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Müller haut zu Recht nicht auf die Pauke

Der Entscheid, dem Thorberg-Direktor eine zweite Chance zu geben, ist richtig. Ein Wechsel würde grössere Risiken in sich bergen.

Thorberg-Direktor Thomas Egger erhält von Polizeidirektor Philippe Müller einen Aufpasser verpasst.
Thorberg-Direktor Thomas Egger erhält von Polizeidirektor Philippe Müller einen Aufpasser verpasst.
Adrian Moser (Archiv)

Die Strafanstalt Thorberg, die wie eine Trutzburg über dem Dorf Krauchthal hockt, war in den letzten Jahren oft in den Schlagzeilen. Nicht zu Unrecht: Ein Gefängnis ist nicht irgendeine Verwaltungseinheit. Der Thorberg sowieso nicht: Wer dort zwischen Mördern und Schwerverbrechern arbeitet, erledigt einen Ausnahmejob und bewegt sich in einem höchst delikaten Bereich. Wenn dann noch das Arbeitsklima belastet ist, bleibt das nicht ohne Einfluss auf die Häftlinge. Und das bedeutet letztlich ein Sicherheitsrisiko.

Seit 2015, als der Vorgänger des jetzigen Gefängnisdirektors entlassen wurde, ist der Thorberg nicht zur Ruhe gekommen. Der neue Direktor Thomas Egger vermochte die in ihn gesetzten Erwartungen bisher nicht zu erfüllen. Ihm gelang es nicht, eine Reorganisation durchzusetzen, die unter anderem ein neues Schichtmodell beinhaltet, und gleichzeitig einen guten Draht zur Belegschaft zu entwickeln. Im Grunde genommen ist das Ergebnis der Mitarbeiterbefragung für ihn desaströs. Hätte Philippe Müller, seit Juni als Regierungsrat im Amt, den Thorberg-Direktor in trumpscher Manier gefeuert, hätte diesen Entscheid wohl kaum jemand infrage gestellt.

Der Polizeidirektor aber hat bei diesem Geschäft klargemacht, dass er die wenig spektakuläre Lösung dem Paukenschlag vorzieht. Vermutlich ist das auch besser so: Gerade in einem Gefängnis und so kurze Zeit nach einer Reorganisation dürfte es weniger riskant sein, einer Führungscrew eine zweite Chance zu geben, als diese auszutauschen.

Und es ist ja auch nicht so, dass bei dieser Lösung die Chefetage unangetastet bleibt, während allein das Personal Veränderungen zu akzeptieren hat. Müller fordert von beiden Seiten Entgegenkommen. Den Thorberg-Mitarbeitenden gibt er zu verstehen, dass er hinter der Reorganisation steht und Partikularinteressen der Vergangenheit angehören. Aber auch den Direktor schont er nicht: Für Egger dürfte es in der Tat nicht besonders angenehm sein, vor den Augen der Öffentlichkeit von einem Coach an der Hand genommen zu werden.

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