Flughafen Belp streicht Stellen

Nach dem Konkurs von Skywork baut der Flughafen 10 Stellen ab, sistiert die Ausbauprojekte – und stellt öffentlich die Frage nach Subventionen.

Das Grounding der Fluggesellschaft Skywork bringt den Flughafen Bern-Belp in Schwierigkeiten.

Das Grounding der Fluggesellschaft Skywork bringt den Flughafen Bern-Belp in Schwierigkeiten. Bild: Franziska Rothenbühler

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Drei Wochen nach dem Grounding der Berner Airline Skywork zieht der Flughafen Bern die Notbremse. Skywork schuldet dem Flughafen einen einstelligen Millionenbetrag – und durch den Wegfall der Linienflüge fehlen auch künftige Einnahmen. Deshalb baut die Flughafen Bern AG nun 10 Stellen ab, die Hälfte davon durch Entlassungen. Dies teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Weiter führt der Flughafen in einigen Bereichen Kurzarbeit ein.

Und er legt alle Investitionsprojekte auf Eis. Auch die geplante vierte Ausbauetappe, für die der bernische Grosse Rat bereits einen Kredit von 2 Millionen Franken gesprochen hat. Man sei vom Skywork-Konkurs «ebenso überrascht wie alle anderen Vertragspartner», schreibt der Flughafen. Aufgrund der Kontakte mit der Skywork-Spitze habe man davon ausgehen dürfen, «dass keine akute Grounding-Gefahr drohte».

In den roten Zahlen

Die nun getroffenen Massnahmen stellten sicher, dass der Flughafen über genügend Liquidität verfüge, sagt Verwaltungsratspräsident Beat Brechbühl. Das heisse jedoch nicht, dass der Flughafen so nun schwarze Zahlen schreibe. Sprich: Entweder muss mittelfristig weiter gespart werden – und es muss wieder Linienflüge ab Bern geben. Brechbühl sieht grundsätzlich Potenzial für mindestens einen festen ganzjährigen Linienflug ab Bern, als realistischste Destinationen nennt er München und Wien.

Im Vordergrund steht für Brechbühl nicht eine «Berner Lösung», also eine neue Mini-Fluggesellschaft ab Bern, sondern eine ausländische Airline, die Bern-Belp anfliegen würde. «Allerdings ist es nicht am Flughafen, dies zu entscheiden – wir sind öffentlich konzessioniert und für alle offen.» Dass die Swiss oder Billigfluggesellschaften wie Easyjet oder Ryanair nach Bern fliegen würden, ist laut Brechbühl «völlig unrealistisch». Der Flughafen stehe jedoch mit verschiedenen europäischen Regionalfluggesellschaften in Kontakt.

«Flüge von Easyjet oder Ryanair nach Bern sind völlig unrealistisch»
Beat Brechbühl, Präsident Flughafen Bern

Der Flughafen gibt sich bis Ende Dezember Zeit, eine neue Verbindung nach Bern zu holen. Doch auch wenn dies gelänge, wären die Finanzen wohl noch nicht im Lot. So überrascht der Flughafen mit einer ziemlich direkt formulierten Forderung nach staatlichen Subventionen. So schreibt das Unternehmen: Falls allfällige neue Linienflüge ab Bern nicht rentabel wären, könne der Flughafen nicht noch mehr Geld einwerfen. «Das könnte einzig die öffentliche Hand, wenn sie aus Standortüberlegungen und volkswirtschaftlichem Interesse eine Linie bestellen und das Defizit abgelten würde.»

Dies sei «nicht so abwegig», schreibt der Flughafen weiter – es geschehe «im benachbarten Ausland häufig; im Inland auch schon zu Wasser und zur Schiene und offenbar neu auch am Flughafen Lugano, welcher der Stadt Lugano gehört». Flughafen-Präsident Beat Brechbühl sagt dem «Bund», er wolle damit «eine Debatte lancieren über einen Kantonsbeitrag». Gibt es für ganzjährige Linienflüge von und nach Bern denn keine Zukunft ohne Subventionen? «Ich sehe es als schwierig an», antwortet Brechbühl. Die Airlines wollten heute kaum mehr Risiken eingehen. Mit einer Defizitgarantie in Form eines «Risk-Sharing-Modells» könnte der Kanton Bern eine oder zwei Flugverbindungen sicherstellen, so der Flughafen-Präsident.

Wie schätzt der gut vernetzte Berner Wirtschaftsanwalt Brechbühl die Chancen auf eine solche Subvention ein? Die Kantonsfinanzen seien knapp, räumt er ein. Doch der Flughafen ab Bern bringe dem Kanton Bern eine Wertschöpfung von jährlich insgesamt 180 Millionen Franken, viele Zulieferer wären von einem definitiven Aus der zivilen Luftfahrt betroffen. «Lautet die Antwort Nein, dann richten wir uns danach; man muss sich aber bewusst sein, was die Konsequenzen sind.»

Der Flughafen müsste sich umpositionieren, so Brechbühl. Das heisst: Der Flughafen würde sich beschränken auf Charterflüge, Business- und Privatflieger, Bundesrats- und Diplomatenjets, Rega-Helikopter und Flugschulen. Das hätte weitere Sparmassnahmen beim Flughafen zur Folge – oder wiederum die Forderung nach kantonalen Subventionen.

(Der Bund)

Erstellt: 20.09.2018, 16:58 Uhr

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