Pragmatische Grüne braucht das Land

Bernhard Pulvers Abgang dürfte das Machtgefüge im Berner Regierungsrat nur marginal beeinflussen.

Ob es die Partei schafft, eine Persönlichkeit mit solchem Format bis zu den Wahlen in einem halben Jahr aufzubauen, ist ungewiss. (Regierungsrat Bernhard Pulver im Grossen Rat)

Ob es die Partei schafft, eine Persönlichkeit mit solchem Format bis zu den Wahlen in einem halben Jahr aufzubauen, ist ungewiss. (Regierungsrat Bernhard Pulver im Grossen Rat) Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Mit Bernhard Pulver verlässt einer der talentiertesten Politiker des Kantons Bern den Regierungsrat: gewinnend in der Art, entwaffnend bei Kritik, klar in den Aussagen, aber nie ideologisch. Im Gegensatz zu anderen, teils abgehobenen Magistratstypen steht Pulver für ein modernes Regierungsverständnis: keine Machtallüren, verwaltungsinterne Fehlerkultur, nachgeben, ohne als Verlierer zu gelten. So hat der linke Stadtberner im SVP-geprägten Kanton viele Lösungen zustande gebracht. Und so hat er Konflikte im sensiblen Schulwesen eindämmen, bildungspolitische Reformen vorwärtsbringen und kulturpolitisch mit cleveren Personalentscheiden punkten können.

Nun fehlt den Grünen das profilierte Zugpferd für den Wahlkampf 2018. Rot-Grün hat zwar intakte Chancen, seine drei Sitze im Siebnergremium verteidigen zu können. Letztlich aber war der grüne Sitz ein Pulver-Sitz, ein Sitz für einen pragmatischen Politiker mit liberalgrüner Geschichte. Ob es die Partei schafft, eine Persönlichkeit mit solchem Format bis zu den Wahlen in einem halben Jahr aufzubauen, ist ungewiss. Nötig wäre es aber, wenn die Grünen gegen die stark gewerkschaftlich und verbandsmässig organisierte SP, die mit drei Kandidaten antritt, gewinnen wollen. Zudem stehen auch die Grünliberalen mit einer pragmatischen Kandidatur schon bereit.

Pulvers Abgang dürfte das Machtgefüge im Regierungsrat gleichwohl nur marginal beeinflussen. Die drei bürgerlichen Parteien SVP, BDP und FDP konzentrieren sich auf ihre vier Sitze. Damit zeichnet sich jene Machtverteilung ab, die sich in den letzten zwei Jahren entwickelt hat und zum ländlich geprägten Kanton mit seinen urbanen Zentren passt: vier Vertreter von Mitte-rechts und drei von Mitte-links. Wichtiger ist hingegen die personelle Erneuerung: Nachdem erst 2016 zwei neue Politiker gewählt wurden, ziehen im nächsten Jahr drei weitere Neulinge ein. Das ist gut. Denn es bedeutet frische Ideen und neue Sichtweisen auf die alten Probleme im Kanton mit seinen zähen wirtschaftlichen und politischen Strukturen. (Der Bund)

Erstellt: 15.08.2017, 20:48 Uhr

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