Neue Kräfte für einen vielfältigen Kanton Bern

Absage an die Machtgelüste der SVP: Eine Regierung mit vier Bürgerlichen passt besser zu diesem Kanton als eine mit deren fünf.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit Philippe Perrenoud verlässt einer der umstrittensten Magistraten des bernischen Regierungsrats die politische Bühne. Kein Politiker ist in den letzten zehn Jahren derart gescholten worden wie er. Dem Sozialdemokraten wurden Pleiten und Pannen des Spitalabbaus angelastet, für die er alleine nie verantwortlich war. Der bernjurassische Quereinsteiger, einst auf einen Schlag vom Psychiater im abgelegenen Bellelay zum Gesundheitsdirektor des zweitgrössten Schweizer Kantons mutiert, war aber politisch und taktisch zu wenig beschlagen.

Nach Perrenouds und Andreas Rickenbachers Abgang geraten Berns Kantonalparteien in eine verzwickte Lage. Erstens vermehrt der garantierte Regierungssitz für den Berner Jura die parteitaktischen Planspiele. Zweitens zwingt die Doppelvakanz die Taktiker beider Lager, vertieft über die Machtteilung nachzudenken. Denn Rotgrün war gemessen am Wähleranteil mit vier Sitzen zehn Jahre lang übervertreten. Der mehrheitlich bürgerliche Kanton Bern kann bei der Ersatzwahl vom Februar 2016 die Mehrheit kippen. Wollen die Bürgerlichen dies, müssen sie zusammenspannen. Und drittens: Für den Kanton und seine komplexen Herausforderungen, gerade im Spital- und Gesundheitsbereich, braucht es das geeignete Personal. Die Parteien sind gefordert, für diese zentralen Chefposten auf gewiefte Leute mit Erfahrung zu setzen.

Gefährliche Machtspiele der SVP

Die SVP, bisher als stärkste Partei mit ihrem einzigen Sitz marginalisiert, ist nun aber bereits versucht, sich in Machtspielen zu verlieren. Sie denkt statt an nur vier bürgerliche Sitze bereits an deren fünf. Den Linken zwei Sitze abzuknöpfen, zeugte allerdings von jener Machtarroganz, die 2006 die historische linke Wende überhaupt ermöglicht hatte. Eine Regierung mit vier bürgerlichen und drei linken Vertretern passt hingegen besser zu diesem vielfältigen Kanton mit seinem frankophonen, vom Jura Konflikt geprägten Berner Jura, dem konservativen, touristisch ausgerichteten Oberland oder seinen von Zentrumslasten geplagten linksgrünen Städten. (Der Bund)

Erstellt: 08.09.2015, 20:09 Uhr

Bildstrecke

Perrenouds Politkarriere

Perrenouds Politkarriere Regierungsrat Philippe Perrenoud verkündigt am 8. September seinen Rücktritt. Damit beendet er beinahe 20-jährige Politkarriere.

Artikel zum Thema

«Ich bereue nichts»

Interview Der bernische Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud hat genug davon, dass seine Politik in den bernischen Politmühlen zerrieben wird. Mehr...

Bürgerliche sind heiss auf die SP-Sitze

Nach dem Rücktritt von Perrenoud und Rickenbacher rechnen sich die bürgerlichen Parteien Chancen für die Regierungswende aus. Mehr...

«Ich gehe davon aus, dass Barbara Egger die Legislatur beendet»

Interview Schon wieder tritt ein SP-Regierungsrat zurück: Ursula Marti, Präsidentin der Berner SP, äussert sich über die Zukunft der Partei nach Philippe Perrenouds Aus. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von DerBund.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Werbung

Immobilien

Kommentare

Die Welt in Bildern

Hi Fisch! Vor Hawaii lebt dieser Haifisch Namens Deep Blue. Wer mutig ist und lange die Luft anhalten kann, darf ihn unter Wasser streicheln (15. Januar 2019).
(Bild: JuanSharks) Mehr...