SBB-Angebot macht Chliforst-Gegnern Hoffnung

In Berns Westen kommt das Angebot zur Zusammenarbeit der SBB an die BLS gut an. In der Politik sind die Gefühle gemischt – und aus der ehemaligen Begleitgruppe kommt Staunen.

Blick auf das für die neue BLS-Werkstätte vorgesehen Land im Chliforst in Berns Westen. (Archiv)

Blick auf das für die neue BLS-Werkstätte vorgesehen Land im Chliforst in Berns Westen. (Archiv) Bild: Adrian Moser

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Der geplanten BLS-Werkstätte im Chliforst in Berns Westen ist in den vergangenen Monaten viel Widerstand erwachsen – jetzt könnten die Pläne überflüssig werden. Die SBB hat der BLS die Nutzung einer gemeinsamen Werkstatt zur Wartung der Züge angeboten.

Der Schritt der SBB kommt bei den Chliforst-Gegner aus Bern-West erwartungsgemäss gut an: «Das Angebot der SBB wären in unserem Sinne», sagt Matthias Thomet, der Präsident des «Vereins Chlyforst», einer Gruppe von Anwohnern, die sich gegen die Werkstatt-Pläne der BLS einsetzt. Dass die SBB noch Kapazitäten verfügbar hätte, sei ja schon länger bekannt gewesen. Jetzt müsse man hoffen, dass bei der BLS die Vernunft obsiegt, und die Bahn vom Betrieb der offenbar nicht rentablen Linien auch tatsächlich absehe, so Thomet. Würde die BLS das Angebot der SBB annehmen, führte das zu einer «win-win-Situation», sagt Thomet.

Auch bei der IG Riedbach heisst es, man begrüsse das Angebot der SBB. Eine engere Zusammenarbeit von SBB und BLS sei im Sinne der IG, so Renate Kauz, Co-Präsidentin der IG. Auch im Entscheid zum Sachplanverfahren müsse das Angebot der SBB berücksichtigt werden.

Und auch die Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem (QBB) begrüsst das Angebot: «Wir waren schon lange der Meinung, dass es bei einer Zusammenarbeit von SBB und BLS die Werkstätte im Chliforst nicht braucht», sagt Rachel Picard, Geschäftsführerin der QBB. Nun habe man von der SBB auch offiziell die Bestätigung dafür. Die QBB erwarte, dass die BLS das SBB-Angebot ernsthaft prüfe, so Picard. «Die BLS soll dieses Angebot annehmen», so Picard. Eine Werkstätte auf Wald- und Kulturlandgebiet sei unter diesen Voraussetzungen sowieso chancenlos und widerspreche dem geltenden Raumplanungsrecht diametral zuwiderläuft.

Erstaunte Begleitgruppe

«Überrascht und erstaunt» vom Angebot der SBB ist hingegen Bernhard Antener, Präsident der ehemaligen Begleitgruppe Werkstätte BLS, welche den Auftrag gehabt hatte, die Arbeiten der BLS kritisch zu überprüfen, eine Aussensicht in den Prozess zu bringen und eigene Standortvorschläge zu machen.

Für die Begleitgruppe wäre eine Zusammenarbeit von SBB und BLS beim Unterhalt immer wünschenswert gewesen, sagt Antener. Doch während der ganzen bisherigen Suche nach einer Werkstatt-Lösung für die BLS habe es von Seiten SBB immer geheissen, man habe keine Kapazitäten im Grossraum Bern frei. Dies sei sowohl schriftlich als auch in einer Anhörung von einem Konzernleitungsmitglied versichert worden. Bei den Projekten für die BLS-Werkstätte sei jeweils sogar Abstellplatz für SBB-Züge mit einberechnet worden. «Ich weiss nicht, ob wir angelogen worden sind», sagt Antener. Es sei ihm auch unklar, an welchem Standort die SBB nun plötzlich Platz für die BLS schaffen wolle und ob die Trasseverfügbarkeit gewährleistet sei..

Politik noch vorsichtig

Der Kanton Bern ist Mehrheitsaktionär der BLS. In der kantonalen Politik sind nicht alle ganz von der nun aufgetauchten Lösung. Was der Deal verkehrspolitisch bedeuten könnte, wird gerade von der SP skeptisch beurteilt: «Wenn durch eine Zusammenarbeit von SBB und BLS die Werkstätte Chliforst nicht mehr nötig wäre, wäre das zu begrüssen», sagt SP-Kantonalpräsidentin Ursula Marti zwar. Ansonsten stehe die SP aber ganz hinter der BLS. Die Bahn müsse selbst wissen, welche Linien sie rentabel betreiben könne. Die Linien nach Brig, Interlaken und Basel würden ihrer Meinung nach gut zum BLS-Streckennetz passen, so Marti. Es sind die Linien, welche nach Angaben der SBB nicht rentabel betrieben werden können – und die die SBB der BLS auch nicht abtreten will.

Ebenfalls vorsichtig ist Natalie Imboden, Co-Präsidentin der Grünen: «Alles, was dazu führt, dass das Depot im Chliforst nicht gebaut werden muss, ist grundsätzlich zu begrüssen», sagt sie. Deshalb müsse man diesen Vorschlag genau prüfen. Eine Gesamtbeurteilung – gerade aus verkehrspolitischer Sicht – sei mit den aktuellen Informationen aber noch nicht möglich.

Der für die SVP mit der Sache betraute Grossrat und Präsident des Berner Bauernverbandes Hans Jörg Rüegsegger sagt: «Wir würden eine bessere Zusammenarbeit zwischen SBB und BLS begrüssen. Davon würden Fahrgäste und Steuerzahler profitieren. Die SBB hat eine Hand gereicht, jetzt muss die BLS die Hand reichen.»

Im Regierungsrat wird das Thema Fernverkehrskonzession offenbar an der Sitzung vom kommenden Mittwoch verhandelt werden.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.08.2017, 16:16 Uhr

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