Pferdemetzger darf nicht mitbieten

Die Pferde von Hefenhofen sollen am Donnerstag versteigert werden. Der Schweizer Tierschutz kritisiert das «überstürzte» Vorgehen – und widerspricht damit der Berner Sektion.

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Das Thurgauer Veterinäramt will die Pferde des mutmasslichen Tierquälers von Hefenhofen morgen Donnerstag versteigern. Am Montag haben Experten den Preis der derzeit bei der Armee im Sand bei Schönbühl eingestellten Tiere geschätzt. Im Internet kursiert bereits eine Liste mit Fotos von sämtlichen 93 Pferden. Derzeit gingen Hunderte Telefonanrufe ein von Menschen, die sich für ein Pferd interessierten oder Geld spenden möchten, gab das Thurgauer Veterinäramt bekannt. Die Versteigerung soll morgen ab 9 Uhr im Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere in Schönbühl stattfinden. Wer Interesse habe, könne die Pferde vor Ort anschauen, kaufen und gleichentags mitnehmen, sagte der Kommandant der Anlage, Jürg Liechti. Dieses Vorgehen verurteilte der Schweizer Tierschutz in einer Medienmitteilung als «unverständlich und skandalös». Der Tierschutz kritisiert insbesondere «die jahrelang erfolglosen Versuche der Behörden», gegen den Tierquäler Ulrich K. vorzugehen. Es müsse alles geschehen, um den Tieren ein besseres Leben zu ermöglichen, stattdessen finde nun ein eigentlicher «Pferde-Ausverkauf statt».

Der Kanton Thurgau reagierte mit einer Stellungnahme. Darin heisst es, es gehe nicht darum, die Pferde zu «verschachern». Bei der Verkaufsaktion stehe nicht der Erlös der Tiere, sondern ein guter Platz im Vordergrund. Alle Pferde seien zudem mit einem Chip versehen, sodass man wissen werde, wo sie untergebracht seien. «Kontrollen werden zeigen, wie die Pferde gehalten werden», heisst es in der Mitteilung. Und: Es werde kein einziges Tier geschlachtet.

Ungeniessbar wegen Wurmmittel

Jürg Liechti, Kommandant des Kompetenzzentrums Veterinärdienst und Armeetiere, spricht zwar von einer «Herausforderung», die richtigen Leute zu finden, aber das sei schliesslich bei jedem Tierverkauf der Fall. Auf dem Armeegelände kümmern sich seit rund einer Woche Rekruten um die vernachlässigten Tiere. Zudem habe man entsprechende Klauseln in die Verkaufsverträge eingebaut, welche die befürchtete «Vergantung» verhindern sollen. Die Armee habe ausserdem sämtliche Pferde mit Wurmmittel behandelt, so Liechti. Somit werden die Pferde – zumindest während des nächsten Monats – wohl tatsächlich nicht auf dem Teller landen.

Tierschützer sind sich uneinig

Helen Sandmeier, Mediensprecherin des Schweizer Tierschutzes STS, bleibt trotzdem skeptisch: «Die Behörden hätten sich mehr Zeit nehmen müssen», sagt sie. Sandmeier spricht von einem «Schnellschuss» des thurgauischen Veterinäramtes, das sich mit dieser «überstürzten Aktion» möglichst schnell aus der Affäre ziehen wolle. Sie habe nämlich den Eindruck gehabt, dass man sich in Schönbühl ruhig noch ein wenig Zeit gelassen hätte. Denn «gerade diese Pferde» hätten ein schönes Zuhause verdient. Der Tierschutzverein Schweiz werde bei der Versteigerung der Pferde in Schönbühl selbst vor Ort sein, so Sandmeier. Geht es nach dem Schweizer Tierschutz, sollen die Pferde also noch etwas länger in der Obhut der Armee bleiben. Damit widerspricht er allerdings seiner eigenen Sektion in Bern. Dessen Geschäftsführer, der Zoologe Lukas Bircher, findet es nämlich «gut», dass die Pferde nun «so rasch wie möglich» bei Privaten unterkommen. Er traue es der Armee durchaus zu, dass sie für die Pferde geeignete Besitzer finde. Und schliesslich hätten die letzten Tage auch gezeigt: «Tierfreunde hat es mehr als genug.»

Berner Zeitung

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