«Ratsneuling» Reinhard (FDP) ist neuer Grossratspräsident

Der Grosse Rat hat sein Präsidium neu besetzt. Präsident wird FDP-Grossrat Carlos Reinhard. Die Ratsleitung bleibt in Thuner Hand.

Präsidiert den Grossen Rat: Carlos Reinhard.

Präsidiert den Grossen Rat: Carlos Reinhard.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Der Grosse Rat hat am Montag sein Präsidium neu besetzt. Neuer Präsident ist der Thuner FDP-Grossrat Carlos Reinhard. Der 43-jährigen Unternehmer wurde ohne Nebengeräusche gewählt.

Im Gegensatz zu seinen Amtsvorgängern ist Reinhard kein altgedienter Parlamentarier. Kaum war er 2014 in den Rat gewählt worden, nominierte die FDP den Thuner bereits für das 2. Vizepräsidium - mangels Alternativen in den eigenen Reihen.

Dass ein Ratsneuling ohne Stallgeruch für das Präsidium kandidierte, sorgte damals bei den anderen Parteien für Misstöne. Das Plenum wählte ihn 2014 erst nach einer einwöchigen Kennenlernphase und nur äusserst knapp zum 2. Vizepräsidenten. Reinhard sagte damals, er habe den «Wink mit dem Zaunpfahl» verstanden.

Die Wogen haben sich längst geglättet. Die ehemaligen Kritiker attestierten dem Senkrechtstarter, sich in den letzten zwei Jahren ins Zeug gelegt zu haben, um der Aufgabe gewachsen zu sein. Das Parlament wählte ihn mit 142 von 144 gültigen Stimmen zum Präsidenten. 9 Wahlzettel gingen leer ein.

«Schneller als man denkt»

Als Kantonspolitiker hat der Unternehmer bislang keine grossen Stricke zerrissen. Auch in seinem Präsidialjahr wird sich Reinhard vor allem auf die Ratsführung und Repräsentationspflichten konzentrieren.

Sein Präsidialjahr stellt Reinhard unter das Motto «Schneller als man denkt». Damit sei nicht nur eine effiziente und nachhaltige Amtsführung gemeint, sondern auch ein Signal für einen dynamischen Kanton Bern.

Von 2005-2011 sass Reinhard im Thuner Stadtrat und leitete einige Jahre die kommunale FDP-Sektion. Der Inhaber einer Grosswäscherei war bis 2014 Präsident der Stadion-Genossenschaft der Thuner Fussballarena und engagierte sich zuvor als Vorstandsmitglied und Sponsor für den FC Thun.

Die Thuner Dominanz

Ebenfalls ohne Umstände vonstatten ging die Wahl für das Vizepräsidium. Dabei wurde die Spiezer SP-Grossrätin Ursula Zybach zur ersten Vizepräsidentin gewählt. Zweiter Vize wird SVP-Grossrat Jürg Iseli (Zwieselberg). Zybach und Iseli erhielt je exakt genau gleich viele Stimmen - 128 von 130 gültigen Wahlzetteln.

Die 48-jährige Zybach sitzt - wie Ratspräsident Reinhard - zwar erst seit 2014 im Grossen Rat. Bei deren Nomination wünschte sich insbesondere die SVP für die Zukunft wieder politisch erfahrende Anwärter und löste diesen Wunsch mit der Nomination von Jürg Iseli für das 2. Vizepräsidium gleich selber ein. Der 51-jährige Landwirt sitzt seit 11 Jahren im Parlament und leitet die einflussreiche Finanzkommission.

Mit der Stabübergabe von Marc Jost (EVP) zu Carlos Reinhard bleibt das Grossratspräsidium weiterhin in Thuner Hand. Reinhard ist seit 1831 der elfte Ratspräsident aus der Oberländer Metropole. Dies gab aber kaum zu reden, wie auch Dass das Ratspräsidium mit Reinhard, Zybach und Iseli weiterhin in der Hand von Parlamentariern aus der Region Thun/Spiez bleibt gab kaum zu reden. Reinhards Vorgänger war mit Marc Jost (EVP), ebenfalls ein Thuner.

Neue Regierungspräsidentin

Schliesslich ist am Montag BDP-Finanzdirektorin Beatrice Simon mit 134 Stimmen turnusgemäss zur bernischen Regierungspräsidentin gewählt worden. Vizepräsident wird Bernhard Pulver (Grüne). Der Erziehungsdirektor erzielte gar 143 Stimmen.

Beatrice Simon steht der ab 1. Juli bürgerlich dominierten Regierung turnusgemäss ein Jahr lang vor. Die 55-jährige Seeländerin ist seit 2010 Mitglied des Regierungsrates und profilierte sich als umsichtig waltende Finanzdirektorin und konsensorientierte Mittepolitikerin.

Den Wechsel von einer rotgrünen zu einer bürgerlich dominierten Regierung sieht sie nicht als einschneidende Wende, wie sie im «Bund»-Interview sagte. «Die Vernunft konnte man bisher schon einbringen.» Zudem habe sie stetes das bürgerliche Parlament im Rücken gehabt.

Der Regierungsrat habe immer gewusst, dass er «mit gemässigten Vorlagen» kommen musste, «weil er den Kraftakt gegen den Grossen Rat nicht gewinnen konnte». Zudem stehe in einer Exekutive die Parteizugehörigkeit nicht im Vordergrund. Die meisten Entscheide würden ohne Abstimmung gefällt.

Zum Vizepräsidenten wählte das Parlament Erziehungsdirektor Bernhard Pulver. Der Grüne wird die Regierung 2017/2018 präsidieren - im letzten Jahr der laufenden Legislatur.

lim/sda

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