Regula Rytz Superstar

Die Parteipräsidentin der Grünen, Regula Rytz, gilt als Favoritin für die Nachfolge von Bernhard Pulver im Regierungsrat. Zum Schrecken der Bürgerlichen.

Regula Rytz überstrahlt die parteiinterne Konkurrenz.

Regula Rytz überstrahlt die parteiinterne Konkurrenz. Bild: Manu Friederich

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Immer höflich, gar charmant, aber knallhart in der Sache: So erleben die Fernsehzuschauer Regula Rytz jeweils in Diskussionssendungen. Vielleicht blüht das schon bald den bernischen Regierungsräten. Die Nationalrätin und Parteipräsidentin der Grünen gilt als vielversprechendste Kandidatin für die Nachfolge des zurücktretenden Bernhard Pulver – wenn sie denn will. Ob sie für eine Kandidatur zur Verfügung steht, hat sie noch nicht entschieden.

Klar ist, die 55-Jährige überstrahlt die parteiinterne Konkurrenz. Ihre politische Karriere kennt bisher nur eine Richtung: nach oben. Zuerst war sie Grossrätin, dann Gemeinderätin der Stadt Bern, nun Nationalrätin und Präsidentin der Grünen Schweiz.

Bemerkenswerter als die Stationen sind aber die Beurteilungen ihres Wirkens. «Dank Witz, Charme und Fleiss» bringe sie auch ihre politische Gegner zum Zuhören, schrieb der «Bund» bereits 1998, als Rytz gerade mal eine Legislatur als Grossrätin hinter sich hatte.

Auch aus ihrer Zeit als Gemeinderätin sind hauptsächlich Erfolge überliefert. Das Husarenstück: Entgegen allen Prophezeiungen gelang es unter ihrer Ägide, den Umbau des Bahnhofsplatzes noch vor der Fussball-Europameisterschaft 2008 abzuschliessen. Und auch die zweite Abstimmung über das Tram Bern-West führte Rytz als Verkehrsdirektorin gegen Widerstand zum Erfolg.

Sogar Alt-Stadtrat Roland Jakob (SVP) blieb nach Rytz’ Rücktritt 2012 nichts anderes übrig, als seine politische Gegnerin zu loben. Sie sei ein «Chrampfer», «engagiert» und «zielstrebig», schrieb er im «Bund». Das grösste Manko für Jakob: Rytz führte zu viele Tempo-30-Zonen ein.

An ihrer Beurteilung durch die politischen Gegner hat sich seither wenig geändert. Unisono werden ihr «Dossierkenntnisse», «Redegewandtheit» und «Verlässlichkeit» attestiert. «Als politischer Gegenspieler muss man sich warm anziehen, wenn man gegen sie antritt», sagt etwa BDP-Nationalrat Heinz Siegenthaler.

Um eine wirklich negative Beurteilung zu hören, muss man schon mit Adrian Amstutz, dem SVP-Fraktionspräsidenten, sprechen. Rytz sei für das Amt des Regierungsrats nicht geeignet, sagt er. «Sie ist dafür viel zu ideologisch.»

Linke Politik in rechtem Kanton

Mit der Meinung, dass Rytz für das Amt nicht geeignet wäre, ist Amstutz ziemlich alleine. Für wünschenswert halten aber auch andere befragte Bürgerliche einen Einzug von Rytz in die Kantonsregierung nicht. Das Problem: Rytz politisiert stramm links. So zeigt auch ihr Smartvote-Profil anlässlich der Nationalratswahlen 2015, dass sie bei keiner Frage von klassischen links-grün-feministischen Positionen abweicht. Hinweise, dass dies nur ihrer aktuellen Funktion als Parteipräsidentin geschuldet ist, gibt es nicht.

Das wirft umgekehrt auch die Frage auf, ob das Amt als Regierungsrätin des Kantons Bern für Rytz überhaupt attraktiv ist. Schliesslich dominieren die Bürgerlichen Regierungsrat wie Kantonsparlament. Der Spielraum für pointiert linke Politik ist äusserst klein. «Gerade Bernhard Pulver hat gezeigt, dass man auch aus einer Minderheitsposition heraus viel erreichen kann», sagt Rytz selber dazu. Dafür brauche es einfach die Bereitschaft, im Dialog mit anderen gemeinsam Lösungen zu entwickeln. «Ich habe diese Bereitschaft – wie viele andere Grüne auch.»

Trotz der Bekundungen, letztlich könnte das Liebäugeln Rytz’ auch parteistrategische Gründe haben. So versuchen die Grünen bei jeder Gelegenheit, auf Breite und Qualität ihres Personals aufmerksam zu machen. Rytz’ Parteikollegen weisen diesen Verdacht aber vehement zurück. «Ich kenne sie schon sehr lange, und ich weiss, dass sie sich eine Kandidatur ernsthaft überlegt», sagt die Stadträtin und Stadtberner GB-Präsidentin Stéphanie Penher.

Der grüne Grossrat Blaise Kropf geht sogar noch weiter: «Es hätte mich erstaunt, wenn eine der herausragendsten Politikerinnen der Grünen sich eine Kandidatur nicht seriös überlegen würde.» Beide sind überdies überzeugt, dass Rytz das Zeug dazu hätte, auch im bürgerlichen Parlament für ihre Anliegen Mehrheiten zu schaffen.

Auch Häsler mit Chancen

Ob es aber tatsächlich so weit kommt, hängt nicht nur von Rytz alleine ab. Die erste Hürde ist die Nomination durch die Partei. Und Bekanntheit alleine reicht für eine Nomination nicht. Erst kürzlich unterlag FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen im parteiinternen Nominationsverfahren FDP-Grossrat Philippe Müller.

Wenn es zum Zweikampf mit der zweiten grünen Nationalrätin Christine Häsler kommt, die sich eine Kandidatur ebenfalls überlegt, sei das Rennen offen, meint Kropf. Anders sieht es Penher. «Wenn Rytz sich für eine Kandidatur zur Verfügung stellt, ist die Nomination bloss Formsache», sagt sie.

Die zweite Hürde ist das Volk. Traditionellerweise hatten die linken Parteien bei den Regierungsratswahlen mit eingemitteten Kandidaten Erfolg, was eher für die Oberländerin Häsler sprechen würde, die einen gemässigteren Kurs fährt. Allerdings wollen die bürgerlichen Parteien trotz Pulvers Rücktritt bloss mit vier Kandidaten antreten: ideale Voraussetzungen also für eine linke Kandidatin.

Zudem haben vergangene Wahlen gezeigt, dass Rytz nicht nur von bürgerlichen Politiker gefürchtet, sondern auch von bürgerlichen Wählern gewählt wird: Bei der Nationalratswahlen 2015 war sie die Kandidatin mit den zweitmeisten Panaschierstimmen. Auch in der Gunst der bürgerlichen Wähler lag sie nur wenig hinter Häsler. (Der Bund)

Erstellt: 18.08.2017, 06:55 Uhr

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