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Meyer Burger fällt – der Industriekanton nicht

Unter dem Strich ist der Entscheid von Meyer Burger für Bern und die Region Thun verkraftbar. Denn im Grossraum Thun betrug die Arbeitslosenrate vor Kurzem nur 1,2 Prozent.

Der Abbau von 90 Stellen ist für die Betroffenen und die Region ein herber Schlag.
Der Abbau von 90 Stellen ist für die Betroffenen und die Region ein herber Schlag.
Peter Schneider, Keystone

Vor wenigen Jahren wuchs Meyer Burger rasant vom KMU zum globalen Player und wurde mit knapp 600 Vollzeitstellen zu einem bedeutenden Arbeitgeber in der Region Thun. Nach den gestern angekündigten Sparmassnahmen werden es noch 50 bis 60 sein. Nur Monate, nachdem Meyer Burger im Sommer 2012 den neuen, 70 Millionen teuren Hauptsitz im Gwatt eingeweiht hatte, begann der Abstieg. Schritt für Schritt wurde das frühere Vorzeigeunternehmen zerlegt. Heute ist nicht mehr viel davon übrig. Ist es bald noch weniger? Die Vorgeschichte lässt dies befürchten.

Der jüngste Abbau von 90 Stellen ist für die Betroffenen und die Region ein Schlag. Dass Meyer Burger die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in China statt in Thun ausbaut, ist aber auch ein schlechtes Zeichen über das betroffene Unternehmen hinaus. Die Schweiz bewährt sich üblicherweise als Standort für hochqualifizierte Arbeiten wie die Forschung, nach dem Rezept: in der Schweiz entwickeln, im Ausland produzieren.

Für Meyer Burger gilt dies nur noch bedingt. Man müsse näher an die Kunden, hiess es gestern aus Thun – und die sitzen nun mal in China. Zudem müssen wir Berner erkennen: Auch in Asien werden qualifizierte Ingenieure ausgebildet. Losgelöst von Meyer Burger gilt also: Der Kanton Bern muss die eigenen Vorzüge wie die Hochschulen und die Industrie-Cluster am Jurasüdfuss und im Emmental-Oberaargau gezielt pflegen und stärken.

Unter dem Strich ist der Entscheid von Meyer Burger für Bern und die Region Thun trotz allem verkraftbar. Letzte Woche meldete das bernische Wirtschaftsamt eine Arbeitslosigkeit von nur 1,7 Prozent. Im Grossraum Thun betrug die Rate sogar nur 1,2 Prozent, verglichen mit 2,4 Prozent schweizweit. Auch dem Industriestandort Bern geht es gut: In den Bereichen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie droht derzeit gar ein Fachkräftemangel; hier hat sich die Zahl der Stellensuchenden im Kanton in den letzten zwei Jahren halbiert. Wenigstens ein kleiner Trost für die Leute von Meyer Burger, die bald einen Job suchen müssen.

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