Nicht nur Hahnenwasser für Kantonsbeamte

Weniger Mineralwasser in Verwaltungsgebäuden hätte Gletscher retten sollen, doch daraus wird nun nichts: Der Regierungsrat lehnt eine Forderung der Grünen ab.

Der Berner Regierungsrat hält an Mineralwasser aus Flaschen in bernischen Verwaltungsgebäuden fest. Das Trinken von Leitungswasser bleibt freiwillig.

Der Berner Regierungsrat hält an Mineralwasser aus Flaschen in bernischen Verwaltungsgebäuden fest. Das Trinken von Leitungswasser bleibt freiwillig. Bild: Keystone

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Um in Zeiten «extremen Wetters», Gletscherschwunds und «trockener Sommermonate» das Klima zu schonen, soll der Regierungsrat in allen kantonalen Verwaltungs- und Parlamentsgebäuden nur noch Hahnenwasser statt Mineralwasser zur Verfügung stellen. Das forderten verschiedene Grüne im Grossen Rat rund um Hasim Sancar in einer Motion von letztem September. «Um unser Klima zu schützen.»

Begründet wird die Forderung auch damit, dass das Hahnenwasser im Kanton Bern ja überall «von bester Qualität» sei und in allen Gebäuden «sehr günstig zur Verfügung steht». Würden alle Parlamentarierinnen und Parlamentarier sowie die Mitarbeitenden der Verwaltung nur noch Leitungswasser trinken, könnten «unnötige Transporte von Mineralwasser vermieden werden».

Ausserdem forderten sie in der Motion, dass der Kanton Bern der Organisation «Blue Community» beitritt, die den vermehrten Konsum von Leitungs- statt Mineralwasser fördert und gegen die Privatisierung der Wasserversorgung kämpft.

«Ja, aber ...»

In der Antwort auf die Motion im Januar bestätigt der Regierungsrat, dass das Hahnenwasser im Kanton Bern tatsächlich von sehr guter Qualität sei «und gut als Trinkwasser verwendet werden kann». Auch einen «verantwortungsvollen Umgang» mit Trinkwasser unterstützt die Kantonsregierung – denkbar seien gar geeignete Massnahmen, um die Bevölkerung dahingehend zu sensibilisieren.

So weit, so gut. Das grosse «Aber» kommt dann bei den eigenen Angestellten in der Verwaltung. Für eine Limitierung und Regelung des Mineralwassers sei das Wassertrinken für die Gesundheit der Mitarbeitenden zu wichtig. Die Mitarbeitenden könnten den Zugang zu Hahnenwasser so viel und so weit nutzen, wie sie wollten, schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort.

Auch die Forderung eines Beitritts des Kantons zur Organisation «Blue Community» lehnt der Regierungsrat ab. Es fehle der fachliche Bezug der Schweizer Trägerschaft, und die Anzahl Mitglieder hierzulande sei überschaubar. Es sind dies die Stadt Bern, die Uni Bern, die Kirchgemeinde Johannes und die Gewerkschaft Syndicom.

«Aus Gründen der Verhältnismässigkeit» lehnt die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Regierungsrats unter Christoph Neuhaus (SVP) die Motion deshalb ab.

Neuhaus anders als Tschäppät

Anders tat es Alexander Tschäppät 2013 als Stadtpräsident. Er verpflichtete seine Direktionen und Abteilungen dazu, wenn immer möglich auf transportiertes Wasser zu verzichten und stattdessen Hahnenwasser auszuschenken. Das Ganze geschah ebenfalls in Zusammenhang mit der kanadischen «Blue Community», der die Stadt Bern beitrat. (Der Bund)

Erstellt: 06.02.2019, 15:07 Uhr

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