Regierung lehnt einen Deckel für die Boni ab

Von einer Obergrenze wie beim Bund wäre derzeit vor allem die BKW tangiert.

Von einer Regelung bei den Boni wäre vor allem die BKW-Konzernchefin Suzanne Thoma betroffen.

Von einer Regelung bei den Boni wäre vor allem die BKW-Konzernchefin Suzanne Thoma betroffen. Bild: Adrian Moser

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Der Regierungsrat will nicht in das Lohngefüge von BKW, Berner Kantonalbank oder anderen Unternehmen eingreifen, an denen er Anteile hält. Diese Haltung hat er in einer Antwort auf eine Interpellation von SP-Grossrat Patric Bhend, der kürzlich zurückgetreten ist, bekräftigt. Im Vorstoss verwies Bhend auf die Bonus-Bremse, die der Bund bei seinen Betrieben eingeführt hat. Demnach dürfen dort die Boni nicht mehr als 50 Prozent des Grundsalärs oder Fixlohns betragen. Bhend wollte vom Regierungsrat wissen, ob er diese Bundesregelung zu übernehmen gedenke. Der Regierungsrat lehnt dies ab, vertritt aber die Ansicht, dass die «kantonalen Beteiligungsgesellschaften ein faires, sorgfältig austariertes Lohnsystem anwenden, ihre Vergütungen marktgerecht festlegen und bei den Spitzenlöhnen Mass halten» sollten. Lohn von 1,3 Millionen Franken

Gegenwärtig wäre von einer Regelung bei den Boni vor allem BKW-Konzernchefin Suzanne Thoma betroffen. Zusätzlich zu ihrem Grundsalär von 650'000 Franken erhielt sie 2016 Boni in der Höhe von 427'000 Franken. Das sind 65,7 Prozent des Grundlohns. Hinzu kamen noch Leistungen für die Vorsorge von 227'000 Franken, sodass Thoma eine Gesamtentlöhnung von 1,304 Millionen Franken erzielte. In den Vorjahren 2015 und 2014 betrugen die Boni für Thoma rund 55 Prozent des Grundlohns. Eigentlich gilt bei der BKW eine Limite von 30 Prozent Bonus bei der variablen Vergütung und 30 Prozent bei der aktienbasierten Vergütung. In Ausnahmesituationen können die 30 Prozent bei den Aktien aber überschritten werden. Gemäss dem Vergütungsbericht wird, weil die Aktienkurse stark gestiegen sind, die Zuteilung «weiterhin auf einem gemittelten Aktienkurs der Jahre 2014 und 2015 vorgenommen».

Bei der Berner Kantonalbank BEKB lag der variable Lohnanteil der gesamten Geschäftsleitung wie auch des BEKB-Chefs Hanspeter Rüfenacht bei rund 51 Prozent. Wie Banksprecher Martin Grossmann erklärte, wäre die Einführung der Bundesregelung im Kanton Bern für die Bank kein Problem. «Wir haben das Vergütungssystem unabhängig von der Interpellation angepasst.» Ab 2017 gibt es nur noch einen fixen Aktienanteil und keinen variablen mehr. So wird der Bonusanteil unter 50 Prozent sinken.

2015 forderte Grossrätin Simone Machado Rebmann (GPB) mit einer Motion, dass die Cheflöhne in staatsnahen Betrieben wie BKW oder BEKB die Gehälter der Regierungsräte nicht übersteigen dürften. Der Vorstoss fand zwar viel Sympathie, auch bei der SVP, wurde aber mit vier Stimmen Differenz ganz knapp abgelehnt. Seit einigen Jahren geht die Lohnschere stetig weiter auf. BKW-Chefin Thoma steigerte ihren Lohn seit 2013 um gut 40 Prozent. Unterdessen verdient sie fast doppelt so viel wie ihr Vorgänger Kurt Rohrbach mit 691 000 Franken (2012). «Durch die Umsetzung des im Jahr 2014 eingeführten Vergütungssystems ist im Jahr 2016 die schrittweise Anhebung der Vergütungen der Konzernleitung auf ein Marktniveau wie geplant abgeschlossen worden», heisst es im Geschäftsbericht für das vergangene Jahr. Zum Vergleich: Alpiq-CEO Jasmin Staiblin verdiente 2016 mit 1,9 Millionen Franken deutlich mehr als Thoma.

Rahmen für Löhne wird erhöht

Ob für 2017 das Grundsalär für Thoma weiter erhöht wurde, will die BKW nicht sagen. Allerdings wurde der Rahmen der Vergütungen für die gesamte Geschäftsleitung für das laufende Jahr auf 7 Millionen Franken erhöht, nächstes Jahr beträgt der Rahmen sogar 8 Millionen Franken. Es handle sich um die von der Generalversammlung genehmigten maximalen Gesamtvergütungen, teilt die BKW dazu mit. «Diese sagen nichts über die effektiv ausbezahlten Vergütungen aus.» 2016 wurden für die gesamte Geschäftsleitung 4,6 Millionen Franken ausbezahlt, 2015 lag dieser Betrag bei 5,4 Millionen Franken. Die Abnahme wird damit begründet, dass die Konzernleitung 2016 aus einem Mitglied weniger bestand. (Der Bund)

Erstellt: 11.09.2017, 06:45 Uhr

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