Pulver hat die Sprengkraft unterschätzt

Kommentar

Dass die sogenannte Quarta-Lösung mit einer Sparübung verbunden ist, war von Anfang an klar. Dass dadurch die französische Sprache im zweisprachigen Kanton abgesägt wird, ist allerdings ein Unding.

Es passt nicht zu Regierungsrat Bernhard Pulver, dass er den Schlamassel um die Französisch-Lektionen nicht hat kommen sehen.

Es passt nicht zu Regierungsrat Bernhard Pulver, dass er den Schlamassel um die Französisch-Lektionen nicht hat kommen sehen.

(Bild: Valérie Chételat)

Adrian M. Moser@AdrianMMoser

Es ist bitter für den bernischen Erziehungsdirektor Bernhard Pulver: Nach Jahrzehnten der Diskussionen scheint es ihm zu gelingen, den Streit um das vierjährige Gymnasium beizulegen. Stimmt der Grosse Rat am Dienstag zu, bekommen die Gymnasiallehrer, was sie wollen: ein vierjähriges Gymnasium, ohne Ausnahmen.

Dass die sogenannte Quarta-Lösung mit einer Sparübung verbunden ist, war von Anfang an klar – anders hätte Pulver dafür womöglich keine Mehrheit gefunden. Nicht klar war hingegen, dass er an den Gymnasien gleich noch ein paar andere Dinge ändern will. Die Behauptung sei hier gewagt: Er hätte es nicht getan, hätte er vorausgesehen, dass er damit die gesamte Westschweiz gegen sich aufbringt.

Die Ironie der Geschichte: Zum Schlamassel konnte es nur kommen, weil Pulver sein eigenes Erfolgsrezept missachtet hat. In keiner Ansprache vergisst er es zu betonen: Er will die bernische Schullandschaft beruhigen, indem er keine weiteren Reformen anreisst. Genau das hat er nun aber getan. Die Idee, den gymnasialen Französischunterricht ein Jahr vor der Matur zu beenden, mag faktisch keine Reform oder höchstens ein Reförmchen sein. Mit ihrer Symbolik hat sie aber eine gewaltige Sprengkraft.

Diese Sprengkraft hat Pulver unterschätzt. Vor einer Woche verteidigte er seine Pläne noch. Doch dann griffen die welschen Medien das Thema auf und lenkten den Fokus auf die politische Dimension: Ausgerechnet Pulver, der sich so vehement für die Position des Französischen in der Schweizer Schule einsetzt, will in seinem Kanton ein Französisch-freies Gymnasialjahr einführen!

Es passt nicht zu Pulver, dass er dies nicht früher als politisches No-go erkannt hat. Was aber bestens zu ihm passt, ist seine Reaktion: Selbstkritik üben, die Argumente der Gegner ernst nehmen oder gar zu den eigenen machen – auf keinen Fall die Front stärker werden lassen. Nun muss ein neuer Vorschlag her. Und auch diese Behauptung sei hier gewagt: Die überarbeitete Lektionentafel wird nur noch die nötigsten Änderungen enthalten.

DerBund.ch/Newsnet

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