Mit dem E-Mobil zur Pilgerraststätte

Testesser Markus Dütschler war bei der freundlichen Wirtin mit dem "Suure Mocke".

Der Gasthof Brunnen liegt in der Dorfmitte von Fraubrunnen.

Der Gasthof Brunnen liegt in der Dorfmitte von Fraubrunnen. Bild: Markus Dütschler

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Die Wirtin hat alle Hände voll zu tun, als wir im Gasthof Brunnen in Fraubrunnen eintreffen: Die einen Gäste essen schon, die anderen sind erst im Anmarsch vom Bahnhof her, finden aber das Lokal nicht, weshalb sie von Brigitte Rufibach telefonisch gelotst werden. Der Futtermittel-Siloturm in der Dorfmitte ist zwar nicht schön, macht sich aber als weit herum sichtbarer Anhaltspunkt ganz nützlich.

Wer einem auswärtigen Gast einmal typisch bernische Kost in einem typisch bernischen Landgasthof bieten möchte, ist hier goldrichtig. «Suure Mocke und Härdöpfustock» ist einer der Hits. Der Wirt Alexander Rufibach ist für dieses Gericht so bekannt, dass er den Namen frühzeitig als Internetadresse für sein Etablissement reserviert hat. Die Website wirkt heute noch, als wäre sie in der Pionierzeit entstanden. So unterrichtet sie den Besucher, dass die Brunnenstube 2010 «frisch renoviert» worden sei. Für uns ist im rustikalen Säli ein runder Tisch österlich gedeckt. Auf einem Regal defilieren hübsche, aus alten Formen gegossene Osterhasen, wie man sie im Grossverteiler nie zu sehen bekommt.

Die beste Begleiterin von allen ist vom Gitzi aus dem Ofen angetan, dem Ziegenfleisch, das man meist nur zur Osterzeit erhält – und längst nicht überall. Die Tochter wagt sich an das Gericht «Suure Mocke», dessen Name Unkundige verschrecken kann. Die freundliche, umsichtige Wirtin erklärt in Bündner Dialekt, dass das Fleisch keineswegs sauer sei. In der Tat denkt man beim Genuss dieses Sauren Mockens nicht an Essig oder dergleichen, sondern eher an einen Brasato.

Als Vorspeise nimmt der Testesser das gebratene Bachforellenfilet auf Linsen. Die Tochter probiert die Bärlauchschaumsupppe «Frühligszyt» (Fr. 12.–) und bereut ihren Entdeckerdrang nicht. Die Begleiterin lobt den Märitsalat mit geräucherter Wildentenbrust (Fr. 22.–), zu dem sie einen Neuenburger Weissen («non filtré») trinkt, einen frischen Wein mit leichter Trübung. Man lernt nie aus. Das ganze Menü könnte man mit Weinbegleitung nehmen.

Da der Testesser zwar heute mit einem elektrisch betriebenen Auto unterwegs ist, das sich aber (noch) nicht selber lenkt, trinkt er zur Vorspeise lediglich ein Glas wunderbaren Chardonnay von Meister Wittwer aus Sion (Fr. 5.50/dl) und zum Hauptgang ein Glas Cornalin Barrique (Fr. 8.50/dl). Der im Eichenfass ausgebaute Tropfen hat sich seit 2004 wacker gehalten und passt gut zum jungen Ziegenfleisch.

Dessert? Die Karte lockt mit Blutorangengratin und Baumnusseis (Fr. 15.–), «Chriesi-Coupe Ladina» (Fr. 12.–) oder eben mit «Brönnti Crème mit Nidle u Meringueli» (Fr. 13.–). Die Damen sind völlig satt, doch die Begleiterin nascht bei der gebrannten Creme mit und findet sie «die beste, die ich je hatte». Dem kann sich der Testesser anschliessen. Wir verlassen das Lokal, in dem einst sogar Napoleon gespeist haben soll, höchst zufrieden. Anders als die Pilger, die hier rasteten – vis-à-vis befindet sich ein ehemaliges Kloster –, nehmen wir wieder das Auto. Den Wirt Alexander Rufibach haben wir nicht persönlich gesehen, aber immerhin lag in der Gaststube ein Gastroheft auf, auf dessen Titelblatt der Gourmet-Koch abgebildet ist – und das nicht zum ersten Mal. (Der Bund)

Erstellt: 31.03.2018, 10:54 Uhr

Infobox

Die Rechnung, bitte

Karte: Bernisch währschaft, aber raffiniert zubereitet, der «Suure Mocke» ist Kult. Derzeit ist die Osterspezialität Gitzi vorrätig. Weinkarte mit vielen Schweizer Spezialitäten, auch im Offenausschank.

Preise: Sonntagsmenü Fr. 75.– (3 Gänge),
Fr. 95.– (4 Gänge), gegen Aufpreis mit Weinbegleitung möglich. Das Restaurant wird vom Gastroführer «Gault Millau» seit vielen Jahren mit 14 Punkten bewertet.

Kundschaft: Dorfbewohner in der Gaststube, Freunde der bernischen Kulinarik, Familien.

Öffnungszeiten: Mi–Fr ab 8.30 Uhr; Sa ab 11.30 Uhr; So ab 10 Uhr; Mo/Di geschlossen.

Adresse: Gasthof zum Brunnen, Brigitte und Alexander Rufibach, Bernstrasse 6,
3312 Fraubrunnen; Telefon 031 767 72 16; Reservationen: info@suuremocke.ch

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