Pulver könnte SP den Ständeratssitz wegschnappen

Bisher profitierte bei den Ständeratswahlen im Kanton Bern stets die SP von der rot-grünen Zusammenarbeit. Das könnte sich 2019 ändern.

Nach elf Jahren im Regierungsrat hat Bernhard Pulver gut lachen. Bei den Erneuerungswahlen distanzierte er die Mitstreiter von der SP jeweils klar.

Nach elf Jahren im Regierungsrat hat Bernhard Pulver gut lachen. Bei den Erneuerungswahlen distanzierte er die Mitstreiter von der SP jeweils klar.

(Bild: Adrian Moser)

Dölf Barben@DoelfBarben

Es war ein Wahlsieg, wie ihn niemand erwartet hatte. Am 19. Oktober 2003 ging Simonetta Sommaruga bei den Ständeratswahlen im Kanton Bern durch die Decke. Die SP-Kandidatin erhielt über 150 000 Stimmen – fast 20 000 Stimmen mehr als der Bisherige Hans Lauri von der SVP, der noch beinahe das absolute Mehr verpasst hätte. Sommaruga hatte mit diesem Wahlsieg die von bürgerlicher Seite viel gepriesene ungeteilte Standesstimme des Kantons geknackt.

Gelungen war es ihr, weil sie über eine überragende Strahlkraft verfügte, die weit ins bürgerliche Lager hineinreichte. Als Konsumentenschützerin war die ausgebildete Konzertpianistin sehr populär geworden und verfügte nahezu über die Aura einer Schutzpatronin. Für die SP des Kantons Bern war Sommaruga bahnbrechend. Als sie Ende 2010 in den Bundesrat gewählt wurde, gelang es der Partei 2011 und 2015, den Ständeratssitz mit Hans Stöckli, dem ehemaligen Bieler Stadtpräsidenten, zu verteidigen.

SP zählte bisher auf grüne Hilfe

Allerdings gilt es dabei etwas zu beachten: Während Sommaruga bei den Wahlen 2003 und 2007 ihre fulminanten Siege sozusagen allein und in einem Wahlgang schaffte, musste Stöckli 2011 und 2015 jeweils über zwei Runden gehen. Der entscheidende Punkt: Damit es überhaupt zu zwei Wahlgängen kam, war die SP auf die wackere Hilfe der Grünen angewiesen. Deren Kandidaten – Alec von Graffenried 2011 und Christine Häsler 2015 – sorgten mitunter dafür, dass im ersten Wahlgang keiner der bürgerlichen Gegner das absolute Mehr schaffte. Das war eine der Voraussetzungen für den Erfolg im zweiten Wahlgang. War dies geschafft, zogen sich die Grünen zurück, und Stöckli konnte punkten.

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2019 nun könnte das anders sein: Falls Hans Stöckli nicht mehr antreten sollte – er wird dann 67-jährig sein –, könnte die SP in eine schwierige Situation geraten. Denn Bernhard Pulver, der grüne Erziehungsdirektor, der 2018 aus dem Regierungsrat zurücktreten wird (siehe «Bund» von gestern), schliesst eine Ständeratskandidatur nicht aus. Falls Pulver tatsächlich kandidieren sollte, könnte das dazu führen, dass nach dem ersten Wahlgang die grosse SP klein beigeben muss statt – wie bisher – die viel kleinere Partei der Grünen.

Für dieses Szenario spricht, dass Bernhard Pulver bezüglich politischer Strahlkraft an Simonetta Sommaruga erinnert. Auch Pulver hat die Fähigkeit, mit seiner Position, die zur Mitte hin neigt, Stimmen im bürgerlichen Lager zu holen. Auch er hat sich durch seine sachliche Arbeit in der Erziehungsdirektion die Aura eines Politikers zugelegt, der über den politischen Grabenkämpfen zu schweben scheint.

Pulvers Resultate bei den Erneuerungswahlen für den Regierungsrat sprechen für sich: Sowohl 2010 als auch 2014 erzielte er das beste Ergebnis der vier rot-grünen Kandidierenden. 2010 betrug sein Vorsprung auf Barbara Egger (SP) 2000 Stimmen; 2014 distanzierte er die dreiköpfige SP-Konkurrenz mit 10'000 und mehr Stimmen.

Für Grüne «der ideale Kandidat»

Jan Remund, Co-Präsident der Grünen Kanton Bern, sagt es ohne Umschweife: «Es wäre mein Wunsch, dass Pulver 2019 für den Ständerat kandidiert.» Für ihn wäre er auch der «ideale Kandidat». Dass Pulvers Kandidatur zu einem «Wettkampf mit den Verbündeten» führen würde, sei klar, sagt Remund. Und weil Pulvers Wahlchancen sehr gut wären – «er wurde immer gut gewählt und macht als Regierungsrat einen sehr guten Job» –, wäre die Freude bei der SP wohl nicht sehr gross, mutmasst der Co-Präsident. Aber man würde sich finden, sagt er, denn «aus einer Gesamtoptik heraus wäre es auch für die SP gut».

«Es wäre mein Wunsch, dass Pulver 2019 für den Ständerat kandidiert.»Jan Remund, Co-Präsident Grüne Kanton Bern

Die Ständeratswahlen 2019 seien noch sehr weit weg, sagt SP-Präsidentin Ursula Marti. Sie hoffe und gehe auch davon aus, dass Hans Stöckli noch einmal antrete. Eines jedoch sei klar, unabhängig von bestimmten Namen: «Die bewährte rot-grüne Zusammenarbeit im Wahlkampf wird sicher eine Fortsetzung finden.» Und eines räumt Marti ein, angesprochen auf den Sommaruga-Pulver-Vergleich: «Bernhard Pulver hat auch eine grosse Strahlkraft.»

Und dann ist da noch die BDP

Die Ständeratswahlen, die in Bern bis 2003 zum Gähnen langweilig waren – es gewann immer die SVP mit der FDP im Schlepptau –, werden 2019 erneut spannend. Nicht zuletzt für die BDP. Ihr Ständerat, Werner Luginbühl, sitzt schliesslich auch schon seit zehn Jahren im Stöckli.

Der Bund

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