Mehr Mut zum Experiment

In Sachen Cannabis braucht es einen Experimentierartikel im Gesetz. Neue Erkenntnisse würden die Drogen-Diskussion versachlichen.

Soll die Droge Cannabis entkriminalisiert werden?

Soll die Droge Cannabis entkriminalisiert werden? Bild: Andreas Meier /Reuters

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Was passiert, wenn ein Kiffer sein Gras in der Apotheke bezieht statt auf der Strasse? Eine Studie der Universität Bern wollte dies untersuchen. Die Ergebnisse hätten als wissenschaftliche Grundlagen für die Debatte über die gesetzliche Regulierung des Cannabis-Konsums gedient. Doch so weit kommt es nicht. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat den Versuch gestoppt. Der Entscheid ist bedauerlich. Denn sogar das BAG räumt in seiner Stellungnahme ein, dass es ein Anliegen sei, «mit solchen Studien neue Formen des gesellschaftlichen Umgangs mit Cannabis» zu erforschen. In seiner Absage schreibt das Amt, es sei am Parlament, über einen Experimentierartikel im Betäubungsmittelgesetz zu entscheiden. Doch das Bundesparlament wird nicht nur über diesen bestimmen müssen, sondern auch über die generelle Frage der Legalisierung von Cannabis.

Mit der parlamentarischen Initiative der Grünen Partei über die Hanfregulierung steht diese Debatte voraussichtlich im nächsten Jahr ohnehin an. Die Gefahr ist jedoch gross, dass sich das Parlament bei dieser Frage erneut in ideologische Debatten verstrickt. Es wäre daher wünschenswert, wenn der Experimentierartikel im Gesetz Platz finden und sich in der Hanf-Politik damit etwas bewegen würde. Die Zürcher FDP-Nationalrätin Regine Sauter wäre bereit, sich für eine Gesetzesänderung einzusetzen, die Unterstützung von links hätte sie garantiert.

Aufgrund von Befragungen geht man heute davon aus, dass mehr als ein Drittel der Schweizer schon gekifft hat. Städte wie Bern und Zürich treten zudem seit Jahren für eine Entkriminalisierung der Droge ein. Nachdem das BAG den mutigen Schritt nicht wagte, muss das Parlament einen Weg vorzeigen. Ein Experimentierartikel erlaubte es der Wissenschaft, das Konsumverhalten der Kiffer zu untersuchen. Die neuen Erkenntnisse könnten die Diskussion versachlichen. Es ist knapp zehn Jahre her, dass eine Mehrheit des Stimmvolks eine Cannabis-Legalisierung ablehnte. Es ist deshalb legitim, heute erneut über die Frage nachzudenken. (Der Bund)

Erstellt: 15.11.2017, 06:39 Uhr

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