Rekordandrang im Berner Rathaus

Bei den kantonalen Wahlen kandidieren 2111 Frauen und Männer für den 160-köpfigen Grossen Rat – das sind so viele wie noch nie. Von den Bisherigen treten 135 wieder an.

Wer kann hier ab Juni seinen Mantel oder seine Jacke aufhängen? Die Entscheidung fällt am Sonntag, den 25. März.

Wer kann hier ab Juni seinen Mantel oder seine Jacke aufhängen? Die Entscheidung fällt am Sonntag, den 25. März. Bild: Adrian Moser

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Die Parteien im Kanton Bern haben alle Register gezogen: Sie schicken nicht weniger als 729 Frauen und 1382 Männer auf 146 Listen in den Wahlkampf. Die Anmeldefrist ist am Montagmittag abgelaufen. Insgesamt kandidieren damit für die Grossratswahlen vom 25. März nicht weniger als 2111 Personen – das sind so viele wie wohl noch nie in der Geschichte des Kantons Bern. Das bisherige Rekordjahr 2010, als 1937 Frauen und Männer antraten, wird deutlich übertroffen.

Verfügbar sind die Zahlen der Kandidierenden bis ins Jahr 1974 zurück: Damals wollten sich 1149 Personen in den Grossen Rat wählen lassen. Bis und mit den Wahlen 2002 zählte das Kantonsparlament 200 Mitglieder, auf die Wahlen 2006 wurde die Legislative auf 160 Mitglieder verkleinert. Nicht im Rekordtrend liegt der Wahlkreis Bern: Hier treten mit 344 Kandidierenden weniger Personen an als noch vor vier Jahren.

Zunehmende «Vermännlichung»

Der Grosse Rat ist im Laufe der zu Ende gehenden Legislatur männlicher geworden. Waren zum Auftakt 51 der 160 Sitze von Frauen besetzt, so sind es aktuell nur noch 46 Sitze. Für die «Vermännlichung» verantwortlich sind in erster Linie GLP und Grüne. Die Grünen hatten 2014 acht Frauen in ihren Reihen, nun sind es noch fünf. Bei der GLP sank der Frauenanteil von fünf auf zwei. Am ausgeglichensten ist in dieser Beziehung die SP mit 16 Frauen und 17 Männern.

Die Mehrheitsverhältnisse im Grossen Rat sind seit eh und je klar: Die bürgerlichen Kräfte dominieren. Linken und Grünen gelingt es zuweilen bei umstrittenen Geschäften, zusammen mit den Mitteparteien GLP, EVP und BDP eine Mehrheit zu schmieden.

Zahlreiche Parlamentarierinnen und Parlamentarier sind bereits während der laufenden Legislatur zurückgetreten. Ausgesprochen stark war der Aderlass im vergangenen Herbst: In der Septembersession wurden nicht weniger als acht neue Mitglieder vereidigt. Nicht alle Parteien verfolgen die gleiche Taktik: Während die SP im letzten Jahr eine Blutauffrischung vornahm, hielt sich die SVP eher zurück. Nur drei ihrer Grossräte traten vor den Wahlen ab, nun sind aber gleich 16 Bisherige zu ersetzen.

Von den bisherigen Grossrätinnen und Grossräten kandidieren deren 135 für eine weitere Amtszeit. Die Bisherigen haben dank ihrem Bekanntheitsgrad einen grossen Vorsprung gegenüber dem «Heer der Namenlosen». Allerdings sind auch unter den neu Kandidierenden Leute zu finden, die sich bereits einen Namen auf dem politischen Parkett gemacht haben. Bei einigen Listen muss man davon ausgehen, dass den Kandidierenden auch am Unterhaltungswert gelegen ist. So etwa bei der Liste Die Musketiere im Emmental, die neben einem Studenten der Jüngerschaftsschule Vineyard auch einen Pfarrer im Ruhestand aufzuweisen hat.

Würden die 160 Mandate übrigens ausgelost, dann könnte, gerundet, jeder Dreizehnte damit rechnen, ins Rathaus einzuziehen.

Jeweils geringe Wahlbeteiligung

Trotz der riesigen Auswahl sind die kantonalen Wahlen gemeinhin kein Strassenfeger. Zuletzt lag die Wahlbeteiligung bei 32 Prozent. Tiefpunkt war das Jahr 2002, als weniger als 30 Prozent der Stimmberechtigten des Kantons Bern zur Urne schritten. Anders sah es in dieser Hinsicht in früheren Zeiten aus: Bei den kantonalen Wahlen von 1970 lag die Beteiligung bei 59 Prozent, 1950 waren es sogar 72 Prozent gewesen. Unterschiede gibt es in Sachen Wahlbeteiligung in den neun Wahlkreisen: Am höchsten war die Wahlbeteiligung 2014 im Oberland mit 36 Prozent.

Die einzelnen Wahlkreise weisen zwischen 12 und 25 Sitzen auf. Damit braucht eine Gruppierung einen Stimmenanteil von 3,8 Prozent (bei 25 Sitzen) bis 7,7 Prozent (bei 12 Sitzen), um ein Mandat zu erringen. Meldefrist für die Listenverbindungen ist der kommende Montag, bis zu diesem Zeitpunkt können die Listen auch noch abgeändert werden. Der Kanton aktualisiert die Listen laufend. Für die Wahlen des Regierungsrats endet die Frist am 22. Januar. Ebenfalls gewählt wird der Bernjurassische Rat: Für die 24 Sitze bewerben sich 136 Kandidatinnen und Kandidaten. (Der Bund)

Erstellt: 09.01.2018, 06:53 Uhr

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