. Es ist grün hier. Es ist so grün hier, dass die Tramskeptiker rot sehen: Sie fürchten, dass genau hier der Siedlungsdruck steigen und die Scholle überbaut wird.

Sandwürfi an 09.23: Zwei steigen aus. Fünf steigen zu. Das Bild bleibt unverändert: links Vorstadtcharme, rechts unverbaute, aber siedlungsnahe Agrar­idylle. Das flachste Stück Wiesland bei der Station Sandwürfi wird das Tram für für eine Wendeschlaufe beanspruchen. Aber der Bus flitzt hier vorbei: Die Fahrt talwärts ist zügig: Dem Bus wird hier eine Separatspur gewährt. Bei Stau saust er neben der Kolonne vorbei.

Köniz-Schloss ab 09.24: Acht steigen aus. Zwölf steigen ein. Von den Ausgestiegenen staben einige zügig aufs Schloss­areal zu, quer über den Platz, der bei der letzten Umgestaltung dem Verkehr abgetrotzt worden war. Der Platz soll erhalten bleiben, sagen die Tramplaner. Die im Volksmund als «Kindersärgli» apostrophierte Kunst von Rainer Pozarek wird nicht weichen. Und die historische Schlossmauer wird nachts weiterhin stolz beleuchtet. Kommt das Tram, wird es dort anhalten müssen, wo heute der Bus hält. Ganz unberührt kann der Blick auf die Könizer Historie aber nicht bleiben: Ohne Oberleitung kommt kein Tram aus. Egal ob Tram oder Bus: Ab hier verkehrt die Linie 10 im Mischverkehr. Ein Rotlicht dosiert nötigenfalls den stadtwärts fahrenden motorisierten Individualverkehr.

Köniz-Zentrum an 09.25: Vierzehn steigen aus. Mindestens doppelt so viele steigen ein. Kurz: Ab Köniz-Zentrum ist der Bus auch an schläfrigen Vormittagen gut gefüllt. Die ersten komplexen Kinderwagenrangiermanöver spielen sich ab. Und die guten Stehplätze werden eilig in Beschlag genommen.

Hier geht's zum interaktiven Streckenplan.

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