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Mitholz: Armee hat während Jahren geschlafen

Die grosse Explosionsgefahr beim Munitionslager Mitholz im Berner Oberland hätten die Behörden schon in den 1990er-Jahren erkennen können.

Der Eingang zum Munitionslager in Mitholz.
Der Eingang zum Munitionslager in Mitholz.
Keystone

Jetzt zeigt sich, wie leichtsinnig das Verteidigungsdepartement (VBS) mit der Explosionsgefahr im Munitionslager Mitholz im Berner Oberland umgegangen ist. 1947 gab es dort eine Explosion mit neun Toten, danach wurde das Risiko einer weiteren Explosion während Jahrzehnten unterschätzt. Erst vor kurzem zeigte eine vom VBS eingesetzte Expertengruppe, dass die Gefahr alles andere als gering ist.

Nun bekommt der Fall zusätzliche Brisanz: Die VBS-Verantwortlichen hätten schon vor 20 Jahren zu dieser Erkenntnis gelangen können, wie Peter Nussbaumer, Mitglied der Expertengruppe, bestätigt. «Wenn die Armee nach 1991 die Situation in Mitholz umfassend neu analysiert hätte, wäre sie wahrscheinlich schon damals zum Schluss gekommen, dass die Gefahr einer Explosion viel grösser ist», sagt Nussbaumer. Die massgebenden Grenzwerte seien bereits damals gültig gewesen. Die Regelwerke wurden Anfang der 1990er-Jahre in Kraft gesetzt.

Kurz darauf gab es sogar einen Anlass, der eine Risikoanalyse gerechtfertigt hätte. Zwischen 1994 und 1996 wurde rund 600 Meter vom Munitionslager entfernt ein Stollen zum Lötschberg-Basistunnel gebaut, der heute als Zugangs- und Evakuierungsweg dient.

Obwohl es beim Bau zu Sprengungen kam, gab es zwischen dem VBS und den Tunnelbauern keine Gespräche, wie Peter Teuscher, ehemaliger CEO der BLS Alptransit AG, bestätigt. «Das VBS hätte uns auf die Gefahr beim Munitionslager hinweisen müssen. Wenn wir diese gekannt hätten, hätten wir mit Bestimmtheit seriöse Abklärungen durchgeführt», sagt Teuscher.

Nationalrat Grossen: VBS agierte «unverantwortlich»

Heute leben in der Gefahrenzone 150 Menschen, zudem führen Strasse und Bahnlinie nach Kandersteg dort durch. Nationalrat und GLP-Präsident Jürg Grossen aus dem nahen Frutigen übt denn auch scharfe Kritik. Für ihn ist es ein «grobes Vergehen», liess das VBS das Explosionsrisiko nicht früher abklären. «Das VBS hat über Jahre hinweg unverantwortlich agiert und die Bevölkerung unnötigerweise einer Gefahr ausgesetzt. Daher erwarte ich vom VBS eine Entschuldigung.»

Er ist überzeugt davon, dass es im VBS einen Personenkreis gegeben hat, dem die Risiken bekannt waren. «Es fand jedoch ein kollektives Wegschauen statt.» Grossen verlangt eine lückenlose Aufklärung, und die Schuldigen müssten zur Verantwortung gezogen werden. Unlängst regte er eine externe Untersuchungskommission an.

Das VBS teilt auf Anfrage mit, es sei bis 2017 davon ausgegangen, dass die Gefährdung gering sei. Dabei wird auf Expertenberichte aus den Jahren 1949 und 1986 verwiesen. «Es bestand keine Veranlassung, die Schlussfolgerungen der Experten anzuzweifeln», schreibt das Departement. Eine Arbeitsgruppe klärt momentan das weitere Vorgehen ab.

Derweil haben die Anwohner in Mitholz damit begonnen, sich zu organisieren. Für sie und die Gemeindebehörden gibt es nur eine Möglichkeit: Die verschütteten 3500 Tonnen Weltkriegsmuntion müssen weg.

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