Schlechte Noten für BLS-Stellwerke

«Ausreichend bis schlecht»: So beschreibt das Bundesamts für Verkehr den Zustand der BLS-Sicherungsanlagen. Die BLS investiert nun Millionen in die Modernisierung.

Eisenbahnromantik in Kirchberg-Alchenflüh. Bis 2022 werden sämtliche BLS-Stellwerke von Spiez aus gesteuert.

Eisenbahnromantik in Kirchberg-Alchenflüh. Bis 2022 werden sämtliche BLS-Stellwerke von Spiez aus gesteuert.

(Bild: Adrian Moser)

Adrian Müller@mueller_adrian

Die BLS haben ein Problem: Ihre Sicherungsanlagen sind überaltert, also Stellwerke, Weichen oder Zugkontrollanlagen. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) bezeichnet den Zustand in einem am Montag publizierten Bericht zur Bahninfrastruktur mit der Note 3,8 auf der Skala 1 bis 5 als «ausreichend bis schlecht».

Züge entgleisten

Mit der Note 5 in der Beurteilung besonders mangelhaft schneiden 20 Bahnhöfe mit Handweichen ab. Diese stehen etwa in Ramsei, Menznau, Kirchberg oder Biberist. «Sicherheit gefährdet, sanierungsbedürftig, eventuell alarmierend», ist der Zustand im BAV-Bericht beschrieben.

Diese Einschätzung ist nicht aus der Luft gegriffen: In der jüngeren Vergangenheit gab es auf dem BLS-Netz zwei Unfälle wegen Handweichen. 2011 entgleiste ein Nina-Zug bei der Ausfahrt in Ramsei, es entstand «erheblicher Sachschaden». 2007 wurde in Huttwil ein Zug aus den Geleisen gehoben. 26 Stellwerke erhalten im Bericht die Note 4, weisen laut der Rangliste also «markante Schäden auf».

Besteht bei der BLS ein Sicherheitsrisiko? «Die Note sagt nur etwas über das Alter und damit über den Erneuerungsbedarf aus. Die Sicherheit ist jederzeit gewährleistet», sagt BLS-Sprecherin Helene Soltermann. Im Bericht bescheinigt das BAV dem Bahnunternehmen denn auch einen «sicheren Zugbetrieb». Im Vergleich mit den anderen grossen Schweizer Bahnen schneidet die BLS dennoch schlechte ab. Die SBB erhalten für ihre Sicherungsanlagen eine 2,7, die Rhätische Bahn (RhB) 2,4 oder die Südostbahn (SOB) eine 2,3 – die BLS landet auf dem letzten Platz.

Einheitlicher BAV-Raster

Das Bundesamt will den vergleichsweise schlechten Noten der BLS kein grosses Gewicht beimessen: «Sie sind nicht direkt mit den anderen Bahnbetreibern vergleichbar», sagt BAV-Sprecher Andreas Windlinger. Das BAV hat erstmals ein neues Vorgehen gewählt und den Zustand der Bahninfrastruktur nach einen einheitlichen Raster zusammengetragen. Denn die Noten basierten auf einer Eigenbeurteilung der Bahnen, die zudem je nach Topographie, Netzbelastung oder Witterung unterschiedlich ausfallen könne, so Windlinger.

BLS will mehr Daten erfassen

Bislang bewertet die BLS den Zustand der Sicherungsanlagen «nur» mithilfe des Kriteriums Alter. Nun will es das Bahnunternehmen aber genauer wissen: Laut BLS-Sprecherin Soltermann sollen künftig bei den Sicherungsanlagen weitere Daten erfasst und in die Beurteilung miteinbezogen werden. So oder so sollen bis 2022 sämtliche alten Stellwerke ausgewechselt werden. Ab diesem Zeitpunkt wird das ganze BLS-Netz von Spiez aus ferngesteuert werden. «Wir investieren 20 Millionen Franken pro Jahr in die Modernisierung der Sicherungsanlagen», sagt Soltermann. Zuletzt wurde diesen Sommer Huttwil auf elektronischen Betrieb umgerüstet. Damit ging eine Ära zu Ende: Bahnwärter Urs Christen ging nach 43 Jahren in Pension. «Wo der Mensch arbeitet, gibt es immer Fehler – auch beim Weichenstellen. Die moderne Technik arbeitet viel zuverlässiger», sagte er im Juli gegenüber dem SRF-Regionaljournal.

«Je schlechter etwa eine Weiche automatisiert ist, desto grösser sind die Risiken», sagt Peter Moor, Kommunikationschef des Schweizerischen Eisenbahner- und Verkehrspersonal-Verbandes (SEV). Bei einer Handweiche gebe es keine automatische Kontrolle, dass die Schienen tatsächlich wieder richtig eingerastet seien. Nachholbedarf sieht Moor vor allem auf den Nebenstrecken, auf den Hauptlinien sei die BLS-Technik im Vergleich auf einem «brauchbaren Niveau».

Regelmässige Kontrolle

Das Durchschnittsalter der BLS-Stellwerke beträgt wie bei der SBB 28 Jahre. Anlagen wie jene in Menznau sind aber bereits 55-jährig und damit weit über der angepeilten Lebensdauer, welche mit rund 40 Jahren veranschlagt wird. Laut BLS sei dies aber kein Risiko, die alten Sicherungsanlagen würden nach einem vorgegebenen Wartungsplan unterhalten.

Der Bund

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