Poststellen: Zweckoptimismus in Gemeinden

Die betroffenen Gemeinden wurden vom Entscheid der Post, Poststellen allenfalls zu schliessen, überrascht. Sie zählen nun auf den Dialog.

Interaktive Karte: Von den insgesamt 168 Filialen will die Post 76 «überprüfen» (rot). Grau markiert sind die bereits bestehenden Postagenturen und Aufgabestellen. (Grafik: Christian Zellweger)


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Die Berner Stadtregierung ist über die Pläne der Post wenig erfreut. Der Gemeinderat nehme die geplanten Schliessungen «mit Besorgnis» zur Kenntnis, heisst es in einer Mitteilung. Die bereits erfolgte Schliessung der Poststelle am Bärenplatz wird als «Fehlentscheid» bezeichnet. Der Gemeinderat fordert von der Post, «dass sie die spezifischen städtischen Bedürfnisse berücksichtigt und einen zeitgemässen Service Public gewährleistet».

«Die Poststellen in der Kramgasse und insbesondere in der Matte haben eine Schlüsselstellung für die untere Altstadt und die Matte», sagt auch Martin Giezendanner, Präsident des Matte-Leistes.

Eine allfällige Post-Agentur könne die in der Matte nachgefragten Dienstleistungen nicht erbringen. Die vielen Kleingewerbebetriebe aus dem Kreativ-Bereich, aber auch Behörden, Verwaltungsbetriebe und schweizerische Verbandssekretariate seien auf Paket-Dienste und Massenversand angewiesen. Ausserdem gebe es in der Matte kein Geschäft, das genug Platz für eine Post-Agentur hätte. Für Giezendanner ist klar: Zieht die Post weg, wird die Matte für Firmen weniger attraktiv – und es würden Arbeitsplätze verloren gehen.

Die Stadtregierung wünscht sich zudem griffigere Möglichkeiten, gegen Entscheide der Post vorzugehen. Die Stadt könne sich zwar an die eidgenössische Postkommission (Postcom) wenden. Allerdings sei diese nur in der Lage, Empfehlungen anzubringen, kaum aber Massnahmen durchzusetzen. «Darum ist der Gemeinderat der Ansicht, dass die Bundesbehörden die Position der PostCom stärken und sie mit griffigeren Instrumenten ausstatten sollten.»

Hoffnung auf Petition

In den letzten Monaten haben die Vereinigten Altstadtleiste über 3'500 Unterschriften für den Erhalt der Poststellen in der Kramgasse und in der Matte gesammelt. «Wir hoffen, dass wir damit bei der Übergabe der Petition nächste Woche nochmals ein deutliches Zeichen setzen können», so Giezendanner.

Auch die Post in Bolligen steht auf der «roten Liste»: In Bolligen sei man mit der Vorankündigung des Entscheides Ende letzter Woche von der Post «überrumpelt» worden, wie Gemeindepräsidentin Kathrin Zuber (FDP) sagt. Die Poststelle in Bolligen sei gut frequentiert und wichtig, gerade für die vielen älteren Bewohner in der Gemeinde. Man werde nun das Gespräch mit der Post suchen. «Aber: Man muss sich keine Illusionen darüber machen, was ‹zu überprüfen› bedeutet», sagt Zuber.

Zuversichtlicher ist man in Bremgarten: «Wir haben die Diskussion um unsere Poststelle schon einmal geführt», sagt Gemeindepräsident Andreas Kaufmann (GLP). Damals konnte man eine Schliessung verhindern, es wurde eine neue – wenn auch kleinere – eingerichtet. Man werde auch diesmal das Gespräch mit der Post suchen, so Kaufmann.

Die Gewerkschaft Syndicom wirft der Post in einer Mitteilung «Schönfärberei» vor: «So stellt sie die Agenturen und Zugangspunkte einer Poststelle gleich, obwohl diese nur einen Teil der Dienstleistungen anbieten können.» (zec/sda)

Erstellt: 23.05.2017, 15:16 Uhr

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