«Nächstes Jahr wird ein Frauenjahr»

Nationalrätin Regula Rytz (Grüne) möchte mit ihrer Kandidatur für den Ständerat dazu beitragen, den Frauenanteil im Stöckli zu erhöhen.

Regula Rytz (Grüne) will den Wählern im rot-grünen Lager «eine Auswahl bieten».

Regula Rytz (Grüne) will den Wählern im rot-grünen Lager «eine Auswahl bieten».

(Bild: Keystone)

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Frau Rytz, Sie haben bei der Präsentation Ihrer Kandidatur für den Berner Ständerat gar nicht die Frauenkarte gespielt. Warum?
Es ist allen klar, dass nächstes Jahr ein Frauenjahr sein wird. Am 14. Juni gibt es einen Frauenstreik. Es geht darum, die Vertretung der Frauen in Wirtschaft und Politik zu stärken. Die Grünen haben mehr Frauen als Männer in den Exekutivfunktionen und sind in dieser Hinsicht Avantgarde. Nun ist es an der Zeit, den sehr sehr mageren Frauenanteil im Ständerat zu verbessern.

Die Grünen riskieren durch den Rücktritt Bisheriger im Ständerat gar nicht mehr vertreten zu sein. Ist das auch ein Grund für Ihre Kandidatur?
Als fünftstärkste Partei wollen wir weiterhin im Ständerat vertreten sein. Im Kanton Genf wollen wir mit Lisa Mazzone den Sitz von Robert Cramer verteidigen. Im Baselland steht Maya Graf in den Startlöchern. Das sind Kandidaturen mit realistischen Wahlchancen.

Streben Sie mindestens einen grünen Ständeratsitz an oder mindestens zwei?
Am Schluss entscheiden die Wählerinnen und Wähler. Wir gehen aber davon aus, dass die Grünen wie in den letzten Jahren gestärkt werden als Partei des Klimaschutzes und der Transformation ins postfossile Zeitalter geht. Es ist aber auch kein Zufall, dass wir in vielen Ländern und Kantonen als Bollwerk gegen den Rechtspopulismus gewählt werden.

Der Kanton Bern ist ein bürgerlicher Kanton. Was macht Sie zuversichtlich, dass Rot-Grün einen Sitz wird halten können?
Der linke Sitz im Ständerat ist mittlerweile zu einer Tradition geworden im Kanton Bern. In den letzten Monaten wurde das rot-grüne Lager in kommunalen und kantonalen Wahlen gestärkt. Das wird auch bei den nationalen Wahlen 2019 so sein.

Faktisch wird es auf eine Konkurrenz zwischen Ihnen und Hans Stöckli hinauslaufen.
Im rot-grünen Lager ist es seit jeher so, dass bisherige Ständeräte nicht einfach bestätigt werden, sondern auch innerhalb des eigenen Lagers herausgefordert werden. Es wird ein sehr freundschaftlicher Wettkampf mit Hans Stöckli, auf den ich mich sehr freue. Wir werden viel Schwung in den Wahlkampf bringen.

Es dürfte aber schwierig werden, einen Bisherigen zu verdrängen.
Die Wähler werden entscheiden. Das Ziel meiner Kandidatur ist es, im rot-grünen Lager und darüber hinaus eine Auswahl zu bieten. Die Entscheidung wird im zweiten Wahlgang fallen. Rot-Grün wird sich wie bisher hinter diejenige Kandidatur stellen, die im ersten Wahlgang mehr Stimmen auf sich vereinigen konnte.

Stöckli hat mit seinem Olympia-Engagement viele ökologisch gesinnte Wähler brüskiert. Ist das Ihre Chance?
Die Leute wissen, für welche Politik ich einstehe und was ich kann.

Sie haben gesagt, die «gilets jaunes» sollten eigentlich zu «gilets verts» werden. Aber der Konflikt in Frankreich ist ja ein Paradebeispiel dafür, dass ökologische Forderungen mit sozialen Anliegen kollidieren.
Genau. Aus Frankreich können wir auch lernen, dass eine rein grüne Politik nicht erfolgreich sein kann. Die Proteste sind erst dann abgeflaut, als Präsident Emmanuel Macron eine Erhöhung des Mindestlohns angekündigt hatte. Wenn wir in der Schweiz den Klimawandel durch ein neues CO2-Gesetz bekämpfen wollen, müssen wir das mit einer sozialen Steuer- und Lohnpolitik verknüpfen. Es geht auch um Gerechtigkeit.

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