Pfarrer raus aus den Synoden? Der reformierte Pfarrverein reagiert alarmiert

Bald sind Pfarrer nicht mehr Staats-, sondern Kirchenangestellte. Dürfen Sie dann noch im Kirchenparlament sitzen? Diese Frage wirbelt Staub auf.

Die Synode ist das Parlament der Landeskirche. Jedes fünfte Mitglied ist ein Pfarrer oder eine Pfarrerin. Die Pauluskirche in der Länggasse.

Die Synode ist das Parlament der Landeskirche. Jedes fünfte Mitglied ist ein Pfarrer oder eine Pfarrerin. Die Pauluskirche in der Länggasse. Bild: Manu Friederich

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Nun gibt es doch Komplikationen. Was klar ist: Ab 2020 werden die Pfarrerinnen und Pfarrer der drei bernischen Landeskirchen nicht mehr beim Kanton angestellt sein, sondern bei ihren Kirchen. Und was klar zu sein schien: Für sie sollte sich dadurch nichts ändern. Doch das ist nun infrage gestellt. Bei den Katholiken sollen jene Personen, die zu mehr als 20 Prozent bei der Landeskirche angestellt sind, nicht mehr in die Synode wählbar sein.

Die Synode ist das Parlament der Landeskirche, bezüglich Ebene das Gleiche wie der Grosse Rat. Wie Thomas Uhland, Sprecher der römisch-katholischen Landeskirche, sagt, soll mit der Änderung verhindert werden, dass Angestellte in eigener Sache entscheiden können. Die neue Kirchenverfassung, die in der Vernehmlassung ist, enthalte deshalb einen Unvereinbarkeitsartikel. «Es ist aber noch nichts in Stein gemeisselt», betont er. Die katholische Synode zählt 78 Mitglieder. Nur vier wären vom neuen Artikel betroffen.

In der 200-köpfigen reformierten Synode sind die Verhältnisse anders: Jedes fünfte Mitglied ist eine Pfarrerin oder ein Pfarrer. Wie sich nun aber zeigt, ist die «Idee» der Katholiken auch bei den Reformierten angekommen. Jüngst hat der Kirchgemeindeverband (KGV) seine Gemeinden angeschrieben – im Hinblick auf die bevorstehenden Neuwahlen. Der Einsitz von Mitarbeitenden der Landeskirche (also von Pfarrern) in die Synode werfe unter anderem Fragen auf im Hinblick auf Interessenkonflikte, heisst es im Brief – mit Verweis auf die Pläne der Katholiken.

KGV-Präsident Hansruedi Spichiger betont, der Brief sei nicht als Aufruf zu verstehen, keine Pfarrpersonen mehr zu nominieren. Es gehe bloss darum, sich mit dieser Frage zu befassen. Der Verband sei verschiedentlich darauf angesprochen worden, ob eine Anstellung bei der Landeskirche mit einem Sitz in der Synode noch vereinbar sei. «Diese Frage ist berechtigt», sagt er.

«Kein Nachhilfeunterricht nötig»

Der Brief des Kirchgemeindeverbandes hat bei den Pfarrern Verärgerung ausgelöst. Es sei «schleierhaft», warum es der KGV für nötig halte, einen Keil zwischen Kirchgemeinde und Pfarrerschaft zu treiben, steht in einer E-Mail, die der Vorstand des reformierten Pfarrvereins am Mittwoch an seine Mitglieder verschickte. Und: Der KGV stelle die Pfarrerschaft «unter einen absurden Generalverdacht». Der KGV fordere die Gemeinden «kaum verhüllt» dazu auf, bei der Wahl von Pfarrern als Synodale «über die Bücher zu gehen».

Michael Graf, Präsident des Pfarrvereins, sagt, das Hauptproblem sei, dass der Kirchgemeindeverband Misstrauen schüre. Die Kirchgemeinden könnten sehr wohl autonom entscheiden, wen sie als Synodale wählten, «sie brauchen dazu keinen Nachhilfeunterricht». Der KGV-Vorstand gerate in ein massives Glaubwürdigkeitsproblem, wenn er katholische Positionen propagiere. Dass in der reformierten Kirche die Pfarrerschaft in der Synode vertreten sei, habe eine lange Tradition. Dürften Pfarrerinnen und Pfarrer dort nicht mehr Einsitz nehmen, «ginge extrem viel Fachwissen und Engagement verloren», sagt Graf.

Der Kanton scheint die Idee, Pfarrer aus den Synoden ausschliessen zu wollen, ebenfalls nicht gut aufzunehmen. Christoph Miesch, Generalsekretär der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion, erinnert an den Grundsatz, der beim Transfer der Anstellungsverhältnisse zu den Landeskirchen bislang gegolten habe: An den Rechten und Pflichten der Pfarrer solle sich nichts ändern. Im Zweifelsfall gebe es bei gewissen Geschäften ja auch die Möglichkeit, in den Ausstand zu treten, sagt er. Und zum Vergleich: Heute dürften Pfarrer sich als Staatsangestellte – so wie Lehrer – durchaus in den Grossen Rat wählen lassen.

Und der reformierte Synodalrat, die Kirchenregierung? Dessen Präsident, Andreas Zeller, antwortet kurz: «Wir sind klar dagegen.» Gegen den Ausschluss der Pfarrer aus der Synode gebe es «gewichtige theologische Gründe», sagt er. Das reformierte Kirchenverständnis sehe Laien und Theologen gleichermassen in der Verantwortung bei der Leitung der Kirche. Ausserdem fehlten die juristischen Grundlagen für einen Ausschluss der Pfarrer, sagt er. (Der Bund)

Erstellt: 09.02.2018, 07:00 Uhr

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