SBB offerieren der BLS die Werkstätte Biel – doch Skepsis bleibt

Die SBB haben früher bestritten, dass S-Bahn-Züge der BLS in der SBB-Werkstätte Biel gewartet werden können. Für die BLS sind die SBB-Vorschläge aber vorerst nur «oberflächliche Ideen».

Falls die BLS umfassend mit den SBB kooperiert, darf sie die SBB-Werkstätte Biel künftig nutzen.

Falls die BLS umfassend mit den SBB kooperiert, darf sie die SBB-Werkstätte Biel künftig nutzen. Bild: Adrian Moser

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Es ist die Praline im Kooperationsangebot, mit dem die SBB die BLS davon abhalten wollen, sich um Fernverkehrslinien zu bewerben: Die Offerte, den Unterhalt der Züge gemeinsam vorzunehmen – und so den umstrittenen Standort Chliforst für die neue BLS-Werkstätte überflüssig zu machen. Doch bisher blieb das Werkstätten-Angebot der SBB nebulös.

Auf Anfrage des «Bund» bestätigen die SBB nun, was Bahnkenner längst vermuteten: Die SBB offerieren der BLS ihre Werkstätte in Biel. Zumindest dürfte die BLS «die SBB-Werkstätte Biel mehrheitlich nutzen», wie SBB-Sprecher Reto Schärli erklärt. Um dies zu ermöglichen, würden die SBB «Instandhaltungsarbeiten von Biel an andere Standorte verlegen». Die SBB schlagen weiter vor, dass die bestehenden Werkstätten der SBB in Luzern und jene der BLS in Spiez besser ausgelastet werden.

Meinungswechsel der SBB zu Biel

Der Standort Biel lässt allerdings deshalb aufhorchen, weil die SBB noch 2016 kategorisch bestritten hatten, dass diese Werkstätte für die Unterhaltsbedürfnisse der BLS infrage komme. Die entsprechenden Aussagen machte Philippe Gauderon, Infrastrukturchef der SBB, gegenüber der Begleitgruppe, die im Auftrag der BLS einen alternativen Standort für die ursprünglich in Riedbach geplante BLS-Werkstätte suchte.

Nachlesen kann man die Aussagen von Gauderon in Dokumenten, welche die ehemalige Begleitgruppe auf ihrer Internetseite aufgeschaltet hat. «Wir haben die Unterlagen publiziert, weil Mitglieder der Begleitgruppe durch die neuen Aussagen der SBB verunsichert waren», sagt Bernhard Antener, Alt-Grossrat der SP und Ex-Präsident der Begleitgruppe.

Die Serviceanlage Biel der SBB «kann nicht auf die Kapazitäten ausgebaut werden, welche notwendig wären, um die Aufgaben der Werkstätte Riedbach zu übernehmen», sagte Gauderon laut Protokoll Ende 2015 der Begleitgruppe. Eine Werkstätte für die S-Bahn-Züge der BLS komme allenfalls auf dem Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs Biel infrage. Doch auch davor warnte Gauderon.

Der Standort eigne sich «aus betrieblichen Gründen nicht», die Kapazität der Zufahrten zwischen Bern und Biel sei zu gering. «Alle erforderlichen Dienstfahrten durchzuschleusen, ist nahezu unmöglich», sagte Gauderon. «Die SBB raten von diesem Standort ab.» Dies bekräftigte Gauderon Anfang 2016 in einem Brief an die Begleitgruppe.

Inzwischen offerieren die SBB der BLS genau diese Werkstätte Biel. Hat Gauderon die Begleitgruppe falsch informiert? Diesen Vorwurf wiesen die SBB zurück, erklärt Sprecher Schärli. Damals wie heute würden den SBB in ihren Werkstätten die Kapazitäten zur Wartung der BLS-Flotte fehlen. Ebenso die Kapazitäten auf den Zufahrtsstrecken.

Erst das Kooperationsangebot der SBB an die BLS zu den Fernverkehrskonzessionen könne, so Schärli, die Lage ändern. Das wäre zum einen die der BLS in diesem Rahmen angebotene Nutzung der Werkstätte Biel. Wobei die Frage offen ist, ob diese gross genug für die Bedürfnisse der BLS ist. Schwieriger dürfte die Frage der Zufahrten sein. Auch da ermögliche das Kooperationsangebot der SBB «die Fahrt von BLS-Zügen auf fahrplanmässigen Fernverkehrs-Trassen zu den SBB-Werkstätten», schreibt Schärli.

BLS bleibt skeptisch

Wie genau die Zufahrten ermöglicht werden sollen, bleibt allerdings offen. Die Werkstätte Biel ist zwar sicher gut geeignet, um Züge auf den Linien zu warten, welche die SBB der BLS im Grossraum Biel neu angeboten haben. Doch in erster Linie muss die BLS die Züge der S-Bahn Bern warten. Die BLS jedenfalls ist vom Werkstättenangebot der SBB nicht überzeugt.

Die SBB hätten «in den letzten Wochen neue, eher oberflächliche Ideen mit der Serviceanlage Biel vorgeschlagen», erklärt BLS-Sprecher Matthias Abplanalp. Die BLS sei bereit, diese seriös und sorgfältig zu prüfen. Doch dies werde «mehrere Monate» dauern. Auch die SBB räumen ein, dass ihr Vorschlag erst noch ausgearbeitet werden muss.

Man sei «mit der BLS im Gespräch, um bis im ersten Quartal 2018 einen gemeinsamen Plan auszuarbeiten, um die Details dieses Vorhabens zu klären». Die SBB bezeichnen eine gemeinsame Werkstattlösung als «organisatorisch anspruchsvoll, aber machbar». Klar ist, dass die SBB dazu nur Hand bieten, falls die BLS ihr Angebot insgesamt akzeptiert.

Kritisch zur Wartung der S-Bahn-Züge der BLS in Biel äussert sich der Präsident der Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr Bern, Anton Ryf: «Das ist sehr am Rande des Grossraums Bern. Der Schwerpunkt der S-Bahn ist Bern.» Nicht überzeugt ist auch der bernische Regierungsrat, der von den SBB ultimativ zusätzliche Informationen gefordert hat.

Bernhard Antener, der mit der Begleitgruppe anderthalb Jahre einen Standort für die BLS-Werkstätte gesucht hatte, sagt: «Es wäre wunderbar, wenn sich nun plötzlich eine bessere Lösung als Chliforst ergeben würde.» Doch er warnt auch. «Ich hoffe, dass die SBB den Leuten im Chliforst nicht vergeblich Hoffnung gemacht haben. Das wäre fatal.» (Der Bund)

Erstellt: 30.08.2017, 06:52 Uhr

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