«Moutier wird jurassisch sein»

Pierre-André Comte, Generalsekretär des Mouvement autonomiste jurassien (MAJ), spricht im Interview über die Schmach und die Schande nach der Annullierung der Moutier-Abstimmung.

Pierre-André Comte vom Mouvement autonomiste jurassien ist konsterniert.

Pierre-André Comte vom Mouvement autonomiste jurassien ist konsterniert.

(Bild: Keystone Laurent Gillieron)

Noah Fend@noahfend

Pierre-André Comte, waren Sie vom Entscheid heute Morgen überrascht?
Nein, das ist keine Überraschung, weil wir es mit dem Kanton Bern zu tun haben, der bereit ist, dem Kanton Jura jeglichen Schmach anzutun. Es geht hier um eine Entscheidung, die rein politisch und nicht juristisch gefällt wurde. Auch im Dossier des Regierungstatthalteramtes, das 88 Seiten umfasst, wird klar: Die Sache war von Anfang an geritzt und von oben «bestellt». Man hat die Regierungsstatthalterin gebeten, einen negativen Entscheid zu fällen und das hat sie getan.

Wer ist «man» in dieser Sache?
Die Berner Regierung und die Eidgenossenschaft. Beide zusammen wollten den Kantonswechsel Moutiers abwenden. Wir Jurassier sind einmal mehr alleine gegenüber einer breiten Front geeinter Berner: Frau Sommaruga ist Bernerin, Frau Niederhauser ist Bernerin, und ihre Wähler sind es auch. Es ist also kaum eine Überraschung, dass Frau Niederhäuser nun einen probernischen Entscheid fällt.

Sie können also keinen einzigen der Zweifel an der Regularität der Abstimmung nachvollziehen.
Die Abstimmung war absolut regulär, bestens überwacht – auch vom Bund. Es gibt keinen nachvollziehbaren juristischen Grund für diesen Entscheid. Der Vorwand, diese Abstimmung zu annullieren, ist völlig sinnlos. Man wirft Stadtpräsident Marcel Winistoerfer vor, unangemessene Propaganda zu betreiben. Vertreter des Kantons Bern waren aber mehrfach hier in Moutier, um für die Abstimmung Werbung zu machen und die Abstimmung zu beeinflussen. Dass nun unter dem Vorwand, Propaganda gemacht zu haben, die Abstimmung annulliert wird, ist absolut skandalös.

Ist für Sie an den Vorwürfen an Herrn Winistoerfer nichts dran?
Er hat lediglich seinen Job als Stadtpräsident gemacht und die Bernischen Lügen widerlegt. Das Regierungsstatthalteramt hat nun 16 Monate gebraucht für einen Entscheid, bei dem eigentlich schon vor 16 Monaten klar war, wie er ausfällt.

Wie werden Sie nun weiterfahren?
Wir werden nie akzeptieren, dass uns der Volksentscheid vom 18. Juni 2017 von den Berner Behörden gestohlen wird. Nie. Moutier wird jurassisch sein. Das wird Zeit brauchen, aber es wird jurassisch sein.

Welche Rolle soll denn nun die Eidgenossenschaft spielen in der Jura-Frage in Moutier?
Von der Eidgenossenschaft erwarten wir gar nichts mehr. Sie hat in unserer gesamten Geschichte gezeigt, wie miserabel sie im Umgang mit jurassischen Anliegen umgeht. Sie haben stets mit sehr viel Genugtuung festgestellt, wie die Berner Behörden gegen uns agiert haben. Die Eidgenossenschaft war schon immer gegen uns. Von Frau Sommaruga haben wir nun nichts Anderes erwartet.

Wie denken Sie, wird Moutier heute auf diesen Entscheid reagieren?
Moutier wird schlecht reagieren. Wie sich das heute genau zeigen wird, weiss ich nicht. Wir haben nochmals kommuniziert, dass wir ausdrücklich nicht zur Gewalt oder zu irgendwelchen Racheakten aufrufen. Aber die Leute hier in Moutier sind verärgert. Man hat ihnen ja trotzdem einen Sieg weggenommen. Das ist eine Schmach und eine Schande.

DerBund.ch/Newsnet

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