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Mehr Alte hinter Gittern

Das Alter der Insassen in den Schweizer Gefängnissen wird immer höher. Das stellt die Vollzugsanstalten vor Probleme.

«Menschen, die todkrank und noch urteilsfähig sind, sollten das Recht auf Sterbehilfe in Anspruch nehmen dürfen.»
«Menschen, die todkrank und noch urteilsfähig sind, sollten das Recht auf Sterbehilfe in Anspruch nehmen dürfen.»
Thomas Egli

So wie die Gesellschaft in der Schweiz immer älter wird, wird auch das Alter der Insassen in den Schweizer Gefängnissen immer höher. Waren etwa im Jahr 2004 250 der Insassen in Schweizer Gefängnissen zwischen 50 und 60 Jahre alt, waren es zehn Jahre später bereits 480. Auch die Anzahl Gefangener über 60 Jahre stieg an. Insgesamt hat sich in den vergangenen dreissig Jahren die Anzahl der betagten Straftäter mehr als verdreifacht. Bis 2050 rechnen die Fachleute mit bis zu zehnmal mehr Insassen der Altersgruppe über 60 Jahre.

Neben der allgemein älteren Gesellschaft, die sich auch in älteren Straftätern und damit im Gefängnis widerspiegelt, kommen weitere Faktoren hinzu: So wurden die Gesetze in der Schweiz in den letzten Jahren verschärft, sodass mehr Gefangene keine Aussicht auf Entlassung vor ihrem Lebensende haben, etwa wenn sie als «austherapiert» und sehr gefährlich gelten. Und auch: Aufgrund der Lebensumstände altern Gefangene körperlich schneller – «hyper-ageing» heisst dieser Vorgang – und haben dementsprechend früher mit Altersbeschwerden zu kämpfen.

Erste Schritte sind getan

Die Schweizer Gefängnislandschaft stellt sich erst langsam auf diese Tatsachen ein. So gibt es neben der Justizvollzugsanstalt (JVS) Bostadel in Menzingen, wo R.G. verwahrt ist, auch in der JVA Lenzburg eine Abteilung spezifisch für über 60-jährige Gefangene. In Zusammenarbeit mit einer externen Spitex besitzt die Abteilung auch ein Sterbehospiz. Es ist also möglich, innerhalb der Gefängnismauern angemessen betreut und begleitet zu sterben. In der JVA Pöschwies im zürcherischen Regensdorf gibt es eine Abteilung mit gelockerten Haftbedingungen für ältere Gefangene und Insassen mit körperlichen Beschwerden oder Suchtproblemen.

Der Kanton Bern verfügt über keine spezialisierte Einrichtung. Man sei aber sensibilisiert und werde sich bei der Umsetzung der Justizvollzugsstrategie um diese Frage kümmern, heisst es beim Amt für Justizvollzug. «Das Thema ist also aufgenommen, die Umsetzung aber noch in etlicher Ferne.» Im Bedarfsfall arbeite der Kanton Bern innerhalb des Strafvollzugkonkordates Nordwest- und Innerschweiz mit anderen Justizvollzugsanstalten wie eben Bostadel oder Lenzburg zusammen. Zudem versuche man, «in den eigenen Strukturen den Bedarf so gut als möglich selbst zu realisieren».

Forschungsgegenstand

Die Thematik beschäftigt auch die Forschung: «Lebensende im Gefängnis» heisst eine Studie aus dem Nationalen Forschungsprogramm «Lebensende». Untersucht wurde, wie im Gefängnis ein «menschenwürdiges Lebensende» garantiert werden kann. Zu den Empfehlungen gehört, dass die Gefängnisse ihre Räumlichkeiten entsprechend anpassen, etwa mit altersgerechten Betten und Toiletten. Auch das Personal müsse für die Spezialabteilungen entsprechend ausgebildet werden. Und nicht zuletzt: «Menschen, die todkrank und noch urteilsfähig sind, sollten das Recht auf Sterbehilfe in Anspruch nehmen dürfen.»

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