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«Männerspielzeuge» zerlegt, Tagesstruktur aufgebaut

Knapp tausend Tonnen alter Elektrogeräte haben in Thörishaus in ihre Bestandteile zurückgefunden. Dies unter den Händen ausgesteuerter Sozialhilfebezüger, die den Weg zurück ins Arbeitsleben suchen.

Die Karl Kaufmann Recycling AG beliefert «Fractio» mit dem Elektroschrott.
Die Karl Kaufmann Recycling AG beliefert «Fractio» mit dem Elektroschrott.
Valérie Chételat

930 Tonnen alte Fernseher, Computer und Stereoanlagen sind letztes Jahr in Thörishaus in ihre Bestandteile zerlegt worden. Ausgesteuerte Sozialhilfebezüger haben die Arbeit im Rahmen des Beschäftigungsprogramms «Fractio» erledigt. Für die Gemeinde Köniz, die das Programm vor fünf Jahren angestossen hat, handelt es sich um eine «Erfolgsgeschichte», wie Sozialvorsteher Ueli Studer am Donnerstag vor den Medien sagte. Das Programm wird heute vom Kanton unterstützt; Sozialhilfebezüger aus insgesamt 39 Gemeinden der Region können hier beschäftigt werden.

Viele von ihnen befinden sich in einer schwierigen Lebenssituation, wie Studer betonte. «Die Menschen haben psychische und physische Probleme, zum Teil hindern Suchtprobleme, verminderte Sozialkompetenz und mangelnde Deutschkenntnisse die Eingliederung in den Ersten Arbeitsmarkt.» Für solche Leute brauche es ein möglichst niederschwelliges Angebot, und das habe früher gefehlt. «In Thörishaus können wir ihnen eine geregelte Tagesstruktur geben.» Zugleich können die Ressourcen der einzelnen Leute - zumeist Männer - besser eingeschätzt werden.

Ein Kommen und Gehen

Denn das Ziel bleibe ja die Reintegration in die Arbeitswelt, betonte Studer. In Thörishaus gab es zwar früher nur zehn Arbeitsplätze, heute sind es 18 - trotzdem haben seit 2007 hier bereits 300 Menschen einige Tage, Wochen oder Monate gearbeitet. «20 von ihnen konnten wieder im Ersten Arbeitsmarkt integriert werden», berichtete Studer. Das sei angesichts des schwierigen Hintergrunds der Betroffenen ein grosser Erfolg. Bei jedem Beschäftigten sei man bemüht, ihm möglichst etwas mit auf den Weg zu geben. «Einige Teilnehmer packen die Chance, andere nicht.»

Einige von ihnen fand einen Job gleich nebenan beim alteingesessenen Recycling-Unternehmen Karl Kaufmann AG. Diese Firma beliefert «Fractio» mit dem Elektroschrott und vermietet dem Verein zudem die Räumlichkeiten beim Bahnhof Thörishaus zu günstigen Konditionen.

Ausgediente «Männerspielzeuge»

Zerlegt werden vor allem Fernseher, Computer, Stereoanlagen - «Männerspielzeuge», wie es Betriebsleiter René Kolb ausdrückt. Die Elektronik-Geräte, die zum Teil wertvolle oder giftige Materialien enthalten, werden nach den Vorgaben einer Firma in Kaiseraugst zerlegt, die das Material dann in Containern abholt. Im vergangenen Jahr hat «Fractio» einen Umsatz von 167'000 Franken erzielt. Dazu kommen 60'000 Franken, die über den kantonalen Lastenausgleich abgerechnet werden können, seitdem das Projekt als Kommunales Integrationsangebot (KIA) anerkannt ist.

Die insgesamt bescheidenen Einnahmen müssen reichen, um die Löhne zweier Angestellter und die Infrastruktur zu zahlen. Die Teilnehmer des Programms erhalten ja keinen Lohn; sie können ihre Sozialhilfe allerdings aufbessern mit einer Integrationszulage, die ihnen als Anerkennung für die Arbeit zugesprochen wird. Für besondere Leistungen gibt es zudem Warengutscheine.

20 Betriebe

Ein Einzelfall ist «Fractio» nicht. «Schweizweit gibt es heute schätzungsweise 20 Zerlegebetriebe, die wie wir organisiert sind», berichtete Betriebsleiter Kolb. Viel Geld lässt sich nicht verdienen, zumal die Preise im Recycling-Markt rückläufig sind. Konkurrenz gibt es ausserdem von Betrieben, die die alten Geräte nicht in Handarbeit, sondern mit dem Schredder zerlegen lassen.

SDA/rym

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