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Mit dem Monstertruck zur neuen Männlichkeit

Die Burgdorfer «Männerzeitung» wird als «Ernst» neu lanciert. Die Herausgeber wollen sich von der Männerbewegung emanzipieren.

Harte Schale - Weicher Kern? Das Magazin will traditionelle Männlichkeitsnormen aufbrechen.
Harte Schale - Weicher Kern? Das Magazin will traditionelle Männlichkeitsnormen aufbrechen.
Narendra Shrestha, Keystone

Männer sind üble Geschöpfe. Sie stellen 96 Prozent der Gefängnisinsassen, meinen, immer alles besser zu wissen und sitzen im Tram stets so breitbeinig, dass der Platz neben ihnen häufig frei bleibt. Und sie haben krude Interessen wie Monstertrucks und Bodybuilding. Letzteren jedenfalls widmen sich zwei grosse Reportagen des neuen Hefts, das sich «Ernst – das Gesellschaftsmagazin für den Mann» nennt und am 17. März 2017 offiziell zum ersten Mal erscheint.

Wer sich nun aber wirklich nur für grosse Autos und grosse Muskeln interessiert, wird mit dem neuen Printprodukt nicht glücklich werden. Der porträtierte Polizist, der Monstertruck-Fahrten anbietet, will zwar manchmal «alles plattmachen», stellt sich aber als liebender Vater heraus – mit Papi-Tag und allem, was dazu gehört. Und der Bodybuilder (Oberarmumfang 49 Zentimeter) hat zwar nach eigenen Angaben schon zahlreiche Frauen beglückt, pflegt aber gleichzeitig seine Mutter, die sich gerade von einem Hirnschlag erholt. «Würde ich von zu Hause ausziehen, würde ich Mama mitnehmen», sagt der 27-Jährige.

Normen aufbrechen

Der Eindruck täuscht nicht. Die catchy Themen sind nur Vorwand. «Ernst» ist das Nachfolgemagazin der Burgdorfer «Männerzeitung», dem publizistischen Arm der Männerbewegung. «Das Ziel der ‹Männerzeitung› war stets, traditionelle Männlichkeitsnormen aufzubrechen und gleichzeitig sichtbar zu machen, dass die real existierenden Männer vielschichtige Wesen sind, die den vorherrschenden Stereotypen kaum je entsprechen», sagt Ivo Knill, langjähriger Chefredaktor der «Männerzeitung», auf Anfrage.

Wie die beiden erwähnten Porträts zeigen, hat sich an diesem Ziel wenig geändert. Trotzdem soll mit dem neuen Namen und dem neuen Layout auch eine Entwicklung konsequenter weitergeführt werden, die bereits unter dem alten Namen eingeläutet wurde. So wolle man sich von der Männerbewegung emanzipieren, wie Adrian Soller, «Ernst»-Chefredaktor und Nachfolger von Knill, sagt. «Wir nehmen zwar die Themen der Männerbewegung auf, sehen uns aber nicht mehr als Sprachrohr dieser.» Dazu gehöre etwa, dass künftig vermehrt Frauen im «Ernst» Texte publizieren werden.

Journalist folgt auf Akteur

Die Neuausrichtung wird etwa in der Personalrotation sichtbar: Knill ist langjähriger Akteur der Männerbewegung; er amtete als Vizepräsident von Männer.ch und bezeichnet sich als «Pionier», da er sich schon in den 1990er-Jahren hälftig an Erziehungs- und Hausarbeit beteiligte. «Die erste politische Handlung meines Lebens war, dass ich an der Appenzellischen Volksgemeinde mithalf, das Frauenstimmrecht einzuführen», sagt er. Soller hingegen ist ausgebildeter Journalist und hat weder Kinder aufzuziehen noch eine Scheidung zu verarbeiten. «Mein Zugang zur Thematik ist von journalistischer Natur.»

Völlig losgelöst von der Männerbewegung ist das Magazin allerdings auch unter neuer Führung nicht. Noch immer ist in der Mitgliedschaft von Männer.ch ein Abonnement inbegriffen. Zudem ist die Redaktion Teil des Initiativkomitees für den Vaterschaftsurlaub. Und letztlich bleibt wohl der Einsatz für progressivere Konzeptionen von Männlichkeiten Hauptbestandteil von «Ernst».

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