Medizinische Kontrollen für Komasäufer sollen schneller werden

Betrunkene Personen, die von der Polizei verhaftet wurden, sollen weniger oft im Notfall landen – dank Notfallärzten und Medizinstudenten. Das fordert ein Vorstoss.

Blick ins «Hotel Suff» – eine der Ausnüchterungszellen in Zürich. (Archiv)

Blick ins «Hotel Suff» – eine der Ausnüchterungszellen in Zürich. (Archiv) Bild: Sabina Bobst

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Eine Ausnüchterungszelle nach Zürcher Vorbild, das sogenannte «Hotel Suff», hatte im Kanton Bern politisch keine Chance – zu teuer, befanden Regierungsrat und Parlament. Jetzt könnten aber zumindest die Polizeiposten vermehrt zu «Bed and Breakfasts» für Betrunkene werden.

Der Regierungsrat will dafür sorgen, dass künftig schneller Fachpersonal aufgeboten werden könnte, um verhaftete Personen in kritischem Zustand zu beurteilen. Kann die Person die Nacht in der Zelle verbringen? Oder muss sie in die Notaufnahme eingeliefert werden, etwa weil sie stark betrunken ist oder sich wegen anderen Drogen in einem gefährlichen Zustand befindet?

Kann dies bereits auf dem Posten geprüft werden, könnte das zur Folge haben, dass weniger Personen in den Notfall eingeliefert werden. Derzeit sind für diese Prüfung zugelassene Ärzte gerade an Wochenende und in der Nacht knapp, entsprechend dauert es oft lange, bis die Ärzte auf dem Posten sind. Die Folge: Um kein Risiko einzugehen, fahren die Polizisten die Verhafteten lieber einmal zu viel in den Notfall.

Die Pläne des Regierungsrates gehen aus einer Antwort auf einen Vorstoss der SVP-Grossrätin Sabina Geissbühler-Strupler hervor. Strupler moniert in ihrem Vorstoss, die häufigen Einweisungen würden hohe Kosten verursachen, nämlich «rund 1200 Franken pro Fall». Um Kosten zu sparen, sollen auch Medizinstudenten zur Überwachung von Betrunkenen und selbständige Notfallärzte für die Einschätzung zum Einsatz kommen, schlägt sie deshalb vor.

Nicht die Kosten im Vordergrund

«Das Anliegen geht in die richtige Richtung», sagt Sicherheitsdirektor Hans-Jürg Käser (FDP) auf Anfrage. Allerdings will die Regierung die Motion in ein Postulat umwandeln, um die Situation zu prüfen. «Die Vorschläge der Parlamentarier in den Motionen sind aber nicht immer bereits die beste Lösung». Es gehe für die Regierung denn auch weniger um die Kosten als um die Situation der Polizei und der Verhafteten, so Käser. Man müsse die Problematik ernst nehmen, dass ein Verhafteter in Polizeigewahrsam sterben könnte, weil kein Arzt zur Stelle gewesen sei, um die Situation richtig einzuschätzen, so Käser.

Als Lösung könne er sich etwa vorstellen, dass man die Bedingungen für die Ärzte, welche den Zustand der Verhafteten beurteilen dürfen, lockern könnte, so Käser. Statt nur Ärzte mit einer Berufsausübungsbewilligung könnten zum Beispiel auch Assistenzärzte in diesen Pool aufgenommen werden. Dies würde in anderen Kantonen bereits so gehandhabt, so Käser.

«Deckt nur einen Teil ab»

«Lieber etwas als gar nichts», sagt Ruedi Löffel, EVP-Grossrat und Leiter der Fachstelle Suchtprävention des Blauen Kreuzes Bern zur Antwort der Regierung. Er war der Verfasser der Motion für das Berner «Hotel Suff» welches am Widerstand der Sicherheitsdirektion und Kantonspolizei scheiterte. Vom Vorstoss habe er nichts gewusst.

Die Idee sei gut, decke mit der Abklärung der sogenannten Hafterstehungsfähigkeit aber nur einen Teil der Problematik ab: «Sobald jemand zur Ausnüchterung ins Spital musss, bezahlt die Krankenkasse und damit die Allgemeinheit mit.»

Die Kantonspolizei will sich nicht zur Thematik äussern, da man einer politischen Diskussion nicht vorgreifen wolle, wie es heisst. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.05.2018, 16:05 Uhr

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