Therese Frösch soll der Spitex einen Neustart ermöglichen

Die angeschlagene Spitex Bern nominiert sechs neue Mitglieder für den Verwaltungsrat. Therese Frösch ist als Präsidentin vorgesehen.

Die frühere Nationalrätin und Stadtberner Gemeinderätin Therese Frösch.

Die frühere Nationalrätin und Stadtberner Gemeinderätin Therese Frösch. Bild: Valérie Chételat (Archivbild)

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Die Spitex Bern ist in einer schwierigen Situation, doch nun zeichnet sich ein Neuanfang ab: Die frühere National- und Stadtberner Gemeinderätin Therese Frösch (Grünes Bündnis) soll neue Verwaltungsratspräsidentin werden. Das schrieb die Organisation gestern auf ihrer Website. Die Wahl ist für die Generalversammlung vom 13. Juni vorgesehen. «Ich habe die Berichte über die Krise in der Spitex Bern mit Betroffenheit gelesen», sagte Frösch. Als die Anfrage kam, sei der Entscheid eine Herzensangelegenheit gewesen: «Für mich war es keine Frage, dass ich mich in einer solchen Situation engagiere», schliesslich unterstütze die Spitex sehr viele Menschen im Wunsch, so lange wie möglich selbstbestimmt zu Hause zu leben.

Frösch erzählt, dass sie von einem Mitglied des Verwaltungsrats kontaktiert worden sei. «Ich habe mit dem Verwaltungsrat Gespräche geführt und ein Assessment absolviert.» Wird sie gewählt, übernimmt sie das Amt bereits Mitte Juni. Es bestehe Handlungsbedarf, sagt sie: «Bei vielen Angestellten macht sich Erschöpfung breit.» Es müssten nun schnell offene Stellen besetzt werden, auch auf Führungsebene, damit der Betrieb wieder optimal funktionieren könne.

Sechs neue Mitglieder

Vier von fünf Verwaltungsräten stellen sich nicht mehr zur Wahl. Das Gremium soll neu auf sieben Mitglieder aufgestockt werden. Catherine Gassers Amtszeit läuft noch bis 2020, neu gewählt werden sollen nebst Therese Frösch auch Sabine Hahn, Thomas Stauffer, Regula Unteregger, Nora Willi und Johanna Zawadynska. Damit stünde der Spitex Bern «ein optimal aufgestelltes Gremium» vor, schreibt der bisherige Verwaltungsrat in einem Dokument, das stillschweigend auf der Website aufgeschaltet und dort von der «Berner Zeitung» entdeckt wurde.

Der bisherige Verwaltungsrat empfiehlt die Nominierten zur Wahl. Diese Erneuerung sei nötig, sagt Frösch. Sie kenne noch nicht alle vorgeschlagenen Mitglieder persönlich, aber mit ihnen seien sehr viele Kompetenzen abgedeckt. «Wir werden uns gut ergänzen.» Frösch selbst ist unter anderem Präsidentin der Domicil Bern AG, einer Anbieterin von Wohnen und Pflege im Alter. Die beiden Ämter würden sich sehr gut ergänzen, ist sie überzeugt.

Turbulente Zeiten

Die Spitex Bern hat turbulente Zeiten hinter sich. Für Schlagzeilen sorgte im Winter zunächst die Freistellung von Daniel Piccolruaz, der eigentlich Geschäftsführer der Spitex Seeland ist. Er sollte die Spitex Bern im Mandatsverhältnis neu organisieren und kam zum Schluss, die Organisation habe eine aufgeblasene Verwaltung. Der Verwaltungsrat warf Piccolruaz umgekehrt vor, ein Komplott zur Destabilisierung der Spitex Bern organisiert zu haben. Etwas später gab Spitex-Bern Verwaltungsratspräsidentin Rahel Gmür ihre Demission per Anfang Juni bekannt.

Sie war wegen der Höhe ihres Lohns als Präsidentin und Angestellte kritisiert worden. Ihre Mehrfachfunktionen seien historisch gewachsen und für die künftige Besetzung des Präsidiums nicht vorgesehen, schreibt die Spitex. Nach ihren Honorarvorstellungen gefragt, antwortete Frösch gestern: «Für mich ist klar, dass sich das Honorar in einem vertretbaren Rahmen bewegen muss», bei vergleichbaren Organisationen betrage es circa 20 000 Franken pro Jahr.

Angesichts der Turbulenzen hatte sich im März der bernische Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg eingeschaltet und den Verwaltungsrat zum Rücktritt aufgefordert. Er und seine Direktion hätten das Vertrauen in das Gremium verloren. Auf die Frage, ob die Gesundheitsdirektion (GEF) sich an der Suche nach möglichen Nachfolgern beteiligt habe, teilte GEF-Sprecher Gundekar Giebel mit, es sei nicht Aufgabe der GEF, Verwaltungsräte für Organisationen zu suchen, die mit der GEF einen Leistungsvertrag hätten. Wichtig sei, dass die Zusammenarbeit mit der Spitex Bern reibungslos funktioniere. Das Erbringen der Dienstleistungen an den Patienten müsse im Vordergrund stehen. Nach der Wahl der vorgeschlagenen neuen Verwaltungsratsmitglieder habe die Spitex Bern die anspruchsvolle Aufgabe, für eine Beruhigung innerhalb und ausserhalb der Organisation zu sorgen. (bw/sda)

Erstellt: 22.05.2018, 16:27 Uhr

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