Regulierung der Luchse gefordert

Im Berner Oberland wird gefordert, die Luchspopulation zu regulieren. Der Regierungsrat will behutsam vorgehen.

Der Luchs B318, der im Berner Oberland wohnhaft ist tappte in die Fotofalle der Wildtierfachstelle Kora.

Der Luchs B318, der im Berner Oberland wohnhaft ist tappte in die Fotofalle der Wildtierfachstelle Kora. Bild: zvg/Kora

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Der Luchs fühlt sich wohl im Berner Oberland: auf hundert Quadratkilometer leben heute mehr als drei Tiere. Nun wird die Forderung laut, den Bestand zu regulieren. Die Berner Kantonsregierung möchte allerdings nicht gleich zur Flinte greifen.

In einer am Montag veröffentlichten Antwort auf einen Vorstoss von SVP-Grossrat Christoph Berger (Aeschi) mahnt der Regierungsrat zur Umsicht. Zwar gebe es mittlerweile gute Daten zur Luchspopulation, doch einzig darauf abzustellen wäre verkehrt.

Nach Ansicht der Regierung braucht es auch vertiefte Kenntnisse, wie sich der Luchs auf die Bestände von Reh und Gämsen auswirkt. Ideen, wie man diese Datenlage verbessern kann, gibt es laut Regierung.

Ebenfalls eine Überlegung wert ist für die Regierung das Thema der Wildschäden im Wald. Auf rund einem Viertel der Waldfläche gilt der Wilddruck weiterhin als kritisch. Wegen Verbiss' wächst dort nicht genügend Jungwald in der gewünschten Durchmischung der Baumarten heran. Eine Regulierung des Luchsbestandes könnte dieses Problem verschärfen, befürchtet die Regierung.

Gespräche statt Blockaden

Um den Luchsbestand zu regulieren müsste der Kanton Bern vom Bund die Erlaubnis erhalten. Die Kantonsregierung beurteilt die Erfolgsaussichten eines Gesuchs derzeit als fraglich. Zudem könnte eine Bewilligung mittels Beschwerde angefochten werden.

Der Regierungsrat warnt deshalb vor Schnellschüssen, die nur zu Konfrontationen, Blockaden und Rechtsstreitigkeiten führen würden. Stattdessen möchte er auf Gespräche und Konsens setzen. Die Volkswirtschaftsdirektion wird nach Angaben der Regierung einen runden Tisch initiieren.

Schliesslich möchte der Regierungsrat auch die momentan laufende Revision des Eidgenössischen Jagdgesetzes abwarten. Diese könnte eine Vereinfachung des Verfahrens bringen. Die Kantonsregierung beantragt dem Parlament, den Vorstoss in ihrem Sinne als unverbindliches Postulat zu überweisen.

Der Luchs starb während des 19. Jahrhunderts in der Schweiz aus. 1967 fasste der Bundesrat den Beschluss, den Luchs wieder anzusiedeln. 1971 wurden die ersten Luchspaare im Kanton Obwalden freigelassen. Seither hat sich eine stabile Population etabliert.

In manchen Regionen ist der Luchsbestand so gross, dass namentlich Jagdkreise eine Regulation des Bestandes fordern. Gämsen und Rehe sind Beutetiere des Luchses. Ihr Bestand ist seit längerem rückläufig. (net/sda)

Erstellt: 12.03.2018, 16:58 Uhr

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