Naturschützer wegen Campingplatz-Entscheid entzürnt

Der Campingplatz im Naturschutzgebiet Fanel am Neuenburgersee darf weitere 35 Jahre lang genutzt werden.

Der TCS darf seinen Campingplatz im Naturschutzgebiet Fanel am Neuenburgersee weitere 35 Jahre lang nutzen.

Der TCS darf seinen Campingplatz im Naturschutzgebiet Fanel am Neuenburgersee weitere 35 Jahre lang nutzen.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Der Kanton Bern erlaubt dem Touring Club Schweiz (TCS), seinen Campingplatz im Naturschutzgebiet Fanel am Neuenburgersee weitere 35 Jahre lang zu nutzen. Das erzürnt vier Naturschutzorganisationen. Sie werfen der Kantonsregierung Trickserei vor.

Die Berner Kantonsregierung schreibt nämlich in einer Medienmitteilung vom Freitag, bei ihrem Entscheid handle sie wie ein privater Grundeigentümer und nehme keine hoheitlichen Aufgaben wahr. Die Grundstücke im Besitz des Kanton Bern auf Gebiet der Gemeinde Gampelen gehörten zum Finanz- und nicht zum Verwaltungsvermögen des Kantons Bern.

Grundstücke oder Liegenschaften im Verwaltungsvermögen einer Körperschaft dienen gemäss gängigen Definitionen der öffentlichen Aufgabenerfüllung, beispielsweise als Schulhaus oder Altersheim. Dem Finanzvermögen einer Gemeinde oder eines Kantons sind hingegen Grundstücke oder Liegenschaften zugeordnet, die von den Behörden nach kaufmännischen Grundsätzen verwaltet werden.

Dazu schreiben die Naturschutzorganisationen in einer eigenen Medienmitteilung, mit einer solchen Argumentation könnten in der Schweiz alle Schutzbestimmungen ausgehebelt werden. Es würde genügen, Grundstücke statt dem Verwaltungsvermögen dem Finanzvermögen zu unterstellen. Die Rechtsauffassung des Kantons Bern sei ihrer Einschätzung nach «nicht statthaft».

Bei den Naturschutzorganisationen handelt es sich um Pro Natura Bern, den WWF Bern, BirdLife Schweiz und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz.

Sie schreiben weiter, der TCS-Campingplatz am Ostufer des Neuenburgersees liege in einem kantonalen Schutzgebiet, einem Flachmoor sowie einem Auengebiet von nationaler Bedeutung, einem sogenannten Ramsar-Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung und gehöre weiteren Schutzgebieten an. «Kein anderes Areal der Schweiz geniesst einen derart hohen Schutzstatus.»

TCS muss Natur schützen

Der TCS-Campingplatz bei Gampelen besteht seit 1955. Die Nutzungsverträge zwischen TCS und Kanton Bern wurden letztmals im Dezember 2003 angepasst und bis Ende 2018 befristet. Grund dafür war die Forderung von Umweltverbänden, der Platz müsse geschlossen werden, weil er sich in einem Schutzgebiet von nationaler Bedeutung befinde.

Der Kanton vereinbarte damals nach eigenen Angaben mit der Standortgemeinde und dem TCS, dass Alternativstandorte gesucht würden. Die Suche sei aber erfolglos geblieben, schreibt der Berner Regierungsrat. Deshalb seien Verhandlungen über eine weitere Verlängerung der Nutzungsverträge aufgenommen worden.

Der Regierungsrat hat nun beschlossen, den Baurechtsvertrag und die Mietverträge um 35 Jahre zu verlängern. Dies unter der Bedingung, dass der TCS zusätzlich pro Jahr rund 30'000 Franken für Unterhalt und Aufwertung des Naturschutzgebiets Fanel zahlt. Den Bootshafen beim Campingplatz muss der Club spätestens 2028 aufgeben.

Gampeler Gemeindepräsident zufrieden

Die vier Naturschutzorganisationen schreiben in ihrer Mitteilung, dem TCS sei am Zihlkanal ein Alternativ-Gelände «offenbar in einer rechtmässigen Zone sogar angeboten» worden. Dem widersprach auf Anfrage am Freitag der Gemeindepräsident von Gampelen, Peter Dietrich.

Er sagt, dieses Gelände am Zihlkanal gehöre einer Privatperson, welche das Areal nicht habe hergeben wollen. Die Suche nach Alternativen sei tatsächlich erfolglos geblieben.

Für Dietrich ist der Entscheid der Kantonsregierung «gut für die Gemeinde Gampelen, für die Region, für die Menschen und für die Natur». Mit seinen mehr als 100'000 Übernachtungen pro Jahr sei der Campingplatz ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Region.

Wer ihn benütze, suche das Naturerlebnis in der Nähe und fliege nicht weit weg in die Ferien.

Umweltorganisationen fordern Prüfung

Die vier Umweltorganisationen gehen davon aus, dass sie gegen den Beschluss der Berner Kantonsregierung kein Rechtsmittel zur Verfügung haben. Das sagt Verena Wagner, Präsidentin Pro Natura Bern, auf Anfrage. Sie fordern deshalb in der Mitteilung, der Beschluss müsse auf seine Vereinbarkeit mit dem übergeordneten Bundesumweltrecht überprüft werden.

msl/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...