Mit dem eigenen Laptop zur Anwaltsprüfung

Prüfungen auf speziellen PC sind teuer. Doch es gibt auch billige Lösungen.

Die Prüfung auf dem eigenen Laptop schreiben verursacht nur wenig Kosten.

Die Prüfung auf dem eigenen Laptop schreiben verursacht nur wenig Kosten.

(Bild: Fabienne Andreoli)

Schreiben, bis einem die Hand abfällt. Dieses Prüfungsphänomen wird wohl früher oder später verschwinden. Denn schon heute werden viele Prüfungslösungen nicht mehr mit dem Kugelschreiber hingekritzelt, sondern auf der Tastatur eingetippt. So etwa bei der bernischen Anwaltsprüfung, die seit 2016 nur noch digital absolviert werden kann. Damit die Prüfungskandidaten aber nicht auf Wikipedia nachschauen oder per Whatsapp Lösungen austauschen, stellt ihnen der Kanton speziell eingerichtete und abgeschottete PC zur Verfügung.

Billig ist das nicht: Die Digitalisierung der Prüfung könnte in Bern zu einer Verdoppelung der Gebühren führen. Jus-Studierende und Anwaltskandidaten sind empört. Stiegen die Gebühren von heute 2000 auf künftig 4000 Franken, könnten sich nur noch Wohlhabende die Anwaltsprüfung leisten, lautet die Kritik.

USB-Stick statt spezielle PC

Dabei gäbe es schon heute eine viel billigere Lösung. Davon überzeugt ist jedenfalls Ronny Standtke von der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit der Universität Bern. Standtke hat einen speziellen USB-Stick entwickelt, der den Zugriff auf WLAN, Bluetooth und lokale Speichermedien unterbindet. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Schulen sparen sich den Ankauf, die Wartung oder die Miete von teuren Geräten. Zudem haben die meisten Schülerinnen und Schüler ohnehin einen eigenen Laptop.

Heute setzen viele Schweizer Gymnasien den von der Universität entwickelten USB-Stick auch für Proben oder Maturaprüfungen ein. «Damit lassen sich massiv Kosten sparen», sagt Standtke. Wichtig sei lediglich, dass man vorher einen Probelauf durchführe, um zu schauen, ob die mitgebrachten Laptops der Schüler funktionierten. Aber auch wenn für eine kleine Minderheit ein Ersatzgerät bereitgestellt werden muss, ist diese Lösung um ein Vielfaches günstiger, als externe Geräte zu mieten oder zu kaufen.

«Sehr zufriedenstellend»

Vor kurzem hat das Informatik-Institut auch einen Pilotversuch mit der juristischen Fakultät durchgeführt. Laut Standtke haben rund 30 Jus-Masterstudierende mit dem Prüfungsstick eine dreistündige Prüfung geschrieben. Der Versuch verlief – bis auf eine zu langsame Druckstation – «sehr zufriedenstellend», so Standtke. «Ich sehe eigentlich keinen Grund, warum unsere Lösung nicht auch für die Anwaltsprüfung geeignet wäre.»

Frédéric Kohler von der zuständigen Justizleitung bleibt allerdings noch skeptisch. Man habe für die jetzige Lösung im Jahr 2017 eine öffentliche Ausschreibung gemacht. Der jetzige Anbieter habe als Einziger alle Kriterien erfüllen können. Doch: «Die aktuelle Lösung wird sicher auch in Zukunft periodisch überprüft», sagt Kohler.

DerBund.ch/Newsnet

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