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Ringgenberg: «Keine Freude» an der Notunterkunft

60 bis 80 Flüchtlinge sollen in einem ehemaligen Gäste­haus der Heilsarmee in Ringgenberg unterkommen. Im Dorf sorgt das für Skepsis.

Für einmal kann der Migrationsdienst des Kantons Bern (Midi) bei der Suche nach Flüchtlingsunterkünften einen kleinen Erfolg vermelden: Die Heilsarmee möchte ein ehemaliges Gästehaus in Ringgenberg am Brienzersee als Notunterkunft zur Verfügung stellen. 60 bis 80 Asylsuchende sollen darin Platz finden. «Wir sind sehr froh über dieses Angebot», sagt Midi-Leiterin Iris Rivas.

Nicht froh ist Hans Ulrich Imboden, der Gemeindepräsident von Ringgenberg. «Wir haben in der vergangenen Woche vom Regierungsstatthalter von den Plänen erfahren», sagt er. «Natürlich haben wir daran keine Freude.»

Nachbarn sind skeptisch

Wie im vergangenen Jahr ist der Midi auch in diesem Sommer verzweifelt auf der Suche nach zusätzlichen Asylunterkünften. Nachdem sich die Situation im Winter entspannt hatte, sind die Durchgangszentren nun wieder voll besetzt. Ende Juni hat der Regierungsrat entschieden, erneut fünf Gemeinden zu verpflichten, ihre Zivilschutzanlagen als Notunterkünfte zur Verfügung zu stellen. Doch bald wurde klar: Alle Gemeinden weigern sich, dieser Aufforderung nachzukommen.

Vor diesem Hintergrund ist es zu sehen, wenn Midi-Leiterin Rivas nun sagt: «Wir sind froh, mit Ringgenberg eine Gemeinde gefunden zu haben, die sich kooperativ zeigt.» Allerdings: Wichtige Termine stehen erst diese Woche an. Morgen trifft sich der Ringgenberger Gemeinderat zu einer ausserordentlichen Sitzung. Dort wollen ihn der Kanton und die Heilsarmee «detailliert über den vorgesehenen Betrieb informieren». Die Bevölkerung soll an einem Informationsanlass in der kommenden Woche ins Bild gesetzt werden. Lediglich die Bewohner von drei Liegenschaften in direkter Nachbarschaft zum Gästehaus hat Gemeindepräsident Imboden bereits gestern informiert.

«Diese Leute haben sich sehr skeptisch gezeigt», sagt Imboden. «Sie haben mich gebeten, beim Kanton Bedingungen zu stellen, um einen möglichst reibungslosen Betrieb der Unterkunft zu gewährleisten.» Trotz der Skepsis glaubt Imboden nicht, dass es in Ringgenberg zu Protesten kommen wird, so wie es in anderen Gemeinden der Fall war. Er sagt: «Ich appelliere an die Vernunft. Irgendwo müssen diese Leute ja hin.»

Auch kleine Unterkünfte möglich

Auch wenn Midi-Leiterin Rivas nun «froh» ist: Gemessen an den 150 neuen Asylsuchenden pro Woche, die der Midi in den kommenden Monaten erwartet, kann die Unterkunft in Ringgenberg nur einen kleinen Beitrag leisten. Weitere Unterkünfte müssen her, doch im Moment ist «nichts spruchreif», wie Rivas sagt. Zwei der Gemeinden, die ihre Zivilschutzanlagen nicht öffnen wollen, haben stattdessen kleinere, oberirdische Unterkünfte für 20 bis 30 Personen angeboten. Solche Angebote hat der Midi bisher abgelehnt mit der Begründung, so kleine Unterkünfte liessen sich nicht kostendeckend betreiben.

Nun gibt Rivas bekannt: «Wir prüfen auch die Alternativen, die die Gemeinden vorgeschlagen haben.» Das heisst, dass nun eventuell doch sehr kleine Unterkünfte eröffnet werden. Auf den Widerspruch angesprochen, sagt Rivas: «In Wohlen zeichnet sich eine Möglichkeit ab, das zu organisieren.» Sie meint damit wohl einen gemeinsamen Betrieb mit dem bestehenden Durchgangszentrum bei der Halenbrücke, doch bestätigen will sie dies nicht. «Es ist noch nichts spruchreif.»

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