Regierungsrat beharrt auf Transitplatz in Wileroltigen

Die Proteste gegen die Stellplätze für ausländische Fahrende in der Seeländer Gemeinde Wileroltigen waren massiv – aber vergebens.

Geht es nach dem Regierungsrat, soll der Transitplatz erstellt werden: Szene in Wileroltigen. (Archiv)

Geht es nach dem Regierungsrat, soll der Transitplatz erstellt werden: Szene in Wileroltigen. (Archiv) Bild: Nicole Philipp

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Der Widerstand war zwecklos. Der Regierungsrat hält an Wileroltigen als Standort für einen definitiven Transitplatz für ausländische Fahrende fest. Er beantragt dem Grossen Rat einen Kredit von 3,3 Millionen Franken für Planung, Projektierung und Realisierung. Über den Kreditantrag befindet der Grosse Rat im März 2019.

Mit dem Bau des Transitplatzes gleich hinter dem Rastplatz Wileroltigen an der Autobahn A1 würde frühestens 2022 begonnen. Er soll Platz bieten für 36 Stellplätze und bis zu 180 Personen. Das kleine Dorf an der Grenze zum Kanton Freiburg ist seit 2017 im Gespräch für die Stellplätze. Damals hatte das Bundesamt für Strassen (Astra) bestätigt, dass es Flächen im Umfeld des Rastplatzes für eine solche Nutzung zur Verfügung stellen würde.

«Nach einer ernsthaften Prüfung verschiedener Standorte war Wileroltigen die einzig übrig gebliebene Option», sagt Regierungsrätin Evi Allemann (SP). Der Platz sei genügend nahe an der Autobahn, die den Fahrenden als Transitachse diene, und in ausreichender Entfernung zur Wileroltiger Wohnzone. Ausserdem seien Wasser- und Stromanschlüsse grundsätzlich vorhanden.

«Nicht angemessen»

Hinnerk Semke, Gemeindepräsident von Wileroltigen, ist mit der Absicht des Regierungsrats nicht einverstanden: «In einem Dorf mit 350 Einwohnern ist ein Platz für bis zu 180 Fahrende schlicht zu gross; das ist nicht angemessen», sagt er auf Anfrage. Er geht davon aus, dass die Pläne der Kantonsregierung auch bei der lokalen Bevölkerung, die bereits 2017 gegen den Platz für die Fahrenden protestiert hatte, nicht gut ankommt: «Das wird sicher ein negatives Echo auslösen. Gut möglich, dass sich das Bürgerkomitee wieder stärker dagegen engagiert.»

Keine Arbeit für Gemeinde

Der Widerstand grosser Teile der Wileroltiger Bevölkerung ist auch zu Regierungsrätin Allemann gedrungen. Allerdings: «Widerstand gäbe es auch an anderen Standorten, da müssen wir uns nichts vormachen», sagt sie. Der Kanton habe einen völker- und verfassungsrechtlichen Auftrag, separate Transitplätze für ausländische Fahrende bereitzustellen. «Und Wileroltigen ist dafür der optimale Standort.»

In Wileroltigen wolle man sich der rechtlichen Verantwortung nicht gänzlich entziehen, sagt Semke. «Wir würden aber eine alternierende Lösung einem definitiven Transitplatz vorziehen.» Sollten die definitiven Standplätze aber kommen, wolle die Gemeinde mit dessen Bewirtschaftung nichts zu tun haben, stellt Semke zudem klar. Der Gemeindepräsident fordert den Kanton schliesslich dazu auf, die zweite Parzelle hinter der Raststätte, auf der keine Standplätze entstehen sollen, der Gemeinde zu übergeben. So will er sicherstellen, dass der Transitplatz, sollte er denn kommen, künftig nicht noch ausgebaut werden kann.

Allemann hofft derweil auf eine positive Strahlkraft einer guten Umsetzung. «Ein funktionierender Transitplatz könnte die Akzeptanz der Fahrenden in der Bevölkerung erhöhen.» (Der Bund)

Erstellt: 06.12.2018, 14:53 Uhr

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