Nein-Komitee kämpft gegen «Luxusstrasse im Oberaargau»

Die geplante Umfahrungsstrasse Aarwangen sei zu teuer, bringe zuwenig Nutzen und vernichte Kulturland: Dies findet das Nein-Komitee, das die Abstimmungsvorlage vom 21. Mai bekämpft.

Für die Umfahrung von Aarwangen müsste auch eine neue Brücke über die Aare gebaut werden. Sie wäre insgesamt fast 500 Meter lang.

Für die Umfahrung von Aarwangen müsste auch eine neue Brücke über die Aare gebaut werden. Sie wäre insgesamt fast 500 Meter lang. Bild: zvg (Fotomontage)

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Dass es im verkehrsgeplagten Aarwangen Verbesserungen braucht, bestreitet das Komitee aus grünen und linken Parteien sowie Umweltverbänden nicht. Doch es brauche sinnvollere Lösungen als eine 150 Millionen Franken teure Umfahrung im Grünen. Mit einer Umgestaltung des bestehenden Strassenraums könnte weit mehr erreicht werden, und dies zu wesentlich geringeren Kosten, betonten Vertreter des Komitees aus grünen und linken Parteien sowie Umweltverbänden am Mittwoch vor den Medien.

«Wer Strassen sät, wird Verkehr ernten»

Das Komitee sieht in der Umfahrung eine Abkehr des Kantons von seinem Grundsatz, Verkehr möglichst menschen- und umweltverträglich zu lenken. Stattdessen setze der Kanton auf einen Kapazitätsausbau. «Die Umfahrungsstrasse ist ein Rückschritt zu der bis in die 80-er Jahre praktizierten nachfrageorientierten Verkehrspolitik», sagte Jan Remund, Co-Präsident der Grünen Kanton Bern. Unter dem Strich werde Aarwangen nicht wesentlich vom Verkehr entlastet, denn die Ortsdurchfahrt bleibe auch nach dem Bau der Umfahrung für den motorisierten Verkehr attraktiv. Zusätzlich müssten Nachbargemeinden wie Langenthal, Bützberg oder Thunstetten aber unter Mehrverkehr leiden.

«Finanzpolitisch nicht vertretbar»

Das Komitee kritisiert die Umfahrungsstrasse daher als «Mogelpackung». Unter dem Titel «Verkehrssanierung Aarwangen» wolle der Kanton den seit Jahrzehnten diskutierten Autobahnzubriger Oberaargau realisieren.

Das Strassenprojekt würde rund 150 Millionen Franken kosten - eine «finanzpolitische Geisterfahrt», wie das Komitee findet. Finanziert werden soll das Projekt durch einen Zustupf aus der Bundeskasse und den kantonalen Investitionsfonds. Das Komitee hegt Zweifel, dass die Finanzierung gesichert ist. Ausserdem stehe der Kanton Bern erneut vor finanzpolitisch harten Zeiten. «Es ist unverantwortlich, bei einem bevorstehenden Abbau öffentlicher Leistungen von 300 Millionen in eine Luxusstrasse zu investieren», spielte GLP-Grossrat Thomas Brönnimann auf eine neuerliche Spardebatte im Berner Kantonsparlament im kommenden Herbst an.

Das Volk hat das letzte Wort

Die Stimmberechtigten im Kanton Bern entscheiden am 21. Mai über einen Projektierungskredit von 6,6 Millionen Franken für den Bau einer 3,6 Kilometer langen Umfahrungsstrasse im Raum Aarwangen.

Der Grosse Rat stimmte dem Kredit im vergangenen September zu. Ein Referendumskomitee unter der Führung des VCS sammelte daraufhin die nötigen Unterschriften, um das Vorhaben vors Volk zu bringen. Die Befürworter der Umfahrung von Aarwangen, darunter vorab bürgerliche Parteien und Wirtschaftsverbände, sind der Ansicht, die Umfahrungslösung bringe der Region mehr Lebensqualität und Sicherheit. (SDA)

Erstellt: 06.04.2017, 14:34 Uhr

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