«Moutier wird noch Jahrzehnte lang tief gespalten sein»

Patrick Tobler, Präsident der probernischen SVP und Kandidat fürs Stadtpräsidium, spricht im Interview über den tiefen Graben in Moutier.

Patrick Tobler (SVP, links) feierte den Moutier-Entscheid im «Hôtel du cheval blanc».

Patrick Tobler (SVP, links) feierte den Moutier-Entscheid im «Hôtel du cheval blanc».

(Bild: Keystone Laurent Gillieron)

Noah Fend@noahfend

Patrick Tobler, waren Sie heute Morgen überrascht vom Entscheid der Regierungsstatthalterin?
Ein wenig schon. Ja, es ist ja doch ein wichtiger und Entscheid, den sie zu fällen hatte. Man spürte aber schon die ganze Zeit seit der Abstimmung, dass da etwas nicht stimmen konnte. Dass das Urteil nun so ausfällt, überrascht mich also nicht. Was mich aber überrascht, ist, dass genügend Elemente gefunden worden sind, um sechs der sieben eingegangenen Beschwerden gutzuheissen.

Projurassier rund um Pierre-André Comte sprechen von einer «Schande für die Demokratie». Können Sie das verstehen?
Nein, im Gegenteil. Die Schweizer Demokratie hat damit eben gerade gezeigt, dass sie funktioniert. Ich habe grossen Respekt vor der Justiz, die hier eine wichtige Sache auf den Punkt gebracht hat.

Wie glauben Sie, wird Moutier auf diesen Entscheid reagieren?
Ich weiss aus eigener Erfahrung: Der Tag mit diesem Entscheid ist sehr hart und schmerzvoll für die Projurassier. Nach dem 18. Juni 2017 ging es mir selbst so, deshalb weiss ich, wovon ich spreche. Ich hoffe aber, sie zeigen den nötigen Respekt gegenüber dem Entscheid und auch gegenüber uns, sodass es keine Ausschreitungen gibt. Alle Chaoten kann man nicht kontrollieren, aber ich glaube nicht, dass es zu grösseren Auseinandersetzungen kommt.

Was bedeutet der heutige Tag für die mittelfristige Zukunft der Kleinstadt?
Seit der Abstimmung letztes Jahr herrscht hier wieder zunehmend schlechtes Klima. Schlechter als vor der Abstimmung. Die Abstimmung hat den Graben in der Bevöllkerung Moutiers erneut aufgerissen. Es wird nun mindestens einen Generationenwechsel brauchen, um diese wieder zu überwinden. Bis dahin wird Moutier wohl noch Jahrzehnte lang tief gespalten bleiben.

Was werden Sie heute noch tun?
Ich gehe jetzt arbeiten. Ich glaube, das ist das Beste.

DerBund.ch/Newsnet

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