Pionier ohne Nachahmer

Die BKW packt als Pionier in Mühleberg die AKW-Stilllegung an. Als Vorlage für andere Betreiber taugt dies nur, wenn diese auch ein Ablaufdatum festlegen.

Für die BKW und ihr Personal ist die Stilllegung ein Grossprojekt.

Für die BKW und ihr Personal ist die Stilllegung ein Grossprojekt. Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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Das dicke Ende nach Betriebsschluss ist einer der gewichtigsten Nachteile der Atomenergie. Der AKW-Rückbau dauert auch im besten Fall mehr als ein Dutzend Jahre, die Endlagerung des Abfalls Jahrtausende. Statt Einnahmen fallen nur noch – gewaltige – Kosten an. Für Manager von Stromkonzernen, die wie Politiker in kurzen Zeiträumen denken, ist das ein starker Anreiz, die Abschaltung ihrer AKW hinauszuzögern – damit sich die Nachfolger um die Stilllegung kümmern müssen.

Es ist dem Verwaltungsrat und der Chefin der BKW, Suzanne Thoma, deshalb hoch anzurechnen, dass sie sich der unangenehmen Aufgabe des AKW-Rückbaus stellen. Das braucht einen gewissen Mut, auch wenn der Entscheid zur Abschaltung aus wirtschaftlichen Gründen fiel, weil die BKW sich eine teure Nachrüstung ersparen sollte. Der freiwillige Entscheid, das AKW 2019 abzuschalten, hat auch einen grossen Vorteil für die BKW: Sie konnte sich Zeit für eine sorgfältige Planung des Rückbaus nehmen. Laut Thoma ist dies entscheidend, damit beim Grossprojekt AKW-Rückbau der Kostenrahmen eingehalten werden kann.

In der Schweiz ist die BKW der erste Betreiber, der ein kommerzielles AKW stilllegt – und damit der Pionier, der für die Betreiber der anderen vier AKW die Vorlage liefert. Dies auch deshalb, weil das Ende der AKW der blinde Fleck in der Schweizer Energiepolitik ist. So mussten die Juristen des Bundes den rechtlichen Rahmen für die AKW-Stilllegung anhand des Falls Mühleberg zu grossen Teilen beinahe erfinden. Denn sie ist gesetzlich nur rudimentär geregelt. Das ist, nach Anlaufschwierigkeiten, geglückt: Die Stilllegungsverfügung ist in Kraft.

Ob die Vorlage der Pionierin BKW für die Stilllegung der anderen vier AKW in der Schweiz taugt, ist dennoch fraglich. Zunächst blieb der BKW der Härtetest von Gerichtsverfahren erspart, weil keine Beschwerden gegen die Verfügung erhoben wurden. Wichtiger ist: Entscheidend für das Vorgehen der BKW war, dass sie einen Abschalttermin für ihr AKW festlegte. Davon sind die Betreiber der anderen vier AKW weit entfernt. Sie wollen ihre AKW noch möglichst lange, bis zu einem Total von 60 Betriebsjahren, am Netz lassen.

Nun lässt sich eine Stilllegung auch auf einen fernen Zeitpunkt hin planen. Doch bis es so weit ist, kann viel geschehen, das die Planung über den Haufen werfen würde: Neue AKW-Unfälle, politische Entscheide oder auch der Konkurs eines Betreibers. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Abschaltungen plötzlich und ungeplant unter dem Druck von Ereignissen erfolgen werden. Die anderen AKW-Betreiber haben deshalb gute Gründe, sich die BKW als Beispiel zu nehmen und aus eigener Initiative rechtzeitig ein Abschaltdatum festzulegen. Auf dass auch sie Planungs­sicherheit für das dicke Ende haben, das unvermeidlich kommen wird.

(Der Bund)

Erstellt: 13.09.2018, 06:46 Uhr

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